«Ich bin der Feind, den du getötet hast, mein Freund», schreibt ein englischer Leutnant 1918 an der nordfranzösischen Front. Am Tag des Waffenstillstands fällt Wilfred Owen mit 25 Jahren. Totenglocke und Friedensgeläut überlagern sich – ihr Echo klingt in Benjamin Brittens War Requiem nach: einem antimilitaristischen, antinationalistischen Monument des Gedenkens, der kollektiven Trauer und des persönlichen Verlustes. Gezeichnet von der Gewalt zweier Weltkriege wurde das Werk 1962 zur Feier des Wiederaufbaus der Coventry Cathedral uraufgeführt. Wie dort die Ruine in die neue Architektur integriert ist, durchbrechen auch Owens Gedichte den Ablauf der lateinischen Totenmesse. Brittens Vertonung schöpft aus dem emotionalen Kraftfeld der Requiemstradition und bringt jene Menschenkenntnis ein, die ihn als Opernkomponisten auszeichnet. War Requiem steht für Pazifismus als künstlerische Haltung und hat in unserer politischen Gegenwart leider nicht an Bedeutung verloren. Für Frieden tritt auch die international beachtete Produktion aus London – dort zur Erinnerung an das Ende des 1. Weltkriegs 2018 kreiert – ein, die auf Einladung der Deutschen Oper Berlin vom künstlerischen Team um Regisseur Daniel Kramer und Fotograf Wolfgang Tillmans neu einstudiert wird. In der Inszenierung verbindet sich Kramers poetisch-kraftvolle Körperarbeit mit dem unkonventionellen, weltzugewandten Blick von Star-Fotograf Tillmans, der hiermit sein Operndebüt in Berlin gibt. Beide schaffen zeitlose Situationen, in denen Trauma und Trost, Masse und Intimität wohnen. Fotografische Momentaufnahmen bekränzen den Raum, scheinen selbst zu beobachten, gerinnen zu lautlosen Landschaften. Im Zeichen der künstlerischen Begegnung sollten die Solopartien bei der Uraufführung von einer russischen Sopranistin, einem britischen Tenor und einem deutschen Bariton gesungen werden. Im letzten Moment verhinderte die sowjetische Regierung die Teilnahme ihrer Star-Sopranistin. Nun soll diese symbolische Besetzung unter musikalischer Leitung des Britten-Kenners Sir Donald Runnicles mit Elena Tsallagova, Nicky Spence und Björn Bürger realisiert werden.
ca. 1 Stunde 30 Minuten / Keine Pause
Künstler/Beteiligte: Daniel Kramer (Regie), Sir Donald Runnicles (Musikalische Leitung), Wolfgang Tillmans (Bühnenbild), Nasir Mashar (Kostüme), Charles Balfour (Licht), Elaine Tyler-Hall (Regie-Mitarbeit), Ann Lee (Choreografie), Nicky Moffat (Choreografie der Militärszenen), Marco Medved (Einstudierung der Chöre), Christian Lindhorst (Einstudierung des Kinderchores), Luc Joosten (Dramaturgie), Johanna Danhauser (Dramaturgie), Elena Tsallagova (Sopran), Nicky Spence (Tenor), Björn Bürger (Bariton), Kinderchor der Deutschen Oper Berlin (Chöre), Chor der Deutschen Oper Berlin (Chöre), Orchester der Deutschen Oper Berlin (Orchester)
In lateinischer und englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Diese Inszenierung wurde ursprünglich von der English National Opera und dem National Performing Arts Center (Taiwan) entwickelt. Mit großzügiger Unterstützung von: International Music and Art Foundation, Dr. Manfred Semmer und Dr. Karlheinz Kauthe, Arend und Brigitte Oetker, Stiftung für die Deutsche Oper Berlin
Jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts