Geschichte

Füllfederhalter auf einem Blatt mit alter Schrift
Bild: © Minerva Studio - Fotolia.com

Es begann kurz vor 1900:
1896 erschien im Steglitzer Anzeiger eine Anzeige zur Gründung eines “Steglitzer Lesezirkels”. Die Bücher, meist Spenden, wurden in der Buchbinderei “Schwendy” in der Schloßstr. 65 gesammelt. 5 Pfennige waren für 12 Bücher als Ausleihgebühr fällig. 1899 bewilligte die Gemeinde Räume im Schulhaus Schloßstr. 33, 1900 entstand dann die “Vereinigte Volksbibliothek” mit 4.200 Bänden, die 1912 schon 12.000 Bände umfasste und zunächst in die Schloßstr. 36, 1918 in das Lyceum Rothenburgstr. 18 umzog. In Zehlendorf war bereits am 1. März 1893 die Zehlendorfer „Volksbücherei“ eröffnet worden. Auch in Lichterfelde und Lankwitz wurden Bildungsbürger aktiv. So entstand hier 1904 die “Volksbücherei zu Lichterfelde Ost” am Jungfernstieg 29, 1905 kamen eine Bibliothek in Südende und die “Volksbücherei des Westens” dazu. Der Grundbesitzerverein Lankwitz eröffnete 1902 die erste Bibliothek in der Viktoriastr. 50 mit 500 Bänden.

Lesen Sie mehr über die Geschichte der Bibliotheken im Bezirk, über Bücher mit dem roten “R” und “Wanderbüchereien”.

Ingeborg-Drewitz-Bibliothek

1920: Die 1896 aus der “Lesehalle” entstandene Steglitzer Bibliothek zog nach verschiedenen Standortwechseln ins Nebengebäude der ehemaligen “Höheren Mädchenschule der Frau Gunkel” in die Grunewaldstr. 2. Nach der Eingemeindung von Steglitz nach Berlin ging die Stadtbücherei 1921 in die Verwaltung des Bezirkamts über, die Bibliotheken Lichterfelde-Ost und Lankwitz wurden angegliedert. In Steglitz stieg die Zahl der Leser von 1.881 (1921) auf 3.768 (1928) an. Über 35.000 Bände waren 1930 im Angebot, belehrende und unterhaltende Literatur wird im Verhältnis 1:1 angeboten, Allein 2.100 besaß die Musikbibliothek, die 1928 – nach dem Umzug der 1924 gegründeten Kinderlesehalle – in der freigewordenen Baracke Grunewaldstr. 2 eröffnet wurde. Die Stadtbücherei Steglitz, seit 1919 unter Leitung von Dr. Hans Rothardt, organisierte Ausstellungen und Lesungen, die Buchausleihe erfolgte an einer Theke. Hier versuchten Jugendliche wohl öfters, ein Buch mit rotem “R” (für reifere Leser) auszuleihen, doch ist zu vermuten, das dies meist scheiterte.
1933 versetzten die Nationalsozialisten Dr. Rothhardt in den Ruhestand. Unerwünschte Literatur wurde ausgesondert oder landete im “Giftschrank”. Titel wie “Der Hitlerjunge Quex” und “Rassenkunde des deutschen Volkes” kamen dazu. Jeder Leser konnte 1935 in der Bibliothek, nun in “Volksbücherei Steglitz” umbenannt, zwei Bücher entleihen, ein drittes, sofern es “nationalsozialistisches Schrifttum” war. HJ-Büchereien entstanden. 1945 öffneten die Alliierten die “Giftschränke”, die Bestände wurden “gesäubert”. Die Kinderlesehalle Flemmingstr. wurde 1946 wiedereröffnet. Die Jugendbücherei nutzte eine Ecke der Musikbücherei, bevor sie 1952 zusammen mit der neuen “Bücherei für junge Menschen” von 15 bis 20 Jahren in die Rothenburgstr. 33 zog. Erfolgreich: 1955 kamen täglich 470 junge Leser.

1956 beschloss der Senat einen Zehnjahresplan für Bibliotheken: In zehn von 12 Bezirken wurden für die Hauptstellen Neu- oder Umbauten geplant. Die neue Stadtbücherei Steglitz mit Erwachsenen-, Jugend- und Musikbücherei eröffnete am 1. Oktober 1958 in einem zweigeschossigen Neubau in der Grunewaldstr. 2. Mit 23.000 Lesern und 750.000 entliehenen, nun frei zugänglichen Büchern war sie 1960 berlinweit führend und galt als so repräsentativ, dass am 31.1.1961 Bundespräsident Lübke zu Besuch kam.
Das Bibliotheksangebot im Bezirk war derweil mit einer Fahrbibliothek (ab 1956, erster Bus 1961) ergänzt worden, in Lankwitz entstand 1965 der bis heute existierende Neubau. Die Mitte der 1970er Jahre eingerichteten Mediotheken in den Mittelstufenzentren Ostpreußendamm und Dessauer Straße wurden 1984 wegen der Asbestproblematik geschlossen, die Medienvielfalt war jedoch richtungsweisend. Personaleinsparungen, Schließungen und Zusammenlegungen prägten die Steglitzer Bibliotheksgeschichte ab Ende der *1980*er Jahre – und die Technik. Neue Medien wie CDs und Videos kamen hinzu, ab 1993 löste der PC nach und nach den Zettelkatalog ab.
1995 wurde im Rahmen des Bibliotheksentwickungsplan die Hauptbibliothek erweitert, 1996 feierte die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, die seit 1991 den Namen der Schriftstellerin trägt, ihr 100-jähriges Bestehen.

2006 ein Sprung in die Moderne: Nach über sieben Jahren des Planens und Bauens wurde am 4. September die neue Bezirkszentralbibliothek eröffnet.
Den Anstoß zum Neubau gaben Anfragen von Investoren, die an verkehrsgünstiger Lage ein Grundstück zur Errichtung eines Einkaufscenters suchten und dies im öffentlichen Gelände hinter dem alten Steglitzer Rathaus fanden. In allen Ausschreibungen war die Integration der Stadtbibliothek fester Bestandteil der Planungen. Nach Fertigstellung kaufte der Bezirk die Bibliotheksetage im 3. Stock vom Bauherrn zurück.
Nach dreijähriger Übergangszeit mit Ausweichquartier und reduziertem Angebot standen ab 2006 wieder sämtliche Bestände der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek den Kunden zur Verfügung. Die Bibliothek mit mehr als 5000 m² Gesamtfläche beinhaltet den 3000 m² großen Ausleihbereich ohne Trenn- und Zwischenwände, unterbrochen nur durch ein verglastes, begehbares Atrium, das für zusätzliches Tageslicht sorgt. Als Zentrum der Information und Kommunikation dient sie nicht nur dem Ausleihen von Medien, sondern bietet auch Lese-, Arbeits- und Kommunikationszonen für die sehr unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Besuchergruppen – bis heute.

Gottfried-Benn-Bibliothek

Als die Zehlendorfer Hauptbibliothek am 12. März 1962 ihren Betrieb im neuen Gebäude aufnahm, konnte die Bibliothek schon auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ihr Ursprung lag in der Gründungsphase zahlreicher öffentlicher Büchereien in den Berliner Vororten um 1900. Die Zehlendorfer „Volksbücherei“ wurde durch den „Verein zur belehrenden Unterhaltung“ am 1. März 1893 eröffnet und war zunächst in der Lehrerdienstwohnung der örtlichen Gemeindeschule untergebracht. Der Bestand betrug anfangs 205 Bücher. Geöffnet war die Bücherei jeweils für eine Stunde am Mittwoch und am Sonntag. Nach mehreren Standortwechseln wurde die Bücherei im Jahr 1925 von dem nun zu Groß-Berlin gehörendem Verwaltungsbezirk als städtische Einrichtung übernommen. Es erfolgte ein rascher Ausbau des Zehlendorfer Büchereisystems mit weiteren Zweigstellen in Dahlem und Wannsee. Als die Hauptbibliothek 1935 in der ehemaligen Scharfe’sche Villa, dem heutigen Standesamt, Quartier bezog, war der Bestand auf 25.000 Bände angewachsen. Die Jahresausleihe von mehr als 65.000 Büchern zeugte vom Bildungshunger der Zehlendorfer Bevölkerung. Schließlich kam 1937 mit der „Wanderbücherei“ der Vorläufer unserer heutigen Fahrbibliothek hinzu.
Nach Ende des 2. Weltkrieges bezog die Erwachsenenabteilung Räume des Zehlendorfer Rathauses am Teltower Damm, bis im Jahr 1962 wieder alle Bibliotheksabteilungen in einem Gebäude vereint werden konnten. In dem zeitgemäß mit viel Stahl und Glas ausgestatteten Neubau, ein „Kleiner Glaspalast mit Büchern“ überschrieb die „Welt“ ihren damaligen Eröffnungsbericht, sind auf 1.200 m² Nutzfläche noch heute die Kinder- und Jugendbibliothek, die Erwachsenenbibliothek und die Fahrbibliothek mit ihren zwei Bücherbussen untergebracht.
Eine in den nächsten Jahren stattfindende umfassende energetische Sanierung soll gewährleisten, dass die Bibliothek auch zukünftig ihre Aufgaben als Mittelpunktbibliothek des Bezirks Steglitz-Zehlendorf nach heutigen baulichen Standards erfüllen kann. Ein Personenaufzug wird die Nutzung der auf drei Etagen untergebrachten Bibliothek barrierefrei ermöglichen. Der Service wird um eine Tag- und Nacht-Medienrückgabe – auch am Wochenende- erweitert.

Stadtteilbibliothek Lankwitz

Am 6. Oktober 1912 wurde in einem Anbau der 2. Gemeindeschule, der heutigen Paul-Schneider-Grundschule, die vom „Ortsverein“ initiierte Lankwitzer „Volksbibliothek“ eröffnet. Erster ehrenamtlicher Leiter war der Lehrer Paul Hiller, der sich später auch als Chronist seines Wohnortes Verdienste erwarb. Der Anfangsbestand zählte 300 Bände.
Im Jahre 1920 wurden die Gemeinden Steglitz, Lichterfelde, Lankwitz und der Mariendorfer Ortsteil Südende zum 12. Verwaltungsbezirk von Groß-Berlin zusammengelegt. Ein Jahr später wechselte die immer noch vom Ortsverein betreute Lankwitzer Bücherei in kommunalen Besitz. Sie galt fortan mit ihren nunmehr 3.000 Bänden als Zweigstelle der Stadtbücherei Steglitz. In den Folgejahren war die Bibliothek an wechselnden Standorten untergebracht. Immer wieder zwang der Bücherzuwachs dazu, größere Räume zu beziehen. Vom Realgymnasium, dem heutigen Käthe-Kollwitz-Seniorenheim, über die kleine Festhalle des Lyceums, dem heutigen Beethoven-Gymnasium, landete man 1935 schließlich im ehemaligen Ratskeller des Lankwitzer Rathauses. Neu war nun ein Leseraum mit Zeitungen.
Von Kriegseinflüssen weitgehend verschont geblieben, konnte die Bibliothek bereits wenige Wochen nach Kriegsende, in denen vorwiegend die Bestände von nationalsozialistisch geprägter Literatur gesäubert wurden, wiedereröffnet werden.
Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre fand ein wahrer Bauboom im Bereich der Berliner öffentlichen Bibliotheken statt, auch in Lankwitz. Hier konnte man am 4. Januar 1965 die Eröffnung der Stadtbücherei in einem auch von der Volkshochschule genutzten Neubau festlich begehen. Mehr als 50 Jahre nach der Gründung und nach zahlreichen Standortwechseln konnte die Bücherei endlich ihr eigenes Domizil beziehen mit 14.000 Bänden in der Erwachsenen- und 6.000 in der Jugendabteilung. Noch heute ist die Bibliothek als Stadteilbibliothek des Bezirks Steglitz-Zehlendorf beliebter und viel frequentierter Anlaufpunkt der Lankwitzer Bevölkerung.

Fahrbibliothek

Bereits in den 1930er Jahren waren in den ausgedehnten Siedlungsgebieten von Zehlendorf-Süd und Schlachtensee Wanderbüchereien als Vorläufer der großen Fahrbibliotheken unterwegs. Mit einem Auto wurden mehrere Haltestellen gefahren, um die dortige Bevölkerung mit Literatur zu versorgen. Im Dezember 1956 nahm dann in Zehlendorf der erste Bücherbus – der erste in Berlin – seinen Dienst auf.
Der Bus mit 9,50 Meter Länge bestand aus einer neuen Karosserie auf einem Second hand-Fahrgestell der Firma Büssing und kostete 37.000 DM. Er fuhr fünf Haltestellen an. 1965 wurde er durch ein größeres Fahrzeug ersetzt, das 3.500 Medien mit sich führen konnte. 1978 wurde ein zweiter neuer Bus für 225.000 DM gekauft, der 16 Haltestellen mit insgesamt 56 Öffnungsstunden versorgte. Die Büchereileiterin resümierte stolz in ihrer Laudatio: „Mit dem Auto kommt nun die Bücherei zum Leser. Hier wird die von der Verwaltung geforderte Bürgernähe deutlich praktiziert.“ 1989 bzw. 1993 wurde die zweite Generation Zehlendorfer Bücherbusse durch Neufahrzeuge abgelöst. Der 1993er Bus, ein von der Firma MAN als Büchereifahrzeug in Sonderausführung gebauter Omnibus, verfügt über eine Toilette, hat Platz für 4.500 Medien und ist noch heute im Einsatz.
Im Nachbarbezirk stellte die Stadtbücherei Steglitz ihren ersten Bus im Oktober 1961 in Dienst: ein Sattelschlepper, der bis zum Dezember 1988 im Einsatz war. 3.000 Medien für Kinder und Erwachsene hatte der Bus an Bord. Es wurden sechs Haltestellen angefahren. Bis zu drei Bände konnten die Steglitzer für maximal drei Wochen ausleihen. Im September 1966 konnte die Stadtbücherei Steglitz den zweiten Bücherbus in Betrieb nehmen. Der elf Meter lange, umgebaute alte Reisebus – zuvor auf der Industrieausstellung zu besichtigen – transportierte 3.500 Medien und war zunächst an drei Wochentagen unterwegs. Wegen technischer Defekte musste der Bus 1980 stillgelegt werden. Seine Nachfolge trat ein von der Firma Kässbohrer gebauter Bücherbus mit einem 6-Zylinder-Dieselmotor und 240 PS an. Er transportierte circa. 4.500 Bücher, CDs, Kassetten und Zeitschriften.
Im Sommer 1999 fusionierten die beiden Fahrbibliotheken aus Steglitz und Zehlendorf und nahmen damit die eineinhalb Jahre später stattfindende Bezirksfusion vorweg. Das Buspersonal wurde zusammengezogen, die beiden Busse fuhren nun Haltestellen in beiden Stadtteilen an. Neuer gemeinsamer Standort wurde die Zehlendorfer Gottfried-Benn-Bibliothek am Nentershäuser Platz.
Auch heute noch sind im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, mit seinen 10.252 Hektar einem der größten Flächenbezirke Berlins, zwei Bücherbusse im Einsatz. Von Montags bis Freitags fahren sie vormittags 16 Grundschulen und nachmittags 13 unterschiedliche Ortshaltestellen an. Dabei decken sie die Bedürfnisse der Leser jeglichen Alters in allen sieben Ortsteilen ab und übernehmen als Bindeglied zu den drei ortsfesten Bibliotheken in dem großflächigen Bezirk nach wie vor eine wichtige Aufgabe bei der medialen Grundversorgung der Bürger. Bei der Zahl der Entleihungen liegen sie an der Spitze aller in Berlin eingesetzten Bücherbusse.
Mit ihrem Einsatz vor Schulen leisten die Busse einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Leseförderung für Kinder. Da die Busse direkt mit den Katalogen der anderen Berliner Öffentlichen Bibliotheken vernetzt sind, kann jedes in Berlin angebotene Medium vor Ort recherchiert und bestellt werden – ein Service, den vor allem ältere Mitbürger gerne in Anspruch nehmen. Bei all dem bleiben die Bücherbusse flexibel und können durch veränderte Öffnungszeiten oder Haltestellenverlegungen schnell auf demographische Veränderungen im Bezirk reagieren.
Mittlerweile nagt der Zahn der Zeit an beiden Bussen, die 22 Jahre (Laufleistung: 130.000 km) bzw. 18 Jahre (Laufleistung: 80.000 Fahrkilometer) alt sind. Die reparaturbedingten Ausfälle häufen sich und strapazieren den für die Busse bereitstehenden Etat über Gebühr.
Zur Aufrechterhaltung des bisherigen Angebots ist die Investition in die Anschaffung neuer Busse geboten. Die positiven Signale der politisch Verantwortlichen stimmen uns Bibliotheksmitarbeiter zuversichtlich, dass dies in naher Zukunft auch geschieht – zumindest für einen Bus. Doch ein zweiter wird gebraucht. Hier zu gibt es seit 2015 die Spendenaktion “Ein Bücherbus ist ein Muss”.