„Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, niederlassen kann […], der wird nie wissen, was Glück ist.“
– Friedrich Nietzsche (1874)
Seit den frühen 1990er-Jahren arbeitet KOO JEONG A (* 1967, KR) mit unterschiedlichen Materialien und Formaten – von Fundstücken bis hin zu großformatigen öffentlichen Installationen – und schafft Werke, die mit unserer Wahrnehmung spielen und uns mit Kräften in Verbindung bringen, die jenseits des Sichtbaren liegen. Wir werden zum Nachdenken aufgefordert, inwieweit wir die Interpretation oder Wahrnehmung einer Sache, eines Ortes oder eines Augenblicks unseren Sinnen überlassen.
Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf das von KOO erfundene Gebiet Ousss: eine Art Königreich, das nur mit Konzentration, Geduld und Aufmerksamkeit wahrgenommen werden kann. Ein Großteil von KOOs Arbeiten bewegt sich im Bereich unsichtbarer Phänomene, die mit Hilfe von Licht, Farbe, Schwingung und Geruch erlebt werden können – allerdings nur, wenn die Betrachter*innen die zur Wahrnehmung notwendige Präsenz mitbringen. Die Ausstellung wurde in Bezugnahme auf die Architektur der KW konzipiert und versammelt Schlüsselwerke der vergangenen Jahrzehnte: von vibrierenden Wänden über Magnettürme bis hin zu Zeichnungen und phosphoreszierenden Gemälden.
OUSSSEAN ist KOOs erste große Einzelausstellung in Deutschland und in Berlin, wo der*die Künstler*in in den 1990er- und 2000er-Jahren gelebt hat. KOOs Schaffen umspannt ein breites Themenspektrum, das von menschlicher Wahrnehmung bis zu taoistischer Philosophie, von der Kunstgeschichte bis zur Lehre des Qi reicht. Jedes Material und jedes Phänomen – seien es Kinderspielzeug, ein Stapel Magnete oder ein Sonnenstrahl – wird mit Sorgfalt und einem Sinn für Magie behandelt. Beständigkeit spielt hierbei für KOO keine Rolle; die Werke sollen weniger verstanden oder interpretiert als vielmehr erlebt werden – durch ihre Präsenz und das Wechselspiel ihrer verborgenen, jedoch wahrnehmbaren Energie. Mit schlichten und zugleich rätselhaften Formen fügt der*die Künstler*in immaterielle Elemente wie physikalische Kräfte, Magnetfelder, Phosphoreszenz, Licht, Duft, Klang und Temperatur zu multisensorischen Umgebungen zusammen, die unsere Wahrnehmung und deren Grenzen ausloten.
Laufzeit: Sa, 17.10.2026 bis So, 10.01.2027