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Jazzfest Berlin 2026: Christian Lillinger // The Tomeka Reid Quartet // CHICAGO UNDERGROUND Duo

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Jazzfest Berlin 2026: Christian Lillinger // The Tomeka Reid Quartet // CHICAGO UNDERGROUND Duo

Tomeka Reid Quartet, Chicago Underground Duo, Christian Lillinger’s Open Form For Society II – Collage aus Bdrei Bildern mit Menschen auf Stühlen.

Tomeka Reid Quartet, Chicago Underground Duo, Christian Lillinger’s Open Form For Society II – Collage aus Bdrei Bildern mit Menschen auf Stühlen.

18:30

Christian Lillinger’s Open Form For Society II

(AT, DE, IT, NO, SE, SI, US)

Uraufführung

Im Jahr 2019 präsentierte der Schlagzeuger Christian Lillinger die erst zweite Aufführung seines ambitionierten Projekts Open Form For Society beim Jazzfest Berlin. Diese wie auch die bei der diesjährigen Festivalausgabe vorgestellte neue Iteration bauen auf vielen der theoretischen Grundlagen seines langjährigen Trios mit dem Vibrafonisten Christopher Dell und dem Bassisten Jonas Westergaard auf und erweitern sie zu einer panoramischen Rundumschau. Im Trio entstehen komplexe Polyrhythmen und kontrapunktische Melodiefiguren aus sich endlos wandelnden, einander überkreuzenden Linien – eine Form der Improvisation, die in unzähligen Stunden des Probens und der Recherche verwurzelt ist und eine stabile Grundlage für kollektive Spontaneität bildet. Im Rahmen von Open Form For Society arbeitet Lillinger mit einigen seiner engsten Mitstreiter*innen zusammen, um spezifische instrumentale Stimmen auf streng ausgearbeiteten Kompositionen zu vervielfachen. Er selbst spricht von einer „radikal verdichteten Form von Kammermusik“. Tatsächlich sind die Rhythmen straff und die Intervalle eng. Dermaßen viele Stimmen innerhalb dieser Grenzen zu konzentrieren, ist fraglos ein gewagtes Unterfangen – erfordert es doch von den Musiker*innen, aufmerksam zuzuhören und wie die Teile eines Organismus zusammenzuwirken. 

Lillinger stellt sich noch einer weiteren Herausforderung. Anstatt eine eher konventionelle Band zusammenzustellen, bringt er mehrere Exemplare verschiedener Instrumente zum Einsatz. Zum Ensemble gehören fünf ebenso eigenwillige wie hervorragende Tastenmusiker*innen: Kaja Draksler, Cory Smythe, Georg Vogel, Elias Stemeseder und Anna D’Errico. Ergänzt werden sie von Westergaard, Ole Morten Vågan und Petter Eldh am Bass, der teilweise mikrotonal gespielt und gelegentlich elektronisch bearbeitet wird. Die Gruppe wird die Weltpremiere von Musik aus ihrem bemerkenswerten zweiten Album Open Form For Society II geben, auf dem die atemberaubende Darbietung auf enger Zusammenarbeit und interaktivem Zuhören beruht.  

Line-up

Anna D’Errico – Klavier

Cory Smythe – Klavier

Kaja Draksler – Celesta, Klavier

Elias Stemeseder – Spinett, Synthesizer

Georg Vogel – E-Claviton

Petter Eldh – Kontrabass, E-Bass

Jonas Westergaard – Kontrabass

Ole Morten Vågan – Kontrabass

Christopher Dell – Vibrafon

Christian Lillinger – Komposition, Konzept, Schlagzeug, Elektronik

20:00

The Tomeka Reid Quartet: dance! skip! hop! 

(US)

Die Komponistin, Improvisationsmusikerin und Cellistin Tomeka Reid aus Chicago hat einen stetigen Aufstieg erlebt, seitdem sie sich erstmals vor zweieinhalb Jahrzehnten als enge Mitstreiterin der Flötistin Nicole Mitchell einen Namen machte. Zwar hinterließen ihre gemeinsamen Projekte mit Künstler*innen wie Craig Taborn, James Brandon Lewis, Myra Melford, Mike Reed und Dave Douglas einen bleibenden Eindruck, doch erst mit ihrem brillanten Quartett brachte die Bandleaderin das gesamte Spektrum ihrer künstlerischen Ausdrucksformen voll zur Geltung. Zusammen mit Gitarristin Mary Halvorson, Bassist Jason Roebke und Schlagzeuger Tomas Fujiwara entsteht ein warmer, von Saiteninstrumenten geprägter Klang, wie er der Bandleaderin besonders am Herzen liegt – seit dem Jahr 2013 organisiert sie den Chicago Jazz String Summit, um die Kunst der Improvisation in dieser oft vernachlässigten Instrumentenfamilie zu fördern.

Beim Jazzfest Berlin feiert Reid das Berlin-Debüt von dance! skip! hop!, dem vierten Album ihres Quartetts. Diese neueste, von der Kritik hochgelobte Veröffentlichung unterstreicht das Talent der Cellistin, klangvolle, beschwingte Melodien zu schaffen. Zugleich offenbart es die wachsende Dringlichkeit und Durchschlagskraft ihrer Kompositionen – Eigenschaften, die von ihren vielseitigen, unverwechselbaren Bandkolleg*innen gekonnt unterstrichen werden. Ihnen lässt Reid wiederum viel kreativen Freiraum, wenngleich der mitreißende Sound ganz und gar ihr eigener ist, einschließlich der gestrichenen Soli von exquisiter Schönheit und des packenden Begleitspiels, welches das dynamische Miteinander der Gruppe vorantreibt.

Line-up

Tomeka Reid – Violoncello

Jason Roebke – Kontrabass

Tomas Fujiwara – Schlagzeug

Mary Halvorson – Gitarre

21:30

CHICAGO UNDERGROUND Duo

(US)

Sowohl der Trompeter Rob Mazurek als auch der Schlagzeuger Chad Taylor sind bereits in verschiedenen Konstellationen beim Jazzfest Berlin aufgetreten, doch erst dieser Auftritt markiert das längst überfällige Festivaldebüt ihres langjährigen Projekts CHICAGO UNDERGROUND Duo. Seit der Veröffentlichung von 12° of Freedom im Jahr 1998 hat das Duo stets nach neuen Ausdrucksformen für die Vermittlung von Rhythmus und Melodie gesucht. Das aufgeschlossene Ethos Don Cherrys bleibt dabei eine zentrale Inspirationsquelle, sei es im Kontext seiner Arbeit mit dem Schlagzeuger Ed Blackwell oder in der stilübergreifenden Praxis seiner Organic Music Society. Im vergangenen Jahr veröffentlichten Mazurek und Taylor das bemerkenswerte Album Hyperglyph, ihr erstes seit elf Jahren. Es schlug ein weiteres spannendes Kapitel in der wandlungsreichen Geschichte des Duos auf.

Nie zuvor hat das Duo dermaßen groovende und durchdringende Musik abgeliefert. Die eindrücklichsten Beispiele finden sich im treibenden Titelstück, in dem der Trompeter neben feurigen Bläserimprovisationen und satten Akkorden auf einem RMI-E-Piano – einem zentralen Instrument in der elektrischen Phase von Miles Davis – einen Urschrei entfesselt, sowie im eindringlichen Getrommel von Contents of Your Heavenly Body, das die Grundlage für einen temperamentvollen Monolog Mazureks bildet. Andere Stücke donnern auf futuristischen Synth-Bass-Ostinati dahin, während Taylor mit seinen kaskadenartigen Kalimba- und Mbira-Patterns sogar auf afrikanische Traditionen zurückgreift. Viele der Stücke bedienen sich zyklischer Muster – rhythmische Spielzüge mit hypnotisierender Wirkung, während derer die Musiker ihre Improvisationen auf den Grooves aufbauen und sie so mit deren geschmeidiger Treibkraft verschmelzen lassen. Eine für Mazureks Mentor und engen Mitstreiter Bill Dixon geschriebene Suite verzichtet hingegen weitgehend auf Elektronik zugunsten eines intensiven Wechselspiels von Mensch zu Mensch. 

Line-up

Rob Mazurek – Piccolotrompete, Elektronik, Stimme

Chad Taylor – Schlagzeug

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