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Politics of Heartbreak

10.10.#1 Finding Home in Becoming StrangersMit Anatolian Women’s Choir, Ece Temelkuran, parallelgesellschaftDie Juristin, Schriftstellerin und Journalistin Ece Temelkuran kennt die Anatomie des Autoritarismus – und den Herzschmerz, der bleibt, wenn ein Land zur Fremde wird. Nach Jahren kritischer Berichterstattung über die Erdoğan-Regierung und Kurdistan verließ sie 2016 die Türkei. In ihrem Buch “How to Lose a Country: The 7 Steps from Democracy to Dictatorship” (2019) seziert sie, wie Demokratien schleichend zerfallen; mit “Nation of Strangers: Unsere Heimat sind wir" (2026), einem zutiefst persönlichen, aber auch politischen Blick auf die Welt, findet sie in Briefen an Unbekannte – potentiell an uns alle – eine literarische Sprache, in der sich der Verlust von Zugehörigkeit teilen lässt und aus geteilter Fremdheit neue Verbindung entsteht.Im Anschluss an ihre Keynote kommt Ece Temelkuran mit parallelgesellschaft ins Gespräch, einem postdeutschen, intersektionalen Künstler*innenkollektiv, das seit 2017 an der Schnittstelle von kritischen literarischen Formaten, kuratorischer Praxis und politisch-poetischer Intervention arbeitet.Gerahmt wird der Abend durch den Anatolian Women's Choir. Dieser entstand aus einem spontanen gemeinsamen Gesang bei einer Beerdigung und wurde von Frauen mit Migrations- und Exilerfahrung gegründet. Zwischen politischer Analyse und Chorstimmen entfaltet sich die zentrale Frage von “Love is a Verb”: Wie wird Herzschmerz von einem privaten Gefühl zu einem politischen Zustand, der uns miteinander verbindet.#2 Mourning as ResistanceMit Azadeh Ganjeh, Kubra Khademi und Simin JawabrehAm 19. Juli 2021 stößt die Performancekünstlerin, Wissenschaftlerin, Dramaturgin und Aktivistin Azadeh Ganjeh auf ein Instagram-Video: Darin ist der Protest einer iranischen Frau zu sehen und zu hören - doch es s bleibt unklar, wer sie ist oder was aus ihr wird. In ihrer Lecture-Performance “Not a Body for Burial” nimmt Ganjeh dieses Video zum Ausgangspunkt einer kollektiven Suche: Wer wird gesehen, wer wird gehört? Und wer gehört zu dem “Wir”, das zusieht?Ihre Recherche führt zu Körpern, die, wie Ganjeh sagt, “dem Staat gehören, der Landkarte, dem Kriegsmuseum” – Menschen, deren Geschichten unsichtbar gemacht werden, deren Leben in Zahlen verschwinden. Indem sie eine Person, ihre Geschichte und ihren Hintergrund sichtbar macht, gibt Ganjeh ihr ein Stück Handlungsmacht zurück und erinnert daran, dass hinter den Zahlen von Menschen, die im Kampf für ihre Rechte leiden und sterben, immer ein individuelles Leben steht. Auf die Recherche folgt ein traditioneller Begräbnistanz: eine Trauer um Menschen, deren Körper nicht mehr da sind, die begraben werden könnten.Im Anschluss trägt ein Gesprächskreis diese Frage nach Sichtbarkeit und Gehörtwerden weiter: Was geschieht mit feministischem und progressivem Widerstand, wenn er im Zuge geopolitischer Zuspitzung erneut unsichtbar gemacht wird? Azadeh Ganjeh, Simin Jawabreh und Kubra Khademi sprechen – vom Iran über Palästina und Afghanistan hinweg – über Widerstand als eine Form von Trauer: “Resistance as Grief”.

17.10.#3 How to Keep Going with Broken Hearts?Mit Şeyda Kurt, Alice Hasters, D-Dur Dykes*Was trägt, wenn vieles verloren scheint? Die Journalistin und Autorin Şeyda Kurt hat sich in ihren Büchern immer wieder mit politischen Gefühlen beschäftigt – mit Zärtlichkeit, Wut, Hass – nicht als Privatsache, sondern als Ausgangspunkt gesellschaftlicher Veränderung. Gefühle, die lähmen, unterscheidet sie von Gefühlen, die tragen. Letztere bringen einen weiter in Bewegung, statt zu erstarren, auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft.Journalistin und Autorin Alice Hasters beschreibt in ihren Büchern, wie Verletzlichkeit gesellschaftlich verhandelt, abgewertet oder instrumentalisiert wird – und wie eng das mit dem Erstarken von Härte und Autoritarismus zusammenhängt. Ihre Frage ist nicht nur, wie man Krisen benennt, sondern was auf der anderen Seite von Verhärtung möglich bleibt: Welche Kraft liegt in Verbundenheit und Verletzlichkeit, wenn beides gesellschaftlich verachtet wird?Im Gespräch fragen Şeyda Kurt und Alice Hasters: Was bedeutet Durchhaltevermögen, wenn Sicherheiten zerbrechen? Wie sieht Widerstand aus, der nicht auf Sieg, sondern auf Standhalten setzt – und wie wird aus geteiltem Herzschmerz eine Kraft, die trägt? Der Abend beschließen D-Dur Dykes* – queerer Chorgesang zwischen Community und großer Bühne.

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