Maximilian Prüfer: Ein Bild findet Gnade
Die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten sind bekannt. Weniger bekannt ist, dass am 20. März 1939 in der Hauptfeuerwache Berlin in der Lindenstraße auch Bilder aus deutschen Museen verbrannt wurden. Die genauen Umstände sind bis heute nicht vollständig erforscht.

– Flypicture, Max Beckmann, Der Strand 1927, 2023-2025; fly traces with pigments derived from World War II bomb debris
© Maximilian Prüfer
Nach
intensiver Recherche rekonstruierte Maximilian Prüfer einige der damals
verbrannten und verschwundenen Werke. Ihre Motive übertrug er auf Papier und
befestigte dieses in eigens dafür gebauten Kästen.
In diesen Kästen züchtet er Fliegen, die er mit Pigmenten aus Trümmern des
Zweiten Weltkriegs füttert. Auf dem durch die Sonne erwärmten Papier
suchen die Tiere dann bevorzugt die dunkleren – weil wärmeren – Bildbereiche
auf. So entsteht durch ihre Spuren ein Bild, das auf dem ursprünglichen Bild
basiert, jedoch keine Kopie, sondern eine zarte Interpretation eines
kollektiven Organismus – keine künstlerische Handschrift, sondern eine Form von
Gedächtnis.
Die Pigmente aus Trümmern verbinden die Bilder mit den Spuren des Krieges.
Während die Nationalsozialisten für Kontrolle standen, rückt bei Prüfer ein
lebendiger Prozess in den Vordergrund. Während jene Bilder auslöschten, schafft
Prüfer eine Erinnerung. Entscheidend ist dabei aber nicht nur das fertige Werk,
sondern auch die Offenheit des Prozesses, in dem sich Material, Verhalten und
historische Referenzen verbinden. Für Prüfer sind die Arbeiten eine Form des
Neubeginns. Die Fliegen stehen als Sinnbild für Übergang und
Transformation – zwischen Leben und Tod, Auslöschung und Erinnerung.
„Kein Bild findet
Gnade.“ schrieb Joseph Goebbels in sein
Tagebuch. Prüfer kehrt diesen zynischen Akt um. Der Titel
seiner Ausstellung: „Ein
Bild findet Gnade“.
Laufzeit: Sa, 25.04.2026 bis Sa, 06.06.2026
Findet hier statt:
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