Marchlewskistraße 25 (Südseite)
Bauzeit: 1951/1952
Architektur: Kollektiv Hermann Henselmann
Grünanlage Weberwiese
Entstehungszeit: 1952–1954
Gartenarchitektur: Helmut Kruse
Schlüsselwerk der Berliner Baugeschichte
Warum ist das Hochhaus an der Weberwiese ein so bekanntes Einzelgebäude in Berlin? Es war Ideengeber für die architektonische Gestaltung der Bauten des ersten Bauabschnitts der ehemaligen Stalinallee, seit 1961 Karl-Marx-Allee.
Die Besonderheit ist am Außenbau des neungeschossigen Punkthauses erkennbar:
Seine Gebäudeecken sind durch verputzte Doppelachsen effektvoll betont. Die tiefer gelegenen Wandflächen zeigen eine expressive Verkleidung mit hellen Keramiken. Ein Highlight setzt der markante Dachabschluss mit verglastem Dachgarten. Durch neoklassizistischen Bauschmuck ist die streng symmetrische, monumentale Architektur wirkungsvoll akzentuiert.
Die Gestaltung des Hochhauses überzeugte auch die politische Führung. Es wurde zum Flaggschiff des „Nationalen Aufbauprogramms“ der SED und mustergültig für den ornamentalen Baustil in „Nationalen Traditionen”, der die neuen sozialistischen Städte prägen sollte.
Das Hochhaus ist Teil einer Baugruppe mit niedrigerem Querriegel und zwei Wohnblöcken an der Marchlewskistraße. Sie rahmt die Grünanlage Weberwiese, Ort der Ruhe abseits der verkehrsreichen Karl-Marx-Allee. Die leicht modellierte Wiese mit Bogenweg und gruppierten Baumpflanzungen folgt landschaftlichen Gestaltungsprinzipien.
Grünanlage und Bebauung interagieren durch inszenierte Blickbeziehungen. Beispielhaft dafür steht die Natursteinanlage des nierenförmigen Wasserbeckens: Helmut Kruse platzierte es genau so, dass sich auf seiner Wasseroberfläche das Hochhaus spiegelt.