Aktuelle Sprache: Deutsch

Auf den Spuren des "Boxerkrieges" im Museum

Eine Anleitung zur Provenienzforschung

Aktendokument zum "Boxeraufstand"/ "Boxerkrieg" – Schwarz-weiß Bild einer Schale auf einer Karteikarte mit Text: Erhaltungszustand Am Rand gekittet, 2 große Sprünge. Bemerkungen Boxeraufstand.

Aktendokument zum "Boxeraufstand"/ "Boxerkrieg" – Schwarz-weiß Bild einer Schale auf einer Karteikarte mit Text: Erhaltungszustand Am Rand gekittet, 2 große Sprünge. Bemerkungen Boxeraufstand.

Unterwegs kurz anhalten, schnell noch Getränke, Chips oder wichtige Dinge des täglichen Bedarfs kaufen und auf Nachbarn treffen. Spätis sind weit mehr als kleine Verkaufsstellen. Es sind sozio-kulturelle Orte, die nicht nur mit unüblichen Öffnungszeiten, sondern mit bunten, oft unerwarteten Angeboten und Begegnungen punkten. Ein gut sortierter Späti gehört in jeden Kiez – so auch ins Humboldt Forum.

Unser SPÄTI öffnet alle zwei Wochen freitags im großen Foyer, schert sich wenig um die offiziellen Öffnungszeiten und hat neben den obligatorischen Getränken Gespräche und Musik im Sortiment. Hier geben Künstler*innen erste Einblicke in ihre Arbeiten, spielen Musiker*innen neue Kompositionen oder präsentieren Designer*innen innovative Entwürfe. SPÄTI ist eine kleine Bühne des Unvollendeten, der ungewöhnlichen Konzepte und der ungeplanten Zusammenkunft. Sie wollen eigentlich nur ein Wegbier? Im SPÄTI erhalten Sie ein paar neue Ideen und Gespräche dazu – ohne Anmeldung und kostenfrei.

Die Geschichte deutscher Museen ist eine Geschichte kolonialer Verflechtungen. Dies gilt nicht nur für die ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika oder im Pazifik, sondern auch für China. Während des sogenannten „Boxerkriegs“ (1900–1901) beteiligte sich das Deutsche Kaiserreich an der internationalen Militärintervention gegen die antiimperialistische Yihetuan-Bewegung und entsendete rund 20.000 Soldaten nach China. Im Verlauf des Krieges gelangten unzählige Kunst- und Kulturgüter aus privaten, öffentlichen und kaiserlichen Beständen nach Deutschland – vielfach als Folge von gewaltsamen Aneignungen und Plünderungen.

125 Jahre nach der Unterzeichnung des sogenannten „Boxerprotokolls“, das den Krieg 1901 unter den Bedingungen der ausländischen Mächte beendete, rückt dieses Kapitel der deutsch-chinesischen Geschichte erneut in den Blick. Die Erforschung der Herkunft der damals geplünderten Objekte eröffnet neue Perspektiven auf die Entstehung unserer Sammlungen und macht sichtbar, wie eng Museen mit globalen historischen Entwicklungen und kolonialen Machtverhältnissen verbunden sind.

Provenienzforschung trägt dazu bei, die koloniale Vergangenheit Deutschlands in China wissenschaftlich aufzuarbeiten und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart nachzuvollziehen. Sie schafft Transparenz über die Wege von Objekten in unsere Sammlungen und bildet eine wichtige Grundlage für den Austausch mit chinesischen Partner*innen.

 

Seit 2022 haben sieben deutsche Museen, darunter das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin, gemeinsam mit dem Palastmuseum in Peking ihre Sammlungsbestände auf Objekte aus dem Kontext des „Boxerkriegs“ untersucht. Im Mittelpunkt des Projekts stand die Frage, wie sich Kulturgüter identifizieren lassen, die während des Krieges nach Deutschland gelangten, und wie ihre Geschichte heute aufgearbeitet werden kann. Aus dieser Zusammenarbeit ist der Research Guide „Tracing Loot from the Boxer War in China“ entstanden. Er bietet Museen und Sammlungen einen praxisnahen Einstieg in die Provenienzforschung zu Beständen aus dem Kontext des sogenannten „Boxerkriegs“.

Im Gespräch mit den beteiligten Museen, Wissenschaftler:innen und dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste wird dieser Research Guide am 25. September erstmalig in Deutschland vorgestellt. Die Provenienzforscherin und Projektleiterin Christine Howald spricht mit Jan Hüsgen, Thoralf Klein und am Projekt beteiligten Kurator*innen über Forschungsansätze, zentrale Erkenntnisse und die Herausforderungen der Erforschung von Plündergut aus dem „Boxerkrieg“ – nicht nur in musealen Sammlungen. Denn die koloniale Geschichte des „Boxerkriegs“ begegnet uns nicht allein in Museen, sondern ebenso in privaten Sammlungen, Familiennachlässen und Alltagsobjekten – und ist damit Teil einer gemeinsamen Geschichte, deren Aufarbeitung uns alle angeht.

- Preis: kostenfrei

- Sprache: Deutsch

- Ort: Mechanische Arena im Foyer

- Teil von: SPÄTI

Karte

Es folgt eine Kartendarstellung. Karte überspringen

Zum Stadtplan

Ende der Karte.

Verkehrsanbindungen

Fragen zum Veranstaltungskalender beantwortet unsere Hilfe. Nutzungsbedingungen finden Sie unter Informationen zu unseren Partnern und Nutzungsbedingungen.