Klaus Schütz

Regierender Bürgermeister vom 19.10.1967 bis 2.5.1977

Klaus Schütz
Bild: Landesarchiv Berlin

Klaus Schütz wurde am 17. September 1926 in Heidelberg als Sohn eines Rechtsanwalts geboren. Von seinem zehnten Lebensjahr an wuchs er in Berlin auf und besuchte hier das Gymnasium. Nach dem Abitur wurde er 1944 als Flakhelfer eingezogen. Noch in den letzten Kriegstagen wurde er in Italien schwer verwundet, als Folge davon blieb sein rechter Arm gelähmt.

1946 nahm Klaus Schütz an der Berliner Humboldt Universität sein Studium der Geschichtswissenschaften und Germanistik auf. Er trat der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Studenten bei und gehörte ab 1947 dem Studentenrat an. Schon bald darauf war er Delegierter der Wilmersdorfer Jungsozialisten im Landesausschuss der SPD. Als im Juni 1948 drei Kommilitonen durch die Verwaltung der in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Humboldt Universität relegiert wurden, trat Schütz mit weiteren Mitgliedern des Studentenrats zurück und wechselte an die Freie Universität im amerikanischen Sektor. 1949/50 absolvierte er ein politikwissenschaftliches Zusatzstudium an der Harvard University in den USA.

Nach seiner Rückkehr nach Berlin übernahm Schütz eine Assistentenstelle am Institut für Politikwissenschaften der Freien Universität. 1951 wählten ihn die Berliner Jungsozialisten zu ihrem Vorsitzenden. Seit dieser Zeit förderte ihn vor allem Willy Brandt, dessen Nachfolger er 1953 im Amt des Wilmersdorfer SPD-Kreisvorsitzenden wurde. Von 1955 bis 1957 gehörte er dem Berliner Abgeordnetenhaus und von 1958 bis 1961 dem Deutschen Bundestag an. Im Bundestagswahlkampf 1961 leitete er Willy Brandts Wahlbüro. Es folgte die Ernennung zum Bevollmächtigten des Landes Berlin beim Bund – ein Amt, das er bis 1966 ausübte. Als Willy Brandt Außenminister wurde, folgte Klaus Schütz seinem Mentor, der ihn zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt machte. 1967 dann kam der Ruf, Nachfolger des zurückgetretenen Heinrich Albertz zu werden: Am 19. Oktober 1967 wählte das Abgeordnetenhaus Klaus Schütz zum Regierenden Bürgermeister, 1968 übernahm er auch den Landesvorsitz der Berliner SPD.

Klaus Schütz
Bild: Landesarchiv Berlin

Die Amtszeit von Klaus Schütz fiel in eine Phase weltpolitischer Beruhigung. Die Entspannungspolitik fand ihren Niederschlag im Viermächteabkommen über Berlin, das 1971 durch die Botschafter abgeschlossen wurde. Die beiden deutschen Staaten einigten sich über den Transitverkehr, und zwischen Senat und DDR-Regierung wurde eine Reise- und Besuchsregelung erreicht. Am 3. Juni 1972 unterzeichneten daraufhin die Außenminister in Berlin das Vier-Mächte-Schlussprotokoll, ein halbes Jahr später schlossen Bundesrepublik und DDR den Grundlagenvertrag. In Berlin rückten nun auch wieder klassische kommunalpolitische Fragen in den Vordergrund.

Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 1971 musste die SPD zwar gegenüber 1967 weitere Verluste hinnehmen, verteidigte aber mit 50,4 Prozent erneut die absolute Mehrheit. Der alte und neue Regierende Bürgermeister kündigte die Koalition mit der FDP auf, die SPD regierte fortan allein, was jedoch innerparteiliche Flügelkämpfe nicht verhindern konnte. 1975 verlor die SPD die absolute Mehrheit, stärkste Fraktion wurde die CDU. Klaus Schütz bildete nun wieder einen SPD/FDP-Senat, doch Skandale und Affären schwächten seine Regierung zunehmend. Als Innensenator Neubauer Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Einkünften aus einem Aufsichtsratsposten einräumen musste, gab Klaus Schütz auf. Am 2. Mai 1977 trat er vom Amt des Regierenden Bürgermeisters zurück, wenig später legte er auch den Landesvorsitz der SPD nieder.

Auf Klaus Schütz warteten nun neue Herausforderungen: Für vier Jahre ging er als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland nach Israel. 1981 übernahm er die Intendanz der Deutschen Welle, 1988 wurde er Direktor der Landesanstalt für Rundfunk in Nordrhein-Westfalen. Nach seiner Pensionierung kehrte Klaus Schütz 1992 nach Berlin zurück, um sich publizistischen Aufgaben und der Tätigkeit als Präsident des Berliner Landesverbandes des Deutschen Rotes Kreuzes zu widmen.

Klaus Schütz starb am 29. November 2012 nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren.

Übersicht der Regierenden Bürgermeister von Berlin seit 1949