Diti Ronen & Tal Ronen, Anne Birkenhauer: Kleines Drossel
Ein Klangraum aus Sprache und Kontrabass
Mit Diti Ronen – Autorin, Hebräische Lesung
Tal Ronen – Kontrabass
Anne Birkenhauer – Übersetzung, Deutsche Lesung und Moderation
Ein Arbeitslager nahe Elbing, wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Schuss fällt. Eine kleine Drossel stürzt vom Himmel. Für fünf hungernde Frauen wird der Vogel zur letzten Mahlzeit – und zu einem flüchtigen Augenblick, in dem nicht nur der Körper überlebt, sondern auch Würde, Mitgefühl und Menschlichkeit.
Jahrzehnte später macht sich die israelische Dichterin Diti Ronen auf die Suche nach der Geschichte ihrer Mutter. Auschwitz, Stutthof, mehrere Arbeitslager und ein Todesmarsch hatten tiefe Wunden hinterlassen; gesprochen wurde darüber kaum. Geblieben waren Erinnerungsfragmente, einzelne Bilder und ein tiefes Schweigen. Aus ihnen schuf die Tochter das Langgedicht „Kleines Drossel“ – eine poetische Sprache für das, was die Mutter zeitlebens nicht aussprechen konnte.
Schon der Titel erzählt von diesem Erinnerungsprozess. Diti Ronens Mutter sprach Hebräisch nur gebrochen und bezeichnete den Vogel stets mit einem grammatikalisch „falschen“ Genus. In der deutschen Übersetzung wurde daraus bewusst eine Drossel. So bleibt der Vogel weiblich – ebenso verletzlich und bedroht wie die fünf Frauen, deren Schicksal das Gedicht bewahrt.
Bei den Jüdischen Kulturtagen avanciert „Kleines Drossel“ zum vielstimmigen Erinnerungsraum. Diti Ronen liest ihr Poem auf Hebräisch, Anne Birkenhauer die deutsche Übersetzung. Der Kontrabass von Tal Ronen schafft einen musikalischen Resonanzraum, in dem das Unsagbare hörbar wird. So begegnen sich drei Generationen: die Erinnerung der Mutter, die Sprache der Tochter und die Musik des Enkels. Literatur und Musik treten in einen eindringlichen Dialog und verleihen dem Schweigen eine Stimme.
Diti Ronen gehört zu den bedeutendsten Stimmen der israelischen Gegenwartslyrik. Die Dichterin und Herausgeberin wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Art Prize (2024), dem ACUM Award (2022) und dem Kugel Award (2016).
Tal Ronen lebt als Kontrabassist in New York. Er bewegt sich zwischen Jazztradition und zeitgenössischer Musik und arbeitete mit Künstlern wie Frank Wess, Jimmy Cobb, James Moody, Max Roach und Sheila Jordan zusammen. Als Bassist der Grammy-prämierten Sängerin Catherine Russell ist er regelmäßig auf internationalen Bühnen wie der Carnegie Hall, dem Jazz at Lincoln Center, dem Village Vanguard und Birdland zu erleben.
Anne Birkenhauer lebt seit 1989 als literarische Übersetzerin in Jerusalem. Sie übertrug Werke von Jehuda Amichai, Dan Pagis, Agi Mishol, David Grossman, Zeruya Shalev, Aharon Appelfeld, Tomer Gardi und vielen weiteren Autoren ins Deutsche. Für ihre Verdienste um die Vermittlung hebräischer Literatur erhielt sie 2018 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Tal Ronen – Kontrabass
Anne Birkenhauer – Übersetzung, Deutsche Lesung und Moderation
Ein Arbeitslager nahe Elbing, wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Schuss fällt. Eine kleine Drossel stürzt vom Himmel. Für fünf hungernde Frauen wird der Vogel zur letzten Mahlzeit – und zu einem flüchtigen Augenblick, in dem nicht nur der Körper überlebt, sondern auch Würde, Mitgefühl und Menschlichkeit.
Jahrzehnte später macht sich die israelische Dichterin Diti Ronen auf die Suche nach der Geschichte ihrer Mutter. Auschwitz, Stutthof, mehrere Arbeitslager und ein Todesmarsch hatten tiefe Wunden hinterlassen; gesprochen wurde darüber kaum. Geblieben waren Erinnerungsfragmente, einzelne Bilder und ein tiefes Schweigen. Aus ihnen schuf die Tochter das Langgedicht „Kleines Drossel“ – eine poetische Sprache für das, was die Mutter zeitlebens nicht aussprechen konnte.
Schon der Titel erzählt von diesem Erinnerungsprozess. Diti Ronens Mutter sprach Hebräisch nur gebrochen und bezeichnete den Vogel stets mit einem grammatikalisch „falschen“ Genus. In der deutschen Übersetzung wurde daraus bewusst eine Drossel. So bleibt der Vogel weiblich – ebenso verletzlich und bedroht wie die fünf Frauen, deren Schicksal das Gedicht bewahrt.
Bei den Jüdischen Kulturtagen avanciert „Kleines Drossel“ zum vielstimmigen Erinnerungsraum. Diti Ronen liest ihr Poem auf Hebräisch, Anne Birkenhauer die deutsche Übersetzung. Der Kontrabass von Tal Ronen schafft einen musikalischen Resonanzraum, in dem das Unsagbare hörbar wird. So begegnen sich drei Generationen: die Erinnerung der Mutter, die Sprache der Tochter und die Musik des Enkels. Literatur und Musik treten in einen eindringlichen Dialog und verleihen dem Schweigen eine Stimme.
Diti Ronen gehört zu den bedeutendsten Stimmen der israelischen Gegenwartslyrik. Die Dichterin und Herausgeberin wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Art Prize (2024), dem ACUM Award (2022) und dem Kugel Award (2016).
Tal Ronen lebt als Kontrabassist in New York. Er bewegt sich zwischen Jazztradition und zeitgenössischer Musik und arbeitete mit Künstlern wie Frank Wess, Jimmy Cobb, James Moody, Max Roach und Sheila Jordan zusammen. Als Bassist der Grammy-prämierten Sängerin Catherine Russell ist er regelmäßig auf internationalen Bühnen wie der Carnegie Hall, dem Jazz at Lincoln Center, dem Village Vanguard und Birdland zu erleben.
Anne Birkenhauer lebt seit 1989 als literarische Übersetzerin in Jerusalem. Sie übertrug Werke von Jehuda Amichai, Dan Pagis, Agi Mishol, David Grossman, Zeruya Shalev, Aharon Appelfeld, Tomer Gardi und vielen weiteren Autoren ins Deutsche. Für ihre Verdienste um die Vermittlung hebräischer Literatur erhielt sie 2018 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
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