Die Welt zu quantisieren bedeutet, sie in diskrete Einheiten zu zerlegen, die gezählt werden können und die zählen – also beiden Bedeutungen des Wortes entsprechen: indem man sie zählbar macht, erhalten sie Relevanz. Wenn die Zählung gegen unendlich geht, führen Physiker*innen eine Korrektur namens Renormierung durch: Sie ziehen eine Grenze ein, absorbieren den Überschuss und sorgen dafür, dass ihre Rechnung aufgeht. Wenn die Körnung der Welt feiner ist, als ihre Instrumente sie erfassen können, setzen sie eine Rauschschwelle, einen Grenzwert, und behandeln alles darunter als tolerierbare Abweichung. Was oberhalb der Grenze liegt, ebenso wie das, was darunter liegt, wird als Rauschen ausgeblendet. Was geschieht, wenn solche Quanten und Daten nicht einfach gezählt und analysiert, sondern angehört werden?
Dieser Workshop von Muindi Fanuel Muindi greift Praktiken aus der Schwarzen radikalen Klangtradition auf, die andere Zugänge zu Quanten und Daten eröffnen. Polyrhythmik, Improvisation und gemeinsames Musizieren richten ihre Aufmerksamkeit auf Beziehungen und Muster, die in der numerischen Analyse „nicht zählen“ und ausgeblendet werden.
Mithilfe eigens entwickelter Software, Samplern, Drumcomputern und Synthesizern verwandeln die Teilnehmenden ökonomische und ökologische Datensätze – darunter Daten zu Ungleichheit, Rohstoffabbau und Klimavulnerabilität – in Klang. Die Daten bestimmen dabei Sequenzen von Breakbeats, die von den Teilnehmenden gesampelt, bearbeitet und improvisatorisch weiterentwickelt werden. Ausgehend von Schwarzen Klangtraditionen und Kodwo Eshuns Überlegungen zur afrofuturistischen Sonic Fiction fragt der Workshop, was wahrnehmbar wird, wenn Datensätze nicht als feststehende Objekte betrachtet werden, die analysiert werden sollen, sondern als Material, das gehört und gemeinsam neu interpretiert werden kann. Musikalische oder technische Vorkenntnisse sind für eine Teilnahme nicht erforderlich.
Im Anschluss an den Workshop sind die Teilnehmenden eingeladen, sich im Lounge- und Lesebereich Pause on Quantum Matter (Ceija Stojka Foyer im Eingangsbereich des Auditoriums) weiter mit offenen Fragen und Ideen zur Quantenakustik zu beschäftigen.
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