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Rosa L.

Unklare Aufnahme eines weißen Vogels vor einem felsigen, unscharfen Hintergrund.

– Unklare Aufnahme eines weißen Vogels vor einem felsigen, unscharfen Hintergrund.

Wer war Rosa Luxemburg? Die einen sehen in ihr eine Ikone des Sozialismus, die für die Freiheit des Proletariats kämpfte und als Märtyrerin ihr Leben für ihre politische Vision opferte. Andere verunglimpfen sie als radikale Kommunistin oder gefährliche Revolutionärin und diffamieren sie als „rote“ oder gar „blutige“ Rosa. Fest steht, dass sie zu Lebzeiten eine brillante Rhetorikerin war, die mit ihren Worten Massen mobilisierte. Sie war eine scharfe Theoretikerin, die sich nicht scheute, große Philosophen ihrer Zeit wie Karl Marx oder Politiker wie u.a. Lenin zu kritisieren. Ihr komplexes Wesen erscheint heute noch wie ein Vexierbild, das bei näherer Betrachtung immer wieder die Form ändert. Hingegen ihre theoretischen Gedanken zur Ausbreitung des Kapitalismus sowie ihre politische Vision erscheinen in Anbetracht des gegenwärtigen Zustandes der Erde und der weltweiten Aufrüstung glasklar und prophetisch. Eine historisch so enorm aufgeladene Persönlichkeit auf der Bühne darstellen zu wollen, kann nur ein Versuch sein, sich ihren Ideen, Visionen und Gedanken zu nähern. Die kroatische Regisseurin Anica Tomić und die Autorin und Dramaturgin Jelena Kovačić versuchen gemeinsam mit dem Ensemble den Blick von Rosa Luxemburg einzufangen, um eine diskursiv-spielerische Auseinandersetzung zu ermöglichen. Die Frage ist also nicht, wie wir Rosa Luxemburg sehen, sondern was Rosa Luxemburg gesehen hatte. Rosa Luxemburg wurde 1871 in der Provinz Zamość im heutigen Polen in einer jüdischen Familie geboren und im Alter von 47 Jahren während des Spartakusaufstandes in Berlin brutal ermordet. Erst Monate später hat man ihre Leiche geborgen und identifiziert. Ihre Mörder wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Dazwischen lag ein lebenslanger Kampf gegen Kapitalismus und Krieg, für einen demokratischen Sozialismus. Sie glaubte unerschütterlich an eine Herrschaft durch das Volk. Für sie war Revolution das einzige Mittel, um die Ungleichheit zwischen Arbeiterklasse und der Bourgeoisie zu überwinden: „Revolution ist großartig, alles andere ist Quark!“ So kompromisslos und radikal, wie sie für soziale Gerechtigkeit kämpfte, lebte sie auch ihr Leben. Sie hatte dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – eine sanfte und zutiefst humanistische Seite, denn sie glaubte an die Menschen. Die zahlreichen Briefe, die sie in den mehr als drei Jahren schrieb, die sie in Gefangenschaft verbrachte, zeugen davon, wie sehr sie Literatur, Oper und Theater liebte, wie sie sich mit Naturwissenschaften beschäftigte und die Umwelt sowie Tiere beobachtete. Für das Spielzeitmagazin 2026/27 sprach Dramaturg Bernd Isele mit der Regisseurin Anica Tomić – hier geht es zum Interview.

Künstler/Beteiligte: Jelena Kovačić (Autor/in), Anica Tomić, Mareike Beykirch, Caner Sunar, Jörg Pose, Anastasia Gubareva, Jelena Kovačić

Laufzeit: Fr, 06.11.2026 bis Fr, 25.12.2026

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