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CALIGULA. INFERNO

nach Camus und Dante

In CALIGULA. INFERNO begegnen sich zwei der bedeutendsten Werke der Weltliteratur, die den Menschen in den Abgrund treiben: Albert Camus Drama über den römischen Kaiser Caligula, der gegen die Grenzen der Welt revoltiert, indem er seinen Untertanen Unmögliches abverlangt und eine willkürliche Schreckensherrschaft begründet und Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, die uns hinab in die Kreise der Hölle führt. Jede Schuld findet hier ihren Ort, jede Tat ihre Strafe.

Zwei Formen der Gefangenschaft, zwei Logiken ohne Ausgang. Zwischen Willkür und Gesetz taumelt der Mensch - in eine Hölle, die nicht im Jenseits liegt, sondern mitten unter den Menschen. Ein bleierner Zustand, der im Hier und Jetzt entsteht: durch System, durch Macht und Gewalt.

Caligula gilt als gewissenhafter, junger Herrscher und Hoffnung des römischen Reiches. Doch der Tod seiner Schwester stürzt ihn in eine tiefe Sinnkrise, aus der er mit einer erschütternden Erkenntnis hervorgeht: Die Menschen sterben und sie sind nicht glücklich. Was für einen Sinn hat unser Streben? Keinen. Aus dem Widerspruch zwischen menschlichem Verlangen und einer gleichgültigen Welt zieht Caligula eine extreme Konsequenz: Wenn alles bedeutungslos ist, ist auch alles erlaubt. In seiner absoluten Macht stellt er seine Untertanen auf die Probe: Wie weit lassen sie sich treiben, und wie viel können sie erdulden, bevor sie sich der Tyrannei widersetzen? Er demütigt, er enteignet, er mordet. Es ist die verheerende Strategie eines freigesetzten Machtmenschen, der beschlossen hat, der Welt ihre absurde Verfasstheit vor Augen zu führen, indem er sie durch konsequentes Denken und Handeln auf ihre mörderische Spitze treibt.

Caligula ist ein Outlaw, der sich das Absurde zu eigenen macht. Der unangepasste Rock 'n' Roller, der als rebellierender Anti-Held das Establishment immer auf’s Neue herausfordert. Er nimmt den Nihilismus beim Wort und wird zum Verdammten, der die Hölle entfesselt. Eine von Menschenhand geschaffene Hölle, die dort beginnt, wo der Mensch glaubt, alles zu dürfen. Oder dort, wo er nichts mehr ändern kann. Schwer zu erkennen, wann die Hölle längst zur Ordnung geworden ist.

Die Hölle ist eine Erfindung der Menschheit. Seit Jahrhunderten steigen Menschen mit Dante hinab in die Kreise des Infernos und begegnen dort Mördern, Verrätern, Tyrannen – Verdammten, eingeschlossen in eine Ewigkeit der Schuld. Die Verdammten sind gefangen im Echo ihres Handelns. Die Schuld ist eingeschrieben in ihre Körper, ihre Strafe ist immerwährende Wiederholung.

Begleitet durch Musiker der renommierten Berliner Band 17 HIPPIES begibt sich das Gefangenenensemble der JVA Tegel im Freistundenhof der ehemaligen Teilanstalt III auf einen grotesken Höllenritt. Willkür, Wahn und Rock 'n' Roll.

Künstler/Beteiligte: Sibylle Arndt (Produktionsleitung), Peter Atanassow (Regie), Christopher Blenkinsop (Musikalisches Konzept und Arrangements), Franziska Kuhn (Dramaturgie), Anne Schartmann (Kostüm), Vsevolod Silkin (Musikalische Einstudierung Gesang), Holger Syrbe (Bühne), Adrian Zajac, Alex, André S., Atak, Baris Can, Can Can, Eddy A., Fabi, H. Peter Maier C.d.F., Horst Grimm, Jan M., Marco, Muhammet, Norman, Paco, Paul E., Rico, Robert, Robin, Ronny B., Senad, Sven, Taui., Benjamin Ostarek (Klarinette), Reinhard „Koma“ Lüderitz (Schlagwerk, Sackpfeife), Volker „Kruisko“ Rettmann (Akkordeon), Michael "Mo" Jaksch (Kontrabass, Zither), Vsevolod Silkin

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