Fotografie auf den Bahnsteigen der U-Bahnhöfe Weberwiese und Schillingstraße (U5)

Fotografie aus: unterdessen
Fotografie aus: everything merges with the light
Lost in Transition, 2024–2025
Fotografie aus: Ich hatte eine Verwandte

Die Ausstellung OST WEST OST Berliner Nachkriegsmoderne nutzt die üblicherweise für großformatige Werbung vorgesehenen Flächen auf den Bahnsteigen der U-Bahnhöfe Weberwiese und Schillingstraße als Fotogalerie. Perspektiven auf die Berliner Nachkriegsmoderne an der Karl-Marx-Allee werden so für Reisende und Wartende vom Stadtraum auf die unterirdische Bahnsteigebene geholt. 36 künstlerische Fotoarbeiten, angefertigt von fünf Fotografinnen und Fotografen erweitern den Blick auf das Thema der Ausstellung. Die künstlerischen Positionen laden ein, die international berühmte Straße mit ihren Quartieren selbst zu erforschen. Bei beiden Bahnhöfen gestalteten die Fotografinnen und Fotografen die gesamten Werbeflächen entlang der Gleise. Die Kunstschaffenden wurden in einem wettbewerblichen Verfahren ermittelt. Beiderseitig des U-Bahnsteigs Weberwiese sehen Sie die Bildserien von Arlett Mattescheck sowie von Philipp Kapitza & Pascal Kapitza, auf dem U-Bahnsteig Schillingstraße erwarten Sie die Bildserien von Maria Sewcz und Werner Huthmacher.

Einführung

„Wie kaum ein anderes Bildmedium eignet sich die Fotografie, bildmächtige Interpretationen des Gesehenen zu ermöglichen. Daher lag es nahe, die freien Großwerbeflächen in den U-Bahnhöfen Weberwiese und Schillingstraße für die Bespielung mit zeitgenössischer Fotografie zu nutzen. Die Beiträge laden Passagiere und Passanten zur Reflektion über das einzigartige architektonische Umfeld ein.

Die vier Beiträge für die Ausstattung der Kulturbahnhöfe gingen aus einem mehrstufigen Wettbewerb hervor, wodurch eine Vielstimmigkeit der Vorschläge ebenso wie die spätere Weiterentwicklung der Konzepte ermöglicht wurde. Zeichnet sich der Beitrag von Maria Sewcz durch einen stark von der eigenen Handschrift geprägten sensiblen Zugriff auf das architektonische Umfeld aus, so ist Arlett Matteschecks eher dokumentierende Architekturfotografie an einer Würdigung der Qualitäten der Bauten gleichermaßen interessiert wie an den Spuren ihrer Nutzung. Werner Huthmacher sucht nach Konstanten der Gebäudekonstruktionen, die seine fotografische Annäherung an die Architekturen strukturieren. Pascal und Philipp Kapitza nutzen die Fotomontage, um den Blick auf Nebensächliches mit der überraschend vielstimmigen Sprache der Gebäude an der Karl-Marx-Allee in einen Dialog zu bringen.“

Dr. Ludger Derenthal
Leiter der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin

Fotografie auf dem U-Bahnhof Weberwiese

Fotografie aus: Lost in Transition

Arlett Mattescheck

verbindet in ihrer fotografischen Arbeit präzise Bildkomposition mit erzählerischer Sensibilität. Ihr Schwerpunkt liegt auf Porträt-, Architektur- und Reportagefotografie mit einem feinen Gespür für Stimmungen und visuelle Narrative.

Bilderserie zur Karl-Marx-Allee,
Bauabschnitt I
Lost in Transition, 2024–2025

„Eine Allee im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft: Historisches Prestige trifft auf moderne Realitäten. Alteingesessene und Neubürger teilen sich den Raum, während sich Läden von günstig bis luxuriös aneinanderreihen. Leerstand wechselt mit Leben ab. Die Serie beobachtet architektonische Räume im Zustand sozialer Durchlässigkeit. In klaren Bildkompositionen begegnen sich Nutzbarkeit und Abwesenheit, Konstruktion und Erinnerung.“

Fotografie aus: Ich hatte eine Verwandte

Philipp & Pascal Kapitza

arbeiten als Künstlerduo an Schnittstellen künstlerischer und architektonischer Praxen im Kontext planetarer Krisenerfahrungen. Im Zentrum ihres Interesses liegt die Notwendigkeit der Sichtbarmachung und Involviertheit mehr als menschlicher Entitäten in urbanen Kontexten.

Bilderserie zur Karl-Marx-Allee,
Bauabschnitt I
Ich hatte eine Verwandte, 2024–2025

„Am Ende stand ein Irrtum. Die Moderne entspringt im Humanismus und gebärt einerseits den Menschen, doch im selben Moment alles Nicht-Menschliche. Die Konstitution der Moderne trennt jene Entitäten, doch lässt sich diese Trennung nicht durchhalten. Es entstehen die Mischwesen. Immer werden wir Sauerstoff atmen müssen und aus dem Kohlenstoff der Anderen unsere Körper hervorbringen.“

Fotografie auf dem U-Bahnhof Schillingstraße

Fotografie aus: everything merges with the light

Werner Huthmacher

arbeitet fotografisch an der Schnittstelle von Architekturdarstellung und freier Kunst. Sein Werk umfasst die präzise und gleichzeitig erzählerische Darstellung von Räumen ebenso wie die künstlerische Inszenierung von Orten mit individuellen Konzepten.

Bilderserie zur Karl-Marx-Allee,
Bauabschnitt II
everything merges with the light, 2024–2025

„Durch die Überlagerung situativer Momente mit besonderen Ansichten der denkmalgeschützten Architektur oberhalb der Gleise entstehen vielschichtige Bilder. Perspektiven die zugleich Filmstills aus den Film „PlayTime“ von Jacques Tati sein könnten, verdichten den Ort im Bild. Details, sich bewegende Silhouetten und Objekte verschmelzen die Innen- und Außenräume ebenso wie die 1960er Jahre, an denen die Gebäude entstanden sind, mit dem Jetzt auf poetische Art.“

Fotografie aus: unterdessen

Maria Sewcz

beschäftigt sich mit Urbanität im Prozess der Transformation. Ihre Fotografien sind das Ergebnis präziser Beobachtung und künstlerischer Analyse, sie verbinden Komposition und Intuition und öffnen den Blick auf das Verhältnis von städtischem Raum und Zeit.

Bilderserie zur Karl-Marx-Allee,
Bauabschnitt II
unterdessen, 2024–2025

„Ich setze auf analytisches Sehen, räumliche Strukturierung, auf die formale Prägnanz der von mir gesehenen und fotografisch herausgehobenen Details. Meine Arbeiten integrieren divergierende Aspekte in der Motivik und den Perspektiven, den übertragenen Größenverhältnissen oder Raumsituationen. Während des eher kurzen Verweilens vor Ort lade ich Sie ein, Ihre erinnerten Wahrnehmungen einzubringen, aber auch neue Ansichten oberhalb des U-Bahnhofs Schillingstraße zu entdecken.“

Fotografie auf dem Bahnsteig Weberwiese
Fotografie auf dem Bahnsteig Schillingstraße