Berliner Wissenschaftspreis 2019 geht an Beatrice Gründler, Nachwuchspreisträger ist Steve Albrecht

Pressemitteilung vom 07.11.2019

Für ihre herausragende Forschung zu arabischer Literatur erhält Prof. Dr. Beatrice Gründler von der Freien Universität den diesjährigen Berliner Wissenschaftspreis. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, übergab die mit 40.000 Euro höchstdotierte Wissenschaftsauszeichnung des Landes Berlin an die Arabistin am Abend des 7. November im Museum für Naturkunde. Mit dem Nachwuchspreis wurde in diesem Jahr der Physiker Prof. Dr. Steve Albrecht geehrt, der an der Technischen Universität und am Helmholtz-Zentrum Berlin forscht. Er erhält 10.000 Euro für seine innovativen Arbeiten auf dem Feld der Photovoltaik. Mit den Preisen werden jedes Jahr in Berlin entstandene wegweisende Forschungsleistungen und ihre Bedeutung für die Gesellschaft gewürdigt. Die Preisverleihung fand dieses Jahr wieder im Rahmen der Berlin Science Week statt.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, gratuliert: „Heute zeichnen wir wieder zwei herausragende Persönlichkeiten aus, die mit ihrer Forschung Berlin zum Leuchten bringen. Die international renommierte Arabistik-Professorin Beatrice Gründler eröffnet uns mit ihren Arbeiten wichtige Einblicke in die Welt der arabischen Literatur und erklärt ihre vielseitigen globalen Verflechtungen über fast anderthalbtausend Jahre hinweg. Damit trägt sie auch immer wieder zu einem öffentlichen und differenzierten Diskurs über die arabisch-islamische Kultur bei. Auf einem ganz anderen Feld bewegt sich der diesjährige Nachwuchspreisträger Prof. Dr. Steve Albrecht. Seine wegweisende Forschung zu Tandemsolarzellen ermöglicht neue Effizienzgewinne in der Photovoltaik und befördert damit Innovationen, die wir im Kampf gegen den Klimawandel benötigen. Ich gratuliere beiden Ausgezeichneten und wünsche ihnen für ihre weitere Arbeit viel Erfolg.“

Bildvergrößerung: Berliner Wissenschaftspreis Beatrice Gründler
Wissenschaftspreisträgerin Prof. Dr. Beatrice Gründler; Das Bild darf nur mit Nennung der Quelle und ausschließlich im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Wissenschaftspreis und die Preisträgerin Prof. Dr. Beatrice Gründler verwendet werden.
Bild: DFG/David Ausserhofer

Die Wissenschaftspreisträgerin Prof. Dr. Beatrice Gründler ist seit 2014 Professorin am Seminar für Semitistik und Arabistik an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die arabische Schrift- und Buchkultur, die klassische arabische Literatur und ihre sozialgeschichtlichen Kontexte sowie die Rolle der arabischen Literatur als Bindeglied zwischen Asien und Europa. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die innovative Kombination von Methoden, analytische Virtuosität und höchste philologische Kompetenz aus. Seit 2015 untersucht sie die Text-, Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Fabelsammlung Kalīla and Dimna, eine der frühesten arabischen Prosaschriften und ein zentraler Text der arabischen Weisheitsliteratur aus dem 8. Jh. n. Chr. Beatrice Gründler ediert und kommentiert dieses Werk erstmals kritisch in einer synoptischen digitalen Ausgabe. Mit ihrer Arbeit und ihrem institutionellen Engagement trägt sie in höchstem Maße zur Profilierung und Sichtbarmachung geisteswissenschaftlicher Forschung am Wissenschaftsstandort Berlin und zur Entwicklung der Digital Humanities als Berliner Zukunftsfeld bei.

Beatrice Gründler studierte in Straßburg, Tübingen und Harvard, wo sie 1995 auch promoviert wurde. Nach einem Aufenthalt am Dartmouth College lehrte sie ab 1996 an der Yale University, zunächst als Assistenzprofessorin, seit 2002 als Professorin für arabische Literatur. Im Jahr 2014 kehrte sie nach Deutschland zurück, wo sie seitdem an der Freien Universität Berlin forscht und lehrt. Sie ist Studienleiterin der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien und der Graduiertenschule Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies. Außerdem ist sie Mitglied des Vorstands des Dahlem Humanities Center der Freien Universität Berlin. Beatrice Gründler war von 2010 bis 2011 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und von 2016 bis 2017 Präsidentin der American Oriental Society. Die hohe Qualität ihrer Forschung wurde durch nationale und internationale wissenschaftliche Auszeichnungen belegt. Im Jahr 2017 erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den wichtigsten deutschen Forschungsförderpreis, sowie einen ERC Advanced Grant, die höchste Auszeichnung des Europäischen Forschungsrates.

Bildvergrößerung: Nachwuchspreisträger Steve Albrecht
Nachwuchspreisträger Prof. Dr. Steve Albrecht
Bild: Michael Setzpfand/HZB

Der Nachwuchspreisträger Prof. Dr. Steve Albrecht leitet eine Arbeitsgruppe zu Perowskit-Tandemsolarzellen am Helmholtz-Zentrum Berlin und ist Junior-Professor an der Technischen Universität Berlin. Mit seinem Team forscht er an Tandemsolarzellen, bei denen konventionelle Halbleiter (wie Silizium oder CIGS) mit neuartigen Halbleitern (aus Metall-Halogenid Perowskit) kombiniert werden. Die Tandemsolarzellen wandeln einen größeren Anteil des Sonnenspektrums in elektrische Energie um und erreichen dadurch deutlich höhere Wirkungsgrade. Vor Kurzem konnte Albrecht einen neuen Weltrekord für eine Tandemsolarzelle veröffentlichen, die er mit seinem Team entwickelt und patentiert hat. Albrecht und sein Team forschen am Helmholtz-Innovation Lab HySPRINT und arbeiten eng mit den Kollegen vom Photovoltaik-Kompetenzzentrum PVcomB zusammen, um die komplexen Tandemzellen zu einer größeren Technologiereife zu führen.

Steve Albrecht wuchs in Potsdam auf. Er studierte an der Universität Potsdam Physik und wurde dort mit Auszeichnung promoviert. Für seine Dissertation über organische Solarzellen wurde er mit dem Carl-Ramsauer-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und dem Nachwuchspreis des Leibniz-Kollegs Potsdam ausgezeichnet. Im Jahr 2014 kam er als Postdoktorand an das Helmholtz-Zentrum Berlin. Seit 2016 leitet er dort eine durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Nachwuchsgruppe. Im Dezember 2018 wurde er zum Juniorprofessor an der Technischen Universität Berlin an die Fakultät für Elektrotechnik berufen. Im selben Jahr wurde er gemeinsam mit Prof. Dr. Bernd Rech und Dr. Marko Jost durch den Präsidenten Sloweniens mit dem „Apple of Inspiration“ ausgezeichnet. Im Jahr 2019 erhielt er für seine Forschung den Karl-Scheel-Preis der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin.

Der Berliner Wissenschaftspreis wird seit 2008 jährlich durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin vergeben. Vorschlagsberechtigt sind die Berliner Hochschulen, in Berlin ansässige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und ihre Träger sowie die für Wissenschaft und Forschung zuständigen Mitglieder des Senats. Für den Hauptpreis ist ein Preisgeld über 40.000 Euro vorgesehen, das die Institution erhält, an der die wissenschaftliche Leistung erbracht wurde. Für den Nachwuchspreis geht das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro direkt an die Ausgezeichneten selbst.