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Politics of Heartbreak #1 + #2

Person mit dunklen lockigen Haaren in schwarzem Oberteil sitzt vor Pflanzenhintergrund auf einer Couch und hält Gegenstände in den Händen.

– Person mit dunklen lockigen Haaren in schwarzem Oberteil sitzt vor Pflanzenhintergrund auf einer Couch und hält Gegenstände in den Händen.

18:00 Uhr#1 Finding Home in Becoming StrangersAuftakt: SEYYARE Anatolian Women’s ChoirKeynote: Ece TemelkuranGespräch: Ece Temelkuran mit Sham Jaff (Moderation)Spoken Word Performance: “A SPACE OF DIS/APPEARANCE” von parallelgesellschaft (Armeghan Taheri & Ken Yamamoto)ca. 20:30 Uhr#2 Mourning as ResistanceLecture Performance: Rebel-IST-hah! Collective/ Azadeh Ganjeh “Not a Body for Burial“Gesprächskreis: Azadeh Ganjeh, Simin Jawabreh und Kubra Khademi mit Sham Jaff (Moderation)Den ganzen Abend: Tatreez Berlin: Gemeinsames Sticken gegen den Heartbreak“Politics of Heartbreak” sind drei Veranstaltungen in der “Vessel of Love”, die Lectures und Gespräche mit performativen Interventionen und Musik verbinden. International tätige Autor*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen, die zu politischen Affekten, zum Fremd-Sein, zu Autoritarismus und Rassismus, zu feministischen antikolonialen und diasporischen Bewegungen arbeiten, kommen in der “Vessel of Love” im HAU1 zusammen, um die politischen Dimensionen unseren gegenwärtigen Heartbreaks zu diskutieren. Die Fragen des Festivals zur Widerstandsfähigkeit und gemeinsamer Sorgearbeit werden hier durch internationale Erfahrungen aus Afghanistan, Kurdistan, Palästina, Iran und der Türkei bereichert und in den Berliner Kontext gebracht. Gerahmt und erweitert werden die Gespräche durch Musik und Performances, die das, was Worte nicht auszudrücken vermögen, auf ästhetische Weise in den Raum tragen und uns den Herzschmerz der anderen mitfühlen lassen.Zwischen politischer Analyse, Performance und Gesang entfaltet sich die zentrale Frage von “Love is a Verb”: Wie wird Herzschmerz von einem privaten Gefühl zu einem politischen Zustand, der uns miteinander verbindet?Auftakt: SEYYARE Anatolian Women’s ChoirDer SEYYARE Anatolian Women’s Choir entstand aus einem spontanen gemeinsamen Gesang bei einer Beerdigung und wurde von Frauen mit Migrations- und Exilerfahrung gegründet. Aus gemeinsamem Verlust wurde so ein kollektiver Klang – und ein Raum, in dem Fremdheit und Zugehörigkeit neu verhandelt werden.Keynote: Ece TemelkuranVon der Erfahrung des gemeinsamen Singens führt der Abend zu einer politischen und persönlichen Betrachtung von Verlust und Entfremdung. Die Juristin, Schriftstellerin und Journalistin Ece Temelkuran kennt die Anatomie des Autoritarismus – und den Herzschmerz, der bleibt, wenn ein Land zur Fremde wird. Nach Jahren kritischer Berichterstattung über die Erdoğan-Regierung und Kurdistan verließ sie 2016 die Türkei. In ihrem Buch “How to Lose a Country: The 7 Steps from Democracy to Dictatorship” (2019) seziert sie, wie Demokratien schleichend zerfallen; mit “Nation of Strangers: Unsere Heimat sind wir" (2026), einem zutiefst persönlichen, aber auch politischen Blick auf die Welt, findet sie in Briefen an Unbekannte – potentiell an uns alle – eine literarische Sprache, in der sich der Verlust von Zugehörigkeit teilen lässt und aus geteilter Fremdheit neue Verbindung entsteht.Gespräch: Ece Temelkuran und Sham JaffIm Anschluss an ihre Keynote kommt Ece Temelkuran mit der Journalistin Sham Jaff ins Gespräch und öffnet ihre persönliche und literarische Perspektive für den gemeinsamen Austausch. Als Journalistin moderiert Sham Jaff Podcasts zu den Themen Migration, Rassismus und deren intersektionale sowie globale Dynamiken, wobei sie die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt. Seit 2014 schreibt sie den Newsletter “what happened last week”, eine wöchentliche Zusammenstellung von News, Stimmen und Perspektiven aus und über Asien, Afrika und Lateinamerika Spoken Word Performance: “A SPACE OF DIS/APPEARANCE” von parallelgesellschaft (Armeghan Taheri & Ken Yamamoto)Ausgehend von Mahmoud Darwishs Gedicht “Denk an die anderen” und Hannah Arendts Denken der Pluralität nähert sich Armeghan Taheri der Freiheit als brüchigem Körper – zwischen politischen Fronten, medialer Übersteuerung und den Grenzen des Sagbaren. Sprache wird dabei zum Material, das unter Druck Widerstand leistet. Ken Yamamotos Sound aus Drones, Noise und fragmentiertem Sampling greift diese Spannung auf, ohne sie zu glätten, und rückt Störungen ins Zentrum. So entsteht eine offene Performance, in der die politischen Risiken von Sprache spürbar werden. parallelgesellschaft ist ein postdeutsches, intersektionales Künstler*innenkollektiv, das seit 2017 an der Schnittstelle von kritischen literarischen Formaten, kuratorischer Praxis und politisch-poetischer Intervention arbeitet.Tatreez Berlin ist den ganzen Abend vor Ort und lädt dazu ein, gemeinsam an traditionellen palästinensischen Stickmustern zu arbeiten. Die Initiative widmet sich der Weitergabe der palästinensischen Stickkunst, in der sich kulturelles Wissen, Erinnerung und Zugehörigkeit über Generationen hinweg bewahren.

#2 Mourning as ResistanceWessen Tod zählt, wessen Widerstand wird gesehen? Aktivist*innen, Künstler*innen und Autor*innen aus Iran, Palästina und Afghanistan sprechen über Körper, die dem Staat, der Landkarte, dem Krieg gehören – und darüber, was es heißt, in geopolitischer Zuspitzung erneut unsichtbar gemacht zu werden. Eine interaktive Performance über ein Begräbnisritual und eine Diskussion thematisieren Sichtbarkeit, Verschwinden und Widerstand als Form der Trauer inmitten von politischer Gewalt, kriegerischer Zerstörung und Ökozid.Performance: Rebel-IST-hah! Collective/ Azadeh Ganjeh “Not a Body for Burial”Am 19. Juli 2021 stößt die Performancekünstlerin, Wissenschaftlerin, Dramaturgin und Aktivistin Azadeh Ganjeh (Rebel-Ist-hah! Collective) auf ein Instagram-Video: Darin ist der Protest einer iranischen Frau zu sehen und zu hören – doch es bleibt unklar, wer sie ist oder was aus ihr wird. In ihrer Lecture-Performance “Not a Body for Burial” nimmt Ganjeh dieses Video zum Ausgangspunkt einer kollektiven Suche: Wer wird gesehen, wer wird gehört? Und wer gehört zu dem “Wir”, das zusieht?Ihre Recherche führt zu Körpern, die, wie Ganjeh sagt, “dem Staat gehören, der Landkarte, dem Kriegsmuseum” – Menschen, deren Geschichten unsichtbar gemacht werden, deren Leben in Zahlen verschwinden. Indem sie eine Person, ihre Geschichte und ihren Hintergrund sichtbar macht, gibt Ganjeh ihr ein Stück Handlungsmacht zurück und erinnert daran, dass hinter den Zahlen von Menschen, die im Kampf für ihre Rechte leiden und sterben, immer ein individuelles Leben steht. Auf die Recherche folgt ein traditioneller Begräbnistanz: eine Trauer um Menschen, deren Körper nicht mehr da sind, die begraben werden könnten.Diskussion: Azadeh Ganjeh, Simin Jawabreh und Kubra KhademiIm Anschluss trägt ein Gesprächskreis diese Frage nach Sichtbarkeit und Gehörtwerden weiter: Was geschieht mit feministischem und progressivem Widerstand, wenn er zwischen autokratischer Repression im Inneren und imperialer Kriegslogik von außen erneut unsichtbar gemacht und politischer Gewalt unterworfen wird? Azadeh Ganjeh, Simin Jawabreh und Kubra Khademi sprechen miteinander – vom Iran über Palästina und Afghanistan hinweg – über Widerstand als eine Form von Trauer.

Künstler/Beteiligte: Mit: Azadeh Ganjeh (Rebel-Ist-hah! “Not a Body for Burial“), Konzept: Azadeh Ganjeh & Foad Esfahani (Rebel-Ist-hah! “Not a Body for Burial“), Videokunst & -technik: Ali Poorahmadian (Rebel-Ist-hah! “Not a Body for Burial“)

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