Unsere Wahrnehmung von Körpern ist von gesellschaftlichen Strukturen und historischen Erzählungen geprägt. Persönliche, politische und soziale Prozesse werden in und an Körpern ausgehandelt. Zahlreiche Bewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts haben dafür gekämpft, diese Strukturen sichtbar zu machen, sie zu hinterfragen und zu durchbrechen und den Körper als einen Ort der Freiheit zu feiern. Die Autorin Olivia Laing geht in ihrem Buch „Everybody – A Book about Freedom” einigen dieser Prozesse nach. Mit Blick auf das 21. Jahrhundert stellt Laing die sorgenvolle Beobachtung in den Raum: „Die errungenen Siege waren hart erkämpft, aber nicht für die Ewigkeit gesichert, und nun droht der Rückfall in überwunden geglaubte Verhältnisse“.
Inspiriert von Laings Buch setzt die Gruppenausstellung "Everybody" an dieser Stelle an. Im Fokus der gezeigten Kunstwerke steht der Körper nicht als statische Kategorie, sondern als dynamisches Gefüge, geprägt von sozialen, historischen und emotionalen Einschreibungen. Die teilnehmenden Künstler*innen reflektieren und imaginieren in ihren Arbeiten individuelle wie kollektive Körperpolitiken. Sie schaffen mit ihren Objekten und Installationen Erfahrungsräume für radikale Verletzlichkeit, Verbundenheit, Autonomie und Widerstand. So entsteht ein offener Raum der Verhandlung, in dem Körper nicht nur dargestellt, sondern spürbar, herausgefordert und gefeiert werden.
Everybody ist ein Versuch Körper neu zu denken und in Utopien zu imaginieren.
Die Ausstellung "Everybody" im Georg Kolbe Museum zeigt Werke von Pauline Boudry und Renate Lorenz, Eva & Adele, Carolyn Lazard, Monilola Olayemi Ilupeju, Janne Kummer, Luís Lázaro Matos und Lauryn Youden. Kuratiert von Eva da Silva Antunes Alves.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 11 bis 18 Uhr
Laufzeit: Sa, 08.08.2026 bis So, 29.11.2026