Polizeimeister Andrew H.

"Warum nicht mal was "Richtiges" machen?"

Polizeimeister Andrew H.
Bild: Polizei Berlin

Warum haben Sie sich für den Beruf eines Polizeivollzugsbeamten entschieden?

Ich hatte die Annonce zufällig in der Zeitung gelesen und mich dann darauf beworben. Ich hatte vorher 8 Jahre Bundeswehr hinter mir und habe danach in der Sicherheitsbranche gearbeitet. Ich hatte also immer irgendwie mit Sicherheit zu tun und dachte mir, warum nicht ´mal ´was „Richtiges“ machen?

Wie hat Ihre Umwelt (Freunde/Familie) auf Ihre Berufswahl reagiert?

Bei mir haben alle relativ positiv reagiert. Es kamen auch immer solche Sprüche wie „Du bist genau der Richtige dafür“. Es gab aber auch ein paar kritische Stimmen: „Was? Du willst Beamter werden?“ oder „Dann wirst du mich ja künftig aufschreiben, wenn ich falsch parke.“

Welche Erwartungen haben/hatten Sie an die Ausbildung/den Beruf?

Sehr viel Sport! Diese Erwartung wurde schon durch die Internetseite der Polizei Berlin, die man sich auf jeden Fall vorher intensiv ansehen sollte, geweckt. Aber, dass man auch viel Theorie vermittelt bekommt. Diese Erwartungen wurden dann auch erfüllt und wahrscheinlich sogar übertroffen. Bei mir ist es ja so, dass ich bereits 20 Jahre aus der Schule heraus bin und zum Anfang arge Probleme mit dem Theorieteil hatte. Mit dem Sport nicht, da ich ohnehin viel Sport treibe. Aber die Theorie ist anders, da liest man sich am Anfang etwas durch und meint, man hätte es verstanden und wenn man sich am nächsten Tag wieder damit beschäftigte, dachte man, nanu, das hatte ich ja noch gar nicht. Was den theoretischen Stoff angeht, ist es schon sehr viel und es wird auch viel verlangt.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Ausbildung?

Mir gefällt besonders an der Ausbildung, dass sie sehr praxisorientiert ist. Ich habe zwar noch kein Praktikum gehabt und kann daher nicht sagen, ob es das Gleiche ist, wie auf der Straße. Aber z. B. waren wir letzte Woche beim Schießen, das war jetzt nicht das klassische Schießtraining, wie ich es von der Bundeswehr kenne, sondern gleich mit den Erläuterungen: „Wann darf ich schießen bzw. wann darf ich überhaupt die Waffe ziehen?“, so dass man das Gefühl hat, das ist wirklich etwas, was man später auch verwenden kann.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Eigenschaften einer/s Polizeivollzugsbeamtin/en bzw. welche sollten sie/er mitbringen?

Man sollte auf jeden Fall auch Ehrgeiz und an sich selber eine gewisse Erwartungshaltung haben. Nicht nur denken „ich komm´ da schon irgendwie durch“, sondern so viel wie möglich aus dieser Ausbildung mitnehmen. Ich denke, dass gerade auch das Anwenden der Theorie im späteren Berufsleben sehr wichtig ist. Nur so kann man seine Arbeit gut erledigen.

Was empfinden Sie als Vor- und Nachteil des Polizeiberufs?

Der Vorteil ist auf jeden Fall, dass man regelmäßig und pünktlich zum Anfang des Monats sein Geld bekommt. Auch der Urlaub ist ein Vorteil, gerade im Vergleich zu jemandem, der selbständig ist. Ein weiterer Vorteil ist, man bekommt vom Arbeitgeber so ziemlich alles gestellt, was man braucht. Man ist nicht verpflichtet, sich etwas selber zu kaufen. Es gibt auch viele Leute, so habe ich es bis jetzt empfunden, die sich um einen kümmern, wenn man einmal irgendwelche Probleme hat, sei es auch etwas Privates. Man hat seine Ansprechpartner (z. B. den Gruppenführer).

Zu den Nachteilen kann ich im Moment noch nicht viel sagen, aber ich denke, ein Nachteil wird sein, dass es ein sehr zeitintensiver Job ist. Man muss auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen arbeiten, man kann nicht sagen: „Morgen hat meine Tochter Geburtstag, ich muss jetzt ´mal nach Hause“. Es kann eben auch sein, dass man an diesem Tag arbeitet. Der 1. Mai wird z. B. wahrscheinlich nie mehr ein freier Tag für uns sein. Es kann auch ein Nachteil sein, dass dadurch die Familie sehr belastet wird und dadurch viele Ehen und Partnerschaften kaputt gehen können.

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse während der Ausbildung, wenn es aufgrund der Kürze schon so etwas gibt.

Also von bestimmten interessanten Erlebnissen kann ich jetzt nicht berichten, weil ich finde, dass alles interessant ist. Was ich allerdings bereits gemerkt habe, dass der Polizeiberuf so umfassend ist, dass man halt nicht jeden Tag das Gleiche macht, sondern, dass man jeden Tag etwas Neues erlebt. Und so ist es jetzt in der Ausbildung auch. Egal, was man macht, es kommt immer etwas Neues auf einen zu.

Welche Hinweise/Tipps haben Sie für Berufsanfänger?

Man sollte auf jeden Fall seine sportlichen Leistungen vorher trainieren. Das wird wahrscheinlich oft gesagt, aber es ist tatsächlich so, wenn man selber schon weiß, dass man schlecht im Schwimmen ist, dass man zwar schwimmen kann, aber nicht unbedingt schnell oder im Laufen nicht unbedingt der Beste ist, dann sollte man an sich arbeiten. Man muss aber auch nicht der Beste sein, aber man sollte die Leistungen erfüllen können, die hier erwartet werden. Man sollte auf jeden Fall mindestens 3, aber noch besser 6 Monate vorher anfangen zu trainieren, weil es sonst relativ schwer wird. Es wird von Anfang an viel abgefordert, was den Sport angeht und es werden auch schnell Noten genommen. Wenn man dann denkt, dass man hier erst fit gemacht wird, ist es schon fast zu spät.

Bei der Theorie ist es wichtig von Anfang an bei der Sache zu bleiben, denn Rückstände sind sehr schwer wieder aufzuholen.

Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft bei der Polizei Berlin vor?

Zunächst stehen jetzt die Ausbildung und der Abschluss im Vordergrund. Danach würde ich gerne auf eine Einsatzhundertschaft, so 1-2 Jahre, damit ich da auch mitreden kann. Danach wird es wahrscheinlich dazu führen, dass man aufgrund des Alters auf einen Abschnitt kommt. Was es dann noch für Spezialdienststellen gibt, für die man sich interessieren könnte, sieht man ohnehin erst, wenn man seinen normalen Dienst versieht.