Radialsystem V
CLAP & SLAP
Agnietė Lisičkinaitė & Igor Shugaleev
© @ D Alisauskas
“CLAP & SLAP” ist ein Stück von Agnietė Lisičkinaitė und Igor Shugaleev, das die politischen Spannungen zwischen Litauen und Belarus im Kontext des Ukraine-Kriegs von 2022 thematisiert. Mit Tanz, Gesten und kurzen Medienausschnitten lädt es dazu ein, über Schuld, Verantwortung, Nationalismus und Gewalt nachzudenken.Als Russland 2022 die Vollinvasion der Ukraine begann, löste dies in der gesamten Region komplexe geopolitische Spannungen aus, die auch die Kunstwelt erfassten. Diesen heiklen Zustand loten die beiden Künstler*innen Agnietė Lisičkinaitė und Igor Shugaleev anhand der angespannten Beziehung ihrer Heimatländer Litauen und Belarus aus. Mit minimalistischen Kostümen, Gesten und Requisiten sowie kurzen Text- und Videosequenzen wagen sie einen beinahe unmöglichen Dialog. Frei von dem Anspruch, politische Lösungen anzubieten, regt “CLAP & SLAP” zum Nachdenken über Verantwortung und Schuld, Nationalismus und Patriotismus, Selbstverteidigung und Aggression an.
TicketsNormal 25 € Ermäßigt 17 € Bei Online-Buchungen entstehen Servicegebühren des Dienstleisters Reservix.
Artist's Note von Agnietė Lisičkinaitė und Igor ShugaleevDie in CLAP & SLAP verhandelten Themen sind keine theatralische Fiktion, sondern die brutale geopolitische Realität unserer Region. Unsere Zusammenarbeit begann 2021, als sich unsere unabhängigen Soloarbeiten – die sich beide mit Protestkultur, politischen Krisen und körperlichen Erschöpfungszuständen auseinandersetzen – erstmals begegneten. Als politischer Flüchtling aus Belarus und als litauische Künstlerin, die sich in den polarisierenden Wellen der “Cancel Culture“ bewegt, trugen wir unterschiedliche, aber gleichermaßen schwere Lasten aus Schuld, Wut und kollektiver Verantwortung mit uns. Diese Performance entstand aus langen, schwierigen Gesprächen, in denen wir versuchten, unsere eigenen inneren Mechanismen von Ausgrenzung und Entmenschlichung zu hinterfragen.Im Zentrum des Stücks stehen zwei gegensätzliche und zugleich identische Bewegungen: Klatschen und Schlagen. Die Geste des „Sich-selbst-Schlagens“ entstand unmittelbar aus unserer Thematik heraus. Sie ist ein hoch aufgeladener, widersprüchlicher Akt– Ausdruck individueller Schuld und zugleich ein kollektiver Ruf nach Gnade, der paradoxerweise selbst Gewalt reproduziert. Sie entzieht sich einer einfachen moralischen Einordnung und vereint die Rollen von Opfer und Täter in einem einzigen intensiven körperlichen Zustand. Um mit dieser belastenden Realität umzugehen, ohne daran zu erstarren, greifen wir auf einen scharfen, unbequemen Humor zurück, der Wahrnehmungen destabilisiert. So entstehen Momente, in denen ein Lachen hervorbricht, nur um im Hals stecken zu bleiben – und dabei unsere gemeinsame Verstrickung in diese politischen Absurditäten sichtbar zu machen.Die Unsicherheit, unter der diese Arbeit entstanden ist, bestimmt bis heute unseren Alltag. Sechs Monate lang wartete Igor in einem Zustand völliger Ungewissheit auf seine Papiere, und beinahe hätten wir in diesem Jahr die Möglichkeit verloren, gemeinsam zu tanzen. Obwohl er seine Dokumente schließlich erhielt, bedeutet dies nur eine vorübergehende Erleichterung – sie gelten lediglich für zwei Jahre. Gleichzeitig lebt Agnietė vor dem Hintergrund eines aktiven hybriden Krieges. Heute, am 20. Mai 2026, während dieser Text geschrieben wird, wurde sie durch einen militärischen Alarm geweckt, der die Zivilbevölkerung anwies, wegen eines möglichen Luftangriffs Schutz zu suchen. Für zwei Stunden bedeutete dies für Litauens Kinder, ältere Menschen und staatliche Angestellte den Gang in Luftschutzbunker.Auch wenn ein Aufenthaltsstatus auf dem Papier gewährt werden kann, lassen sich die körperlichen Erinnerungen an Instabilität, politisches Exil und die Bedrohung durch Krieg nicht auslöschen. CLAP & SLAP ist unsere Art, wachsam zu bleiben – ein fortwährender Akt zivilgesellschaftlichen Engagements und die Weigerung, unsere Menschlichkeit in einer Welt zu verlieren, die nach schwarz-weißen Vereinfachungen verlangt.
0 h 45 min
TicketsNormal 25 € Ermäßigt 17 € Bei Online-Buchungen entstehen Servicegebühren des Dienstleisters Reservix.
Artist's Note von Agnietė Lisičkinaitė und Igor ShugaleevDie in CLAP & SLAP verhandelten Themen sind keine theatralische Fiktion, sondern die brutale geopolitische Realität unserer Region. Unsere Zusammenarbeit begann 2021, als sich unsere unabhängigen Soloarbeiten – die sich beide mit Protestkultur, politischen Krisen und körperlichen Erschöpfungszuständen auseinandersetzen – erstmals begegneten. Als politischer Flüchtling aus Belarus und als litauische Künstlerin, die sich in den polarisierenden Wellen der “Cancel Culture“ bewegt, trugen wir unterschiedliche, aber gleichermaßen schwere Lasten aus Schuld, Wut und kollektiver Verantwortung mit uns. Diese Performance entstand aus langen, schwierigen Gesprächen, in denen wir versuchten, unsere eigenen inneren Mechanismen von Ausgrenzung und Entmenschlichung zu hinterfragen.Im Zentrum des Stücks stehen zwei gegensätzliche und zugleich identische Bewegungen: Klatschen und Schlagen. Die Geste des „Sich-selbst-Schlagens“ entstand unmittelbar aus unserer Thematik heraus. Sie ist ein hoch aufgeladener, widersprüchlicher Akt– Ausdruck individueller Schuld und zugleich ein kollektiver Ruf nach Gnade, der paradoxerweise selbst Gewalt reproduziert. Sie entzieht sich einer einfachen moralischen Einordnung und vereint die Rollen von Opfer und Täter in einem einzigen intensiven körperlichen Zustand. Um mit dieser belastenden Realität umzugehen, ohne daran zu erstarren, greifen wir auf einen scharfen, unbequemen Humor zurück, der Wahrnehmungen destabilisiert. So entstehen Momente, in denen ein Lachen hervorbricht, nur um im Hals stecken zu bleiben – und dabei unsere gemeinsame Verstrickung in diese politischen Absurditäten sichtbar zu machen.Die Unsicherheit, unter der diese Arbeit entstanden ist, bestimmt bis heute unseren Alltag. Sechs Monate lang wartete Igor in einem Zustand völliger Ungewissheit auf seine Papiere, und beinahe hätten wir in diesem Jahr die Möglichkeit verloren, gemeinsam zu tanzen. Obwohl er seine Dokumente schließlich erhielt, bedeutet dies nur eine vorübergehende Erleichterung – sie gelten lediglich für zwei Jahre. Gleichzeitig lebt Agnietė vor dem Hintergrund eines aktiven hybriden Krieges. Heute, am 20. Mai 2026, während dieser Text geschrieben wird, wurde sie durch einen militärischen Alarm geweckt, der die Zivilbevölkerung anwies, wegen eines möglichen Luftangriffs Schutz zu suchen. Für zwei Stunden bedeutete dies für Litauens Kinder, ältere Menschen und staatliche Angestellte den Gang in Luftschutzbunker.Auch wenn ein Aufenthaltsstatus auf dem Papier gewährt werden kann, lassen sich die körperlichen Erinnerungen an Instabilität, politisches Exil und die Bedrohung durch Krieg nicht auslöschen. CLAP & SLAP ist unsere Art, wachsam zu bleiben – ein fortwährender Akt zivilgesellschaftlichen Engagements und die Weigerung, unsere Menschlichkeit in einer Welt zu verlieren, die nach schwarz-weißen Vereinfachungen verlangt.
0 h 45 min
Künstler/Beteiligte: Agnietė Lisičkinaitė & Igor Shugaleev (Konzept & Choreografie), Agnietė Lisičkinaite (Performance), Igor Shugaleev (Performance), Agne Matulevičiūtė (Komposition), Oles Makukhin (Szenografie), Bush Hartshorn (Dramaturgie), Olga Lapina (Beratung Regie), Povilas Laurinaitis (Licht)
Produktion BE COMPANY / Agnietė LisičkinaiteResidenzen Radialsystem Berlin, Studio ALTA, Bora Bora Tanzzentrum, Santarcangelo FestivalMit freundlicher Unterstützung des Litauischen Kulturinstituts. Das Gastspiel wird kofinanziert durch die Europäische Union. In Kooperation mit Radialsystem
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