Oscar Wildes Drama über die biblische Prinzessin, die den Propheten Jochanaan enthaupten lässt, um seinen toten Mund zu küssen, fächert ein Tableau menschlicher Abgründe auf: von Mord über Nekrophilie bis zu sexualisierter Gewalt reiht sich ein Schockmoment an den nächsten. Es waren aber nicht nur diese Themen, die Strauss’ Salome zum Skandal werden ließen, sondern auch seine radikal moderne, überwältigende Musik, die ihrer Zeit weit voraus war. Der «Faust»-Preisträger Claus Guth lässt in seine Inszenierung Erkenntnisse der Psychoanalyse einfließen, die zur Zeit der Uraufführung 1905 entstand, und taucht in Salomes Unterbewusstsein ein: Jüngere Versionen ihres Ichs begleiten Salome wie Schatten vergangener Verletzungen; gemeinsam ringen sie um die Bewältigung kindlicher Traumata. In einem Bühnenbild, das die Illusion einer makellosen Fassade aufrechterhält, beginnen Realität, Traum und Erinnerung zu verschwimmen – der Weg von der Opferrolle zur Täterin scheint unausweichlich. Marc Albrecht dirigiert, und mit Elisabeth Strid ist erstmals Barrie Koskys neue Londoner Brünnhilde als Salome zu erleben.
1 Stunde 45 Minuten / Keine Pause
Künstler/Beteiligte: Claus Guth (Regie), Marc Albrecht (Musikalische Leitung), Muriel Gerstner (Bühnenbild und Kostüme), Olaf Freese (Licht), Sommer Ulrickson (Choreografie), Thomas Blondelle (Herodes), Martina Serafin (Herodias), Elisabet Strid (Salome), Nicholas Brownlee (Jochanaan), Kieran Carrel (Narraboth), Maria Warenberg (Ein Page), Michael J. Scott (Erster Jude), Thomas Cilluffo (Zweiter Jude), Jörg Schörner (Dritter Jude), Burkhard Ulrich (Vierter Jude), Padraic Rowan (Fünfter Jude), Nicolai Elsberg (Erster Nazarener), Kyle Miller (Zweiter Nazarener), Mark Kurmanbayev (Erster Soldat), Tobias Kehrer (Zweiter Soldat), Young Choi (Ein Cappadocier), Thomas Cilluffo (Ein Sklave), Orchester der Deutschen Oper Berlin (Orchester), Opernballett der Deutschen Oper Berlin (Ballett)
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Mit Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e. V.
Jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts