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Otto und Elise Hampel – Karte bitte wandern lassen

Pressemitteilung vom 29.10.2015

Ausstellung in der Stadtbibliothek Berlin-Mitte

Vom 09.11.2015-16.01.2016 lädt die Schiller-Bibliothek zu einer Ausstellung über Otto und Elise Hampel ein.

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Otto Hampel im Berliner Kabelwerk von Siemens-Schuckert. Von 1928 bis 1933 war er Mitglied des NS Stahlhelms. Elise Hampel arbeitete nach dem Besuch der Volksschule als Haushaltshilfe. Ab 1936 wirkte sie aktiv als Zellenleiterin in der NS-Frauenschaft mit. Als ihr Bruder während des Westfeldzugs gegen Frankreich gefallen war, wurden die Eheleute zu Gegnern des Regimes.

Zwischen 1940 und 1942 riefen Otto und Elise Hampel, ein Arbeiterehepaar aus dem Wedding, mit Postkarten und Flugschriften zum Sturz des Naziregimes und zur Beendigung des Krieges auf. Aufwachen aus politischer Apathie! Gegen Entrechtung! Gegen Kapitalismus! Für Freiheit und Gerechtigkeit! Die Karten legten sie in Treppenhäusern ihres Wohnumfeldes ab: Müllerstraße, Turiner Straße, Brüsseler Straße, Seestraße und andere.
Die Hampels waren überzeugt, ihre Mitmenschen bewegen zu können, sich für eine neue Gesellschaft einzusetzen. Eine Welt brach für sie zusammen, als sie bei der Vernehmung durch die Gestapo erfuhren, dass so gut wie alle Karten bei der Polizei abgegeben worden waren. Otto und Elise Hampel wurden 1943 zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Beim Zusammenbruch ihrer Hoffnung auf eine bessere Welt möchte es der Sozialpädagoge Christian Winterstein nicht belassen. Im Mittelpunkt seiner Ausstellung stehen 16 Fotografien von ausgewählten Postkarten und Flugschriften, die im Bundesarchiv überliefert sind.
Die Ausstellung erinnert an den Widerstand der Hampels. Sie hatten kein ideologisches Programm und keinen religiösen Hintergrund. Alleine und auf sich gestellt fanden sie den Mut, Nein zu sagen. Auf dem Höhepunkt des nationalsozialistischen Regimes hatten sie, trotz extremer Anpassungszwänge und barbarischer Herrschaft, das Empfinden für Gerechtigkeit nicht verloren.
Die Ausstellung zeigt auch Querverweise zur literarischen Verarbeitung des Schicksals der Hampels im Roman von Hans Fallada, „Jeder stirbt für sich allein“.
Besitzt das Handeln von Otto und Elise Hampel für uns heute noch eine Relevanz? Und wenn ja, welche? Die Besucher_innen haben die Möglichkeit, auf diese Frage selbst ihre Antworten zu finden und auf Postkarten aufzuschreiben.

Während der Ausstellungszeit gibt es Führungen durch die Ausstellung am 14.11., 21.11., 28.11., 5.12.,12.12.,19.12.2015 und 09.01.2016, jeweils um 12.00 Uhr. Treffpunkt im Foyer der Bibliothek.
Der Eintritt ist frei.

Schiller-Bibliothek mit@hugo Jugendmedienetage
13353 Berlin, Müllerstraße 149
Tel.: 9018 45683, E-Mail: schiller@stb-mitte.de
U6, U9 Leopoldplatz; Bus 120, 147, 221, 247, 327
Mo-Fr 10.00-19.30 Uhr; Sa 10.00-14.00 Uhr

Gäste mit Kommunikations- bzw. Assistenzhilfebedarf melden diesen bitte unter der Telefonnummer (030) 9018-24412 oder per Email an oeffentlichkeitsarbeit@stb-mitte.de an.

Medienkontakt:
Stadtbibliothek Berlin-Mitte, Ellen Stöcklein,
Telefon: (030) 9018-24412, E-Mail: ellen.stoecklein@ba-mitte.berlin.de