Die meisten Menschen in Deutschland leben ländlich. Auch queere Menschen wohnen, arbeiten und lieben in ländlichen Räumen, sind dort politisch aktiv oder machen Urlaub. Aber selten wird vom queeren Selbstbewusstsein, das abseits der der großen Städte entwickelt wird, erzählt. Die gelebten Erfahrungen von queeren Menschen sind viel komplexer als diese Zuschreibungen.
In Brandenburger Dörfern finden Pride-Paraden statt, zwischen Kraut und Rüben wird sich auf dem Acker geküsst und tuntig über den Feldweg gestöckelt, es kommt zu landwirtschaftlichem gender bending und hinterm Autobahnkreuz lässt es sich gut cruisen.
Queeres Leben auf dem Land gab es immer: In den 1920er-Jahren suchten lesbische Frauen nach Gleichgesinnten in ländlichen Räumen, in den 1950ern wird es homophil zum Herrentag, im Hunsrück protestierten Frauen und Lesben in den 1980ern gegen Krieg und Patriarchat, die Zeitschrift PROvinz berichtete in den 1990ern aus dem lesbisch-schwulen Leben in Neubrandenburg. Heute gibt es tin* Bildung im ostsächsischen Klassenzimmer und mehr sichtbare LSBTIQ* Menschen in der Landwirtschaft.
Die Lebensrealitäten auf dem Land sind so komplex wie die Menschen, die sie leben. Auf einer Wanderung durch Kleinstädte, zu Bauernhöfen und in entfernte Dörfer gewährt CRUISING THE COUNTRYSIDE – QUEERES LEBEN AUF DEM LAND Einblicke in LSBTIQ* Aktivismus, Communities und Utopien. Der Großteil der Wanderung führt von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart. Es gibt aber auch Ausflüge, die bis zurück in die 1920er-Jahre führen.
Im Gebirge zeigen sich queere Gemeinschaften, Zusammenschlüsse und Solidarität. Auf den Inseln, umgeben von rauer See, werden Geschichten von Isolation und dem Alleine-Sein erzählt. Im Mischwald ist das Land mit der Stadt verbunden, die Höfe mit Dörfern und Kleinstädten. Im widerspenstigen Gestrüpp der Heide wachsen Natursehnsüchte und Dorf-Fantasien. Und in der Weite der brandenburgischen Seenplatte zeigt sich vielfältiger queerer Aktivismus.
Die Ausstellung CRUISING THE COUNTRYSIDE – QUEERES LEBEN AUF DEM LAND zeigt historisches Material aus dem Archiv des Schwulen Museums, das vom Leben auf dem Land und dem LSBTIQ* Aktivismus dort erzählt. Weitere Leihgaben stellen eine Vielzahl von queeren Initiativen vor und aktuelle Videointerviews mit Menschen aus Brandenburg geben einen Einblick, was ländliches queeres Leben für sie ausmacht. Begleitet wird die Ausstellung von historischen Materialien und zeitgenössischen künstlerischen Positionen, die Stallvibes, Gebirgsblues, Feldkreativität und Provinz-Könige zeigen.
Kuratiert von Collin Klugbauer
Mit Kunstwerken und Beiträgen von Akademie Waldschlösschen, Alizé Rose-May, Cécil Ludwig Röski, Dykes on Bikes® Rhein-Weser WMC, Emanzipatorische Landwirtschaftsnetzwerk ELAN, FFBIZ – das feministische Archiv, Forum Queeres Archiv München e.V., Gerda Rotermund, Gerede e.V. (Verein für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Dresden) / Anina Falasca, Liam S. Rogall, Robin Raphael Penzkofer, George Platt Lynes, Gunny Catell, Harry Hachmeister, Hexenring, Jonas Löschau / CSD Bautzen, Jürgen Wittdorf, Kai* Brust in Kooperation mit Educat Kollektiv e.V., Klaus-Dieter Begemann, Oechsler, Lena-Rosa Händle, lila_bunt-Kollektiv, Lili-Elbe-Bibliothek, Ludwig von Hoffmann, Maria Finnemann, Muerbe und Droege / Haus des Wandels, Pancho Assoluto, Papas vom Dorf, Renée Sintenis, Robert-Havemann-Gesellschaft, Schwuhplattler, Therese Koppe, Tomka Weiß & Ärzte ohne Ängste, Queer Bikes Berlin
Laufzeit: Fr, 01.05.2026 bis Mo, 02.11.2026