Jazzfest Berlin 2026: Camila Nebbia Large Ensemble // Amir ElSaffar New Quartet // Immanuel Wilkins Quartet
Camila Nebbia, Immanuel Wilkins, Amir ElSaffar New Quartet – Links Musiker mit Trompete und Klavier. Oben verschwommenes Gesicht. Eine Person dreimal drei mit Saxophon.
© Dovile Sermoka, Daniel Wetzel, Joshua Wood
18:30
Camila Nebbia Large Ensemble: the darkness, overwhelming and imposing, compelled me to light my own fires
(AR, DE, FI, GB, HR, PL, US)
Uraufführung
Es wird zunehmend schwieriger, mit der Saxofonistin und Komponistin Camila Nebbia Schritt zu halten. Berlin sollte der fiebrig-intensiven Improvisationsmusikerin aus Buenos Aires dafür dankbar sein, sich vor einigen Jahren in der Stadt niedergelassen zu haben. In ihrem DIY-Elan schwingt ein gewisser Punk-Esprit mit, der sich auch in ihrer Offenheit gegenüber Kooperationspartner*innen und ihrem uneingeschränkten Engagement widerspiegelt, bei jedem Auftritt bis ans Äußerste zu gehen. Darüber hinaus ist Nebbia eine Architektin von Gemeinschaften – ein wesentlicher Aspekt ihres neuen Projekts, das beim Jazzfest Berlin seine Weltpremiere feiert. Sie leitet eine spannende internationale Band mit zehn Mitgliedern, die sich zu großen Teilen aus der äußerst vitalen Szene für improvisierte Musik in Berlin zusammensetzt und durch den Videokünstler Andro Manzoni um eine visuelle Ebene erweitert wird.
Im Rahmen ihrer Reise nach Europa setzte sich Nebbia mit der Geschichte ihres Urgroßvaters Abraham Breide auseinander. Sie ließ sich dabei von seinen unveröffentlichten Memoiren inspirieren, in denen er seine Erfahrungen bei der Auswanderung aus seinem Heimatland Libanon nach Argentinien schilderte. Manzoni arbeitet mit Filmmaterial im 8-mm- und 16-mm-Format, das von Nebbia gedreht wurde oder aus den Archiven ihrer Familie stammt. Sie hat die Filmkopien mit Farbe und Säure behandelt, wodurch das Material abstrakter wirkt und so dem Publikum ermöglicht, den Bildern eine eigene Bedeutung zuzuschreiben. „Sowohl in der Musik als auch im Film arbeite ich mit Zerstörung als kreativem Werkzeug“, erklärt Nebbia. „Es ist, als würden wir stets versuchen, dem Vergessen zu widerstehen – etwas, das letztendlich unmöglich ist.“ Zur hochkarätigen Besetzung ihres Ensembles gehören Weston Olencki an der Posaune, Julia Biłat am Cello, Nick Dunston am Bass, Maria Reich an der Violine, Joanna Mattrey an der Viola, Arne Braun an der Gitarre, Kit Downes an den Keyboards, Lesley Mok am Schlagzeug und Ludwig Wandinger an der Elektronik.
Line-up
Camila Nebbia – Tenorsaxofon, Komposition, Visuals
Weston Olencki – Posaune
Maria Reich – Violine
Joanna Mattrey – Viola
Julia Biłat – Violoncello
Nick Dunston – Kontrabass
Arne Braun – Gitarre
Kit Downes – Klavier, Orgel
Ludwig Wandinger – Elektronik
Lesley Mok – Schlagzeug
Andro Manzoni – Interaktive Visuals
Mit freundlicher Unterstützung durch den Musikfonds e. V.
20:00
Amir ElSaffar New Quartet
(GR, IQ, NO, US)
Während sich immer größere Teile der Jazz-Welt mit Mikrotonalität und unkonventionellen Stimmungen auseinandersetzen, sollte nicht vergessen werden, dass der US-amerikanische Trompeter Amir ElSaffar seit über zwei Jahrzehnten vergleichbare Ansätze pflegt. Nachdem er sich in seiner Jugend im Chicagoer Vorort Oak Park dem Jazz und der klassischen Musik gewidmet hatte, setzte er sich erst relativ spät mit seinem eigenen irakischen Hintergrund auseinander. Kurz vor Beginn des Irak-Kriegs im Jahr 2003 reiste er nach Bagdad, um sich intensiv mit dem irakischen Maqam zu beschäftigen, wobei sein Schwerpunkt auf Santur und Gesang lag. Nach seiner Rückkehr begann er, eine erstaunlich originelle Mischform zu entwickeln, indem er mit beeindruckender Konsequenz Post-Bop durch irakischen Maqam bereicherte. Im Laufe der Zeit erweiterte ElSaffar seine künstlerische Praxis um Kompositionen für Ensembles der zeitgenössischen Musik und beschäftigte sich intensiv mit elektronischer Klangerzeugung. Dennoch hat er sich nicht von seiner Vergangenheit abgekehrt, wie die Zusammenarbeit mit Pianist Cecil Taylor und Tourneen mit seinem Maqam-Mentor Hamid Al-Saadi beweisen.
Seine derzeitige Band entstand als Auftragswerk im Rahmen einer Kurzzeitresidenz im Berliner Pierre Boulez Saal, in dem die Gruppe ihr eindrucksvolles, im Jahr 2025 veröffentlichtes Debütalbum aufnahm. Das effektiv besetzte Quartett bietet die kompakteste und konzentrierteste Umsetzung von ElSaffars musikalischer Vision und verbindet nahtlos die Tonarten und Stimmungen des irakischen Maqam mit einem Post-Bop von außergewöhnlicher Raffinesse. An der Frontline wird er vom Saxofonisten Ole Mathisen begleitet, einem Mitstreiter der ersten Stunde. Gemeinsam haben sie eine fast schon telepathische Verbindung aufgebaut. Die Musik wird vom Schlagzeuger Tomas Fujiwara vorangetrieben, der Drive und klangliche Details in Einklang bringt. Zugleich brechen sich die Harmonien im Prisma der griechischen Pianistin Tania Giannouli, die ein umgestimmtes Instrument verwendet, um der Vision des Bandleaders gerecht zu werden.
Line-up
Amir ElSaffar – Trompete, Stimme
Tomas Fujiwara – Schlagzeug
Tania Giannouli – Mikrotonales Klavier
Ole Mathisen – Tenorsaxofon
21:30
Immanuel Wilkins Quartet
(US)
Im Jahr 2024 beschritt der Saxofonist Immanuel Wilkins mit dem Album Blues Blood, das von seiner Kindheit in Philadelphia inspiriert ist und sich mit der Diskriminierung und Gewalt gegenüber Schwarzen Menschen in den USA auseinandersetzt, neue Wege: Er zog eine Reihe ausdrucksstarker Sänger*innen hinzu, um sich durch die Linse der Erinnerung mit vorangegangenen Generationen auseinanderzusetzen. Es ist eine beeindruckende Studioproduktion von einem Musiker, dessen Schaffen von seiner Spontaneität lebt. So verwundert es auch nicht, dass er als darauffolgendes Projekt seine erste Live-Aufnahme veröffentlichte: ein dreiteiliges Set mit seiner Stammband im New Yorker Village Vanguard. Es ist weithin bekannt, dass es sich bei dem aus Philadelphia stammenden Musiker um eine der spannendsten und zugleich umsichtigsten Figuren der Jazzwelt handelt – eine old soul mit tiefer Leidenschaft für die Musik, die vor ihm kam, und doch ein Künstler, der von der Vergangenheit aus fest in die Zukunft blickt. Mit Unterstützung einer herausragenden, perfekt aufeinander eingespielten Band – Pianist Micah Thomas, Bassist Ryoma Takenaga und Schlagzeuger Kweku Sumbry – wollte der Saxofonist sein Publikum daran teilhaben lassen, wie das Quartett sein Repertoire an einem der heiligsten Orte der Musik durcharbeitet: jenem Jazzclub, in dem Saxofonisten wie Sonny Rollins, John Coltrane und Dexter Gordon – um nur drei von vielen zu nennen – einige ihrer wichtigsten Auftritte spielten.
Das Live-Album greift einige Stücke von seinem Debütalbum Omega auf, doch existieren von den meisten der in einigen Fällen bis zu zehn Jahre alten Titel bisher noch keine Aufnahmen. Eternal ist ein Lobgesang, der sein zartes Thema in hypnotischen Wiederholungen durchspielt und das Publikum in tranceartige Zustände zu versetzen vermag. Die Soul-Jazz-Anleihen von DOLLA$ zeigen, dass diese Band der alten Schule verpflichtet ist und dennoch nicht den leisesten Hauch von Nostalgie spüren lässt. Zudem enthält das Album eine ebenso mitreißende wie gefühlvolle Interpretation von Alice Coltranes Charanam, einem Stück aus ihrem zum Klassiker avancierten Spätwerk Turiya Sings. Doch mehr noch als jede einzelne Komposition unterstreicht die Aufnahme in ihrer Gesamtheit, was für eine dynamische Einheit dieses Quartett auf der Bühne bildet.
Line-up
Immanuel Wilkins – Altsaxofon
Micah Thomas – Klavier
Ryoma Takenaga – Kontrabass
Kweku Sumbry – Schlagzeug
Camila Nebbia Large Ensemble: the darkness, overwhelming and imposing, compelled me to light my own fires
(AR, DE, FI, GB, HR, PL, US)
Uraufführung
Es wird zunehmend schwieriger, mit der Saxofonistin und Komponistin Camila Nebbia Schritt zu halten. Berlin sollte der fiebrig-intensiven Improvisationsmusikerin aus Buenos Aires dafür dankbar sein, sich vor einigen Jahren in der Stadt niedergelassen zu haben. In ihrem DIY-Elan schwingt ein gewisser Punk-Esprit mit, der sich auch in ihrer Offenheit gegenüber Kooperationspartner*innen und ihrem uneingeschränkten Engagement widerspiegelt, bei jedem Auftritt bis ans Äußerste zu gehen. Darüber hinaus ist Nebbia eine Architektin von Gemeinschaften – ein wesentlicher Aspekt ihres neuen Projekts, das beim Jazzfest Berlin seine Weltpremiere feiert. Sie leitet eine spannende internationale Band mit zehn Mitgliedern, die sich zu großen Teilen aus der äußerst vitalen Szene für improvisierte Musik in Berlin zusammensetzt und durch den Videokünstler Andro Manzoni um eine visuelle Ebene erweitert wird.
Im Rahmen ihrer Reise nach Europa setzte sich Nebbia mit der Geschichte ihres Urgroßvaters Abraham Breide auseinander. Sie ließ sich dabei von seinen unveröffentlichten Memoiren inspirieren, in denen er seine Erfahrungen bei der Auswanderung aus seinem Heimatland Libanon nach Argentinien schilderte. Manzoni arbeitet mit Filmmaterial im 8-mm- und 16-mm-Format, das von Nebbia gedreht wurde oder aus den Archiven ihrer Familie stammt. Sie hat die Filmkopien mit Farbe und Säure behandelt, wodurch das Material abstrakter wirkt und so dem Publikum ermöglicht, den Bildern eine eigene Bedeutung zuzuschreiben. „Sowohl in der Musik als auch im Film arbeite ich mit Zerstörung als kreativem Werkzeug“, erklärt Nebbia. „Es ist, als würden wir stets versuchen, dem Vergessen zu widerstehen – etwas, das letztendlich unmöglich ist.“ Zur hochkarätigen Besetzung ihres Ensembles gehören Weston Olencki an der Posaune, Julia Biłat am Cello, Nick Dunston am Bass, Maria Reich an der Violine, Joanna Mattrey an der Viola, Arne Braun an der Gitarre, Kit Downes an den Keyboards, Lesley Mok am Schlagzeug und Ludwig Wandinger an der Elektronik.
Line-up
Camila Nebbia – Tenorsaxofon, Komposition, Visuals
Weston Olencki – Posaune
Maria Reich – Violine
Joanna Mattrey – Viola
Julia Biłat – Violoncello
Nick Dunston – Kontrabass
Arne Braun – Gitarre
Kit Downes – Klavier, Orgel
Ludwig Wandinger – Elektronik
Lesley Mok – Schlagzeug
Andro Manzoni – Interaktive Visuals
Mit freundlicher Unterstützung durch den Musikfonds e. V.
20:00
Amir ElSaffar New Quartet
(GR, IQ, NO, US)
Während sich immer größere Teile der Jazz-Welt mit Mikrotonalität und unkonventionellen Stimmungen auseinandersetzen, sollte nicht vergessen werden, dass der US-amerikanische Trompeter Amir ElSaffar seit über zwei Jahrzehnten vergleichbare Ansätze pflegt. Nachdem er sich in seiner Jugend im Chicagoer Vorort Oak Park dem Jazz und der klassischen Musik gewidmet hatte, setzte er sich erst relativ spät mit seinem eigenen irakischen Hintergrund auseinander. Kurz vor Beginn des Irak-Kriegs im Jahr 2003 reiste er nach Bagdad, um sich intensiv mit dem irakischen Maqam zu beschäftigen, wobei sein Schwerpunkt auf Santur und Gesang lag. Nach seiner Rückkehr begann er, eine erstaunlich originelle Mischform zu entwickeln, indem er mit beeindruckender Konsequenz Post-Bop durch irakischen Maqam bereicherte. Im Laufe der Zeit erweiterte ElSaffar seine künstlerische Praxis um Kompositionen für Ensembles der zeitgenössischen Musik und beschäftigte sich intensiv mit elektronischer Klangerzeugung. Dennoch hat er sich nicht von seiner Vergangenheit abgekehrt, wie die Zusammenarbeit mit Pianist Cecil Taylor und Tourneen mit seinem Maqam-Mentor Hamid Al-Saadi beweisen.
Seine derzeitige Band entstand als Auftragswerk im Rahmen einer Kurzzeitresidenz im Berliner Pierre Boulez Saal, in dem die Gruppe ihr eindrucksvolles, im Jahr 2025 veröffentlichtes Debütalbum aufnahm. Das effektiv besetzte Quartett bietet die kompakteste und konzentrierteste Umsetzung von ElSaffars musikalischer Vision und verbindet nahtlos die Tonarten und Stimmungen des irakischen Maqam mit einem Post-Bop von außergewöhnlicher Raffinesse. An der Frontline wird er vom Saxofonisten Ole Mathisen begleitet, einem Mitstreiter der ersten Stunde. Gemeinsam haben sie eine fast schon telepathische Verbindung aufgebaut. Die Musik wird vom Schlagzeuger Tomas Fujiwara vorangetrieben, der Drive und klangliche Details in Einklang bringt. Zugleich brechen sich die Harmonien im Prisma der griechischen Pianistin Tania Giannouli, die ein umgestimmtes Instrument verwendet, um der Vision des Bandleaders gerecht zu werden.
Line-up
Amir ElSaffar – Trompete, Stimme
Tomas Fujiwara – Schlagzeug
Tania Giannouli – Mikrotonales Klavier
Ole Mathisen – Tenorsaxofon
21:30
Immanuel Wilkins Quartet
(US)
Im Jahr 2024 beschritt der Saxofonist Immanuel Wilkins mit dem Album Blues Blood, das von seiner Kindheit in Philadelphia inspiriert ist und sich mit der Diskriminierung und Gewalt gegenüber Schwarzen Menschen in den USA auseinandersetzt, neue Wege: Er zog eine Reihe ausdrucksstarker Sänger*innen hinzu, um sich durch die Linse der Erinnerung mit vorangegangenen Generationen auseinanderzusetzen. Es ist eine beeindruckende Studioproduktion von einem Musiker, dessen Schaffen von seiner Spontaneität lebt. So verwundert es auch nicht, dass er als darauffolgendes Projekt seine erste Live-Aufnahme veröffentlichte: ein dreiteiliges Set mit seiner Stammband im New Yorker Village Vanguard. Es ist weithin bekannt, dass es sich bei dem aus Philadelphia stammenden Musiker um eine der spannendsten und zugleich umsichtigsten Figuren der Jazzwelt handelt – eine old soul mit tiefer Leidenschaft für die Musik, die vor ihm kam, und doch ein Künstler, der von der Vergangenheit aus fest in die Zukunft blickt. Mit Unterstützung einer herausragenden, perfekt aufeinander eingespielten Band – Pianist Micah Thomas, Bassist Ryoma Takenaga und Schlagzeuger Kweku Sumbry – wollte der Saxofonist sein Publikum daran teilhaben lassen, wie das Quartett sein Repertoire an einem der heiligsten Orte der Musik durcharbeitet: jenem Jazzclub, in dem Saxofonisten wie Sonny Rollins, John Coltrane und Dexter Gordon – um nur drei von vielen zu nennen – einige ihrer wichtigsten Auftritte spielten.
Das Live-Album greift einige Stücke von seinem Debütalbum Omega auf, doch existieren von den meisten der in einigen Fällen bis zu zehn Jahre alten Titel bisher noch keine Aufnahmen. Eternal ist ein Lobgesang, der sein zartes Thema in hypnotischen Wiederholungen durchspielt und das Publikum in tranceartige Zustände zu versetzen vermag. Die Soul-Jazz-Anleihen von DOLLA$ zeigen, dass diese Band der alten Schule verpflichtet ist und dennoch nicht den leisesten Hauch von Nostalgie spüren lässt. Zudem enthält das Album eine ebenso mitreißende wie gefühlvolle Interpretation von Alice Coltranes Charanam, einem Stück aus ihrem zum Klassiker avancierten Spätwerk Turiya Sings. Doch mehr noch als jede einzelne Komposition unterstreicht die Aufnahme in ihrer Gesamtheit, was für eine dynamische Einheit dieses Quartett auf der Bühne bildet.
Line-up
Immanuel Wilkins – Altsaxofon
Micah Thomas – Klavier
Ryoma Takenaga – Kontrabass
Kweku Sumbry – Schlagzeug
Laufzeit: Do, 29.10.2026 bis So, 01.11.2026
Nächster Termin: C. Nebbia // A. ElSaffar // I. Wilkins
- Termin Freitag, 30. Oktober 2026, 18:30 Uhr
- Ort Haus der Berliner Festspiele - Große Bühne
- Adresse Schaperstraße 24, 10719 Berlin-Wilmersdorf
- Preis ab 39,84 €
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