Fabian lässt sich durch das exzessive Berliner Nachtleben treiben, denn trotz Weltwirtschaftskrise bietet die Stadt immer noch genügend Amüsement in Tanzlokalen, Bars und Bordellen, um sich von Arbeits- und Perspektivlosigkeit abzulenken. Berlin gibt sich zügellos und frei, auch wenn sich die Schlinge, die der aufkommende Nationalsozialismus um den Hals der Stadt legt, beginnt zuzuziehen.
Auf seinen nächtlichen Erkundungstouren begegnet Fabian liebeshungrigen Zeitgenoss:innen, philosophiert weinselig mit seinem Freund Labude über Politik und fragt sich: «Wo ist das System in dem ich funktionieren kann?»
Der erst 29-jährige Kästner erschafft für seinen Roman Protagonist:innen, in denen sich antidemokratische Strömungen, eine tiefe gesellschaftliche Spaltung und die Suche nach dem eigenen Platz in einer nicht mehr funktionierenden kapitalistischen Welt spiegeln. Ein Lebensgefühl, verwandt mit unserer Zeit.
Lily Kuhlmann, die an der Vagantenbühne erfolgreich mit «Der Besuch der alten Dame» debütierte, verwandelt das Haus in eine Bar und versetzt das Publikum unmittelbar in das Berlin der späten 1920er Jahre.
Künstler/Beteiligte: Fyn Grajetzky (Sounddesign), Daniela Guse (Dramaturgie), Lily Kuhlmann (Regie), Mia Rentschler (Regieassistenz), Mia Rentschler (Technische Konstruktion), Janis Willhausen (Licht), Lorenz Willkomm (Bühne und Kostüme), Frederik Wohlfarth (Licht), Lily Kuhlmann (Autor/in), Erich Kästner (Autor/in), Victoria Findlay, Josefin Fischer, Philipp Lehfeldt, Paul Trempnau