Haus der Berliner Festspiele - Große Bühne
Salzburger Marionettentheater
Georg Baselitz / Isabelle Faust & Friends; Igor Strawinsky „Die Geschichte vom Soldaten“

Musikfest Berlin – Schriftzug Musikfest Berlin
© Berliner Festspiele
Die Uraufführung der Geschichte vom Soldaten 1918 in Lausanne markierte nicht nur einen wichtigen Moment in der Schweizer Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts, sondern machte sie zu einem Schlüsselwerk der musikalischen Moderne. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs befand Strawinsky sich im Exil am Genfer See, wo er den Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz kennenlernte. Aufgrund ausbleibender regulärer Einnahmen beschlossen die beiden Künstler, gemeinsam eine Art Wandertheater zu realisieren. Die Handlung um einen desertierten Soldaten, den Teufel, eine Geige und eine Prinzessin finden sie in einem russischen Volksmärchen, wobei Strawinsky und Ramuz die Vorlage in wesentlichen Punkten umarbeiteten.
Die Protagonist*innen der Geschichte vom Soldaten erscheinen nicht als individuelle Charaktere, sondern als Figuren aus dem Repertoire des Puppen- und Jahrmarkttheaters. Die Musik ist für ein siebenköpfiges Instrumentarium geschrieben und besteht aus 16 knapp gefassten Nummern, in denen Strawinsky mit allgemeinen musikalischen Topoi vom Marsch bis zum Tango arbeitet. Charakteristisch sind der Aufbau aus kleinen – zwar variierten, in ihrer Substanz aber stabil bleibenden – Elementen, das Überlagern verschiedener Schichten mit je eigenen Rhythmen und eine gewisse klangliche Trockenheit und Härte.
Das Salzburger Marionettentheater zählt zu den traditionsreichsten Figurentheatern weltweit und wurde 1913 von dem Bildhauer Anton Aicher gegründet. Das Ensemble besteht aus zehn Marionettenspieler*innen, die in den unterschiedlichsten handwerklichen Berufen ausgebildet sind, um Figuren, Bühnenbild und Requisiten selbst herzustellen. Im Jahr 2016 wurde die Spielpraxis des Salzburger Marionettentheaters zum immateriellen UNESCO Kulturerbe ernannt. Nach einem Besuch des Künstlers Georg Baselitz, der seit Langem ein Interesse an dieser Kunstform hegt, ergab sich die Zusammenarbeit fast zwangsläufig. Rasch fiel die Wahl auf die Geschichte vom Soldaten, wobei sich die von Baselitz entwickelten Marionetten zum artifiziell Hergestellten und Gemachten des Theaters bekennen: „Also besorgte ich mir ein dünnes Blech, das ich selbst biegen konnte, mit dem ich formal sehr frei umgehen konnte. […] Ich habe alle diese Gestalten selbst zurechtgeknittert, also zurechtgeformt. Den Körper, der ja üblicherweise unter Kleidung versteckt ist, habe ich nur vom Skelett her gezeigt — er besteht ausschließlich aus Pappröhren.“
Igor Strawinsky (1882–1971)
Die Geschichte vom Soldaten (1917/18)
Ein Bühnenstück zu lesen, zu spielen und zu tanzen
Text von Charles Ferdinand Ramuz, in der deutschen Nachdichtung von Hans Reinhart
Szenische Aufführung
Künstler/Beteiligte: Matthias Bundschuh, Georg Baselitz, Leonhard Winkler, Isabelle Faust, Pascal Moraguès, Giorgio Mandolesi, Reinhold Friedrich, Ian Bousfield, Wies de Boevé, Raymond Curfs, Dominique Horwitz, Edouard Funck (Der Soldat), Ursula Winzer (Der Soldat), Philippe Brunner (Der Teufel), Eva Wiener (Der Teufel), Vladimir Fediakov (Die Prinzessin), Maximilian Kiener-Laubenbacher (Die Prinzessin), Veronika Grimme (Der König / Der Veteran), Marion Mayer (Der Ausrufer / Der Trompeter), Philipp Schmidt (Der Trommler), Salzburger Marionettentheater (Dorfbewohner)
mit Unterstützung der Galerie Thaddaeus Ropac
Die Tournee 2026 wird unterstützt von fürst developments, Salzburg.
Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
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