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RIAS Kammerchor Berlin I

Gregor Meyer, Leitung; Henze / Brahms

Musikfest Berlin – Schriftzug Musikfest Berlin

Musikfest Berlin – Schriftzug Musikfest Berlin

„Spaß machen“, so Henze, solle sein 1966 im Rahmen der Berliner Festwochen uraufgeführtes Konzert Musen Siziliens – dem Publikum ebenso wie den ausführenden Musiker*innen. Gleiches dürfte sich auch Johannes Brahms gedacht haben, als er in mannigfaltiger Liaison mit dem „wienerischen“ Dreivierteltakt seine Liebeslieder-Walzer für Gesang und Klavier zu vier Händen komponierte. Der RIAS Kammerchor Berlin widmet sich beiden Werken beim Musikfest Berlin, gemeinsam mit dem Klavierduo GrauSchumacher, das laut Süddeutscher Zeitung „das Klavierspiel für vier Hände perfektioniert“ hat, und den Bläsern und Pauken der Jungen Deutschen Philharmonie. Als atmosphärischer Opener erklingt Henzes entrückt-geheimnisvolles Notturno. Die Leitung übernimmt Gregor Meyer.

„Leider nicht von mir!“, war Johannes Brahms’ Kommentar zum Walzer An der schönen blauen Donau von Johann Strauß (Sohn), der ursprünglich als Chorstück für den Wiener Männergesangsverein entstand. Gerade in seinen Anfangsjahren ließ sich der in den Worten Eduard Hanslicks „ernste, schweigsame“ Hamburger Komponist von der Walzerseligkeit seiner neuen Wahlheimat inspirieren, was auch zu den Liebeslieder-Walzern op. 52 auf Gedichte aus Georg Friedrich Daumers Polydora führte. Die geschmeidigen Vertonungen, die mal kapriziös-kokett, mal melancholisch und mal leidenschaftlich ausfallen, hatten gewaltigen Erfolg – auch, weil die Stücke trotz ihrer Bindung an den Walzerrhythmus mit einer unerschöpflichen Fülle an eingängigen Melodien aufwarten.

Nicht die Liebe, sondern innere Kontemplation im Angesicht der Unermesslichkeit des Kosmos stellte Hans Werner Henze ins Zentrum seines ruhig-schwebenden Notturno für Blasinstrumente, Kontrabass und Klavier: einer instrumental neu gedachten Variante vom Schluss der zweiten Szene „Mond und Sterne“ aus der Henze-Oper Die englische Katze. Anschließend führt das Konzert Musen Siziliens in die idyllische Schäferwelt aus Vergils Bucolica. In dem ungewöhnlich besetzten dreiteiligen Werk wollte Henze bewusst „weg vom Klang des großen Orchesters, von Polyphonie und Dodekaphonie. […] In Musen Siziliens wollte ich […] auf ganz einfache Formulierungen gehen, Einzeltöne umkreisen, Rotation um tonale Zentren. Es sollte mit Spaß zu singen sein, […] und das Spiel der beiden Solo-Klaviere sollte Spaß machen und mit Spaß anzuhören sein.“ In transparenter Instrumentation folgt in dem dreiteiligen Werk auf eine tänzerische Pastorale ein versonnenes Adagio und ein spielerisches Vivace, wobei der Chorsatz durchgehend von melodischem Erfindungsreichtum und ausdrucksreicher Klangschönheit geprägt ist.

Hans Werner Henze (1926–2012)   

Notturno (1995)

Serenade für Blasinstrumente, Kontrabass und Klavier

Musen Siziliens (1966)

Konzert für gemischten Chor, zwei Klaviere, Bläser und Pauken

auf Eklogen-Fragmente des Vergil

Johannes Brahms (1833–1897) 

Liebeslieder (1868/69)

Walzer für Gesang und Klavier zu vier Händen op. 52

Künstler/Beteiligte: GrauSchumacher Piano Duo, Junge Deutsche Philharmonie, Gregor Meyer

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