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Sound Spaces: Das Spiel mit dem Text

Science Talk mit Jo Wilhelm Siebert

Camaros Glasbausteinfenster im Musikinstrumenten-Museum – Camaros Glasbausteinfenster im Musikinstrumenten-Museum

Camaros Glasbausteinfenster im Musikinstrumenten-Museum – Camaros Glasbausteinfenster im Musikinstrumenten-Museum

Ohne einen Notentext als Grundlage dessen, was gespielt wird, würden wir nicht von musikalischer Interpretation im engeren Sinne sprechen. Ebenso wenig würden wir von Interpretation sprechen ohne ein gewisses Maß an artistisch-souveränem Hinwegsetzen über die Vorschriften in einem solchen Notentext. Zwischen der Verbindlichkeit des Textes und den Spielräumen der Unverbindlichkeit, die dieser Text zugleich bietet und die ihn überhaupt erst interpretationsfähig machen, herrscht also ein strittiges Verhältnis. Dort gilt es, in Unfreiheit durch Spiel Freiheit herzustellen: in Ketten zu tanzen, auf leichten Seilen am Abgrund sich zu halten.

In zahlreichen Beispielen aus der Musikgeschichte wird die Unbändigkeit der interpretatorischen Freiheit illustriert und anhand von Aufnahmen der besondere Blick für das Mögliche beleuchtet, wie er Musikerinnen und Musikern beim Interpretieren eigen ist. Gerade dieser Blick öffnet den Spielraum der Werke, in dem durchaus verschiedene Lesarten desselben Textes ihren berechtigten und reizvollen Platz finden.

Dr. Jo Wilhelm Siebert arbeitet am Staatlichen Institut für Musikforschung und beschäftigt sich unter anderem mit Musikgeschichte, -theorie und -ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts.

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