Besatzung, Spaltung und Blockade 1945-1948/49

Arthur Werner
Dr. Arthur Werner (1945 - 1946) Bild: Landesarchiv Berlin

Nach der militärischen Befreiung vom Nationalsozialismus übernahmen die alliierten Oberbefehlshaber die Regierungsgewalt über Deutschland. Eine aus den vier Stadtkommandanten gebildete interalliierte Regierungsbehörde (Alliierte Kommandantur) verwaltete unter Aufsicht des Alliierten Kontrollrats das in vier Sektoren unterteilte Gebiet von Groß-Berlin. Im Juli und August 1945 trafen die amerikanischen, britischen und französischen Truppen in ihren jeweiligen Sektoren ein. Auf der Potsdamer Konferenz (Juli/August 1945) bekräftigten die USA, Großbritannien und die Sowjetunion zwar noch einmal ihre Absicht, in Bezug auf Deutschland und Berlin zusammenzuarbeiten (Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Dezentralisierung, Reparationsfrage), gleichwohl wurden aber bereits die politischen Differenzen zwischen den Siegermächten deutlich. So überließ man Einzelheiten einem neu geschaffenen Außenministerrat, dessen Beratungen jedoch ergebnislos blieben. Unterdessen hatten die sowjetischen Militärbehörden noch im Jahr 1945 einen neuen Magistrat für Groß-Berlin unter dem Oberbürgermeister Dr. Arthur Werner (1877-1967) eingesetzt.

Erste freie Wahlen in Berlin seit 1933

Otto Ostrowski
Dr. Otto Ostrowski (1946 - 1947) Bild: Landesarchiv Berlin

Am 20. Oktober 1946, dem Tag des Inkrafttretens der von den Alliierten erlassenen Vorläufigen Verfassung von Groß-Berlin, fanden im Einvernehmen mit den Siegermächten die ersten freien Wahlen in Berlin seit der nationalsozialistischen “Machtergreifung” statt. Die Vorläufige Verfassung bestimmte, dass alle zugelassenen Parteien nach ihrer Stärke an der Bildung des Magistrats beteiligt werden. Oberbürgermeister wurde der SPD-Politiker Dr. Otto Ostrowski (1883-1963). Personalpolitische Fragen unterlagen der Genehmigung durch die Alliierte Kommandantur. Die SED versuchte in dieser Situation mit Hilfe der Sowjets, ihre Stellung zu behaupten bzw. auszubauen.

Nachdem in Verhandlungen mit der UdSSR über die zukünftige politische und wirtschaftliche Ordnung in Deutschland keine Einigung erzielt werden konnte, strebten die Westalliierten den wirtschaftlichen Zusammenschluss ihrer Zonen und die Schaffung eines westeuropäisch orientierten deutschen Teilstaates an. Daraufhin verließen die Sowjets zunächst im März 1948 den Alliierten Kontrollrat und im Juni auch die Alliierte Kommandantur. Gescheitert waren ebenfalls die Gespräche über eine gemeinsame Währungsreform für ganz Deutschland. Daraufhin führten die Westmächte am 20. Juni 1948 in ihren Zonen allein eine Währungsreform durch, von der die Westsektoren Berlins zunächst ausgeschlossen blieben.

Die Währungsreform und ihre Folgen

Dies änderte sich, als die Sowjets die in ihrer Zone zwei Tage später erlassene Währungsreform auf alle Sektoren Berlins ausdehnen wollten: Nun wurde die West-Währung auch in den drei Westsektoren von Berlin eingeführt. Die Sowjetunion nahm dies zum Anlass, am 24. Juni 1948 sämtliche Verbindungswege nach West-Berlin zu unterbrechen. Ihr Ziel war es, durch die Blockade ihren Einfluss auf ganz Berlin auszudehnen und die Bildung eines westdeutschen Teilstaates zu verhindern. Bereits zwei Tage später begann die vom amerikanischen Militärgouverneur Lucius D. Clay initiierte Luftbrücke zur Versorgung der Bevölkerung West-Berlins. Erst am 12. Mai 1949 wurde die Blockade aufgehoben.

Auch im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung von Berlin hatten die Spannungen zugenommen: Nach dem Rücktritt Ostrowskis war im Juni 1947 Ernst Reuter zum Oberbürgermeister gewählt worden, konnte jedoch sein Amt wegen sowjetischen Einspruchs nicht antreten. Daraufhin blieb Louise Schroeder (ebenfalls SPD) amtierende Oberbürgermeisterin. Als SED-Sympathisanten mehrfach Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung störten und am 6. September 1948 das Neue Stadthaus im Bezirk Mitte besetzten, wichen die nicht-kommunistischen Abgeordneten nach West-Berlin aus, zunächst in das Gebäude der Technischen Universität und dann in das Rathaus Schöneberg. Daraufhin erklärte eine im Ostteil gebildete “außerordentliche Stadtverordnetenversammlung” am 30. November 1948 den bisherigen Magistrat für abgesetzt und wählte Friedrich Ebert (den ältesten Sohn des ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik) zum Oberbürgermeister. In West-Berlin wurde nun eine eigene Verwaltung aufgebaut, und nach den Wahlen vom Dezember 1948 übernahm im Januar 1949 Ernst Reuter endgültig das Amt des Oberbürgermeisters, das seit Inkrafttreten der Berliner Verfassung von 1950 “Regierender Bürgermeister” heißt. Die administrative Spaltung war vollzogen, fortan gingen die beiden Stadthälften getrennte Wege. Das Rathaus Schöneberg wurde Sitz von Senat und Abgeordnetenhaus West-Berlins.