Berlin Open Data Day 2016 – Hands on Open Data

Offene Daten sind der Schlüssel zur digitalen Stadt. Zum einen bieten sie die Grundlage für eine transparente und effizientere Verwaltung, zum anderen bieten sich viele Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle und bürgerschaftliches Engagement. Berlin ist in Sachen Open Data gut aufgestellt und verfügt über eine vielfältige, sehr engagierte Szene. Diese hat sich gemeinsam mit Mitarbeiter/innen aus Senats- und Bezirksverwaltungen und weiteren Gästen beim Berlin Open Data Day am 8. Juni 2016 im Spielfeld über neueste Anwendungen, Entwicklungen, Rahmenbedingungen und Trends ausgetauscht und selbst Hand an offene Daten gelegt. 

Dr. Hans Reckers, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, dem Gastgeber des BODDy, hat die rund 150 Gäste begrüßt und eine Bilanz über die Open Data Aktivitäten des Landes Berlins in dieser Legislaturperiode gezogen: Der Senat hat sich zum Ziel gesetzt, das Open Data Angebot der Verwaltung auszubauen: Mittlerweile sind mehr als 1000 Datensätze und ca. 50 Anwendungen auf daten.berlin.de veröffentlicht und §13 des gerade verabschiedeten E-Governmentgesetzes hat die Rechtsgrundlage geschaffen, dass alle Verwaltungsdaten maschinenlesbar zu veröffentlichen sind. 

Sebastian Askar, Open Data Beauftragter des Landes Berlin, verantwortlich für daten.berlin.de zeigt lessons learned und anstehende Schritte auf:

  • Der starke Anwendungsfokus hat viel Verständnis über den Nutzen von Open Data gebracht
  • Dezentrale Veröffentlichung ist sehr gutes Konzept, weil es Daten aktueller hält
  • Veröffentlichungsprozesse müssen ganzheitlich eingeführt werden, Open Data soll von Grund auf in alle Prozesse integriert werden
  • Neben Verwaltungen sollen auch die Landeseignen Unternehmen stärker in den Veröffentlichungsprozess einbezogen werden
  • Datenveröffentlichung soll in die Prozesse und Fachanwendungen integriert werden, um Mehraufwand zu reduzieren und Aktualität zu gewährleisten
  • Bei Echtzeitdaten sollen gezielt API’s eingerichtet werden, um sinnvolle Weiterverwendung zu gewährleisten
  • Jede Verwaltung sollte einen Open Data Beauftragten ernennen

Im Herbst wird auf Verwaltungsebene zu einer open data AG zum Erfahrungsaustausch eingeladen. 

Ab 2017 wird es an der Verwaltungsakademie spezielle Open Data-Weiterbildungstage geben, die von der Strategie, über die Rechtsgrundlagen, Lizenzen, Dateiformate bis hin zum konkreten Prozess des Daten Hochladens alle Aspekte abdecken werden. 

Mitte Mai wurde das Berliner E-Governmentgesetz im Abgeordnetenhaus verabschiedet. Was heißt das nun für offene Daten? Und: ist alles gut, wenn alles offen ist? Diesen Fragen ging Prof. Dr. Tino Schuppan, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für eGovernment (IfG.CC) in Potsdam, nach. 

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Mit dem Berlin Open Data Day sollen Verwaltungsmitarbeiter/innen motiviert werden zu schauen, welche Daten aus ihren Häusern sowohl für ihre Arbeit in der Verwaltung als auch für Andere interessant und hilfreich wären. Damit das Schlagwort „Datenschutz“ nicht als Hinderungsargument für die Datenveröffentlichung gestresst wird, hat Maja Smoltczyk, Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit aufgezeigt, wie Open Data und Datenschutz zusammenpassen.
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Best Practices – Vorstellung innovativer Open Data-Anwendungen

Bis Ende letzten Jahres gab es keinen Überblick über die Nutzerseite, d.h. Anwendungen, die aus Open Data entstanden sind. Offene Daten sind abstrakt und erscheinen als Thema recht trocken.

Ulrich Strötz, Softwareentwickler von ally, einer kostenlosen App für den städtischen Nahverkehr stellte seine Erfahrung beim täglichen Einsatz von offenen Daten vor. Dabei wurde neben der Nutzung bestehender Datensätze auch ausgeführt, wie das Unternehmen eigene Daten erhebt, um zusätzliche Informationen zu generieren.
ww.allyapp.com
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Das Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost ist in diesem Jahr wieder für den Grimme-Preis nominiert, nachdem sie bereits im letzten Jahr mit der Visualisierung der „M 29 Berlins Buslinie der großen Unterschiede“ für Furore gesorgt haben. Wie sie mit neuen Darstellungs- und Erzählformen experimentieren und zeigen, wie sich Geschichten aus Daten erzählen lassen, hat Christopher Möller von webkid.io, aus dem Entwicklerteam von Morgenpost Interaktiv vorgestellt:
www.morgenpost.de/interaktiv

Softwarehersteller Esri hat den Fokus auf Geoinformationssysteme (GIS) und stellt über eine Plattform Geodaten bereit. Christer Lorenz ist zuständig für  das Thema Open Data bei Esri und Ansprechpartner für die Öffentliche Verwaltung in Berlin-Brandenburg.

http://www.arcgis.com/home/item.html?id=9e205f7d50da4963b13f1735d7ff56ea 

Marc Kleemann, Dr. Benjamin Seibel

Wie con terra, Gesellschaft für Angewandte Informationstechnologie, aus den offenen Daten des Berliner 3 D-Stadtmodells eine Minecraft-Karte erstellt hat und die Technologiestiftung diese für Schul- und Stadtplanungsprojekte zur Verfügung stellt, hat Marc Kleemann, con terra, gemeinsam mit Dr. Benjamin Seibel, Technologiestiftung Berlin, vorgestellt. Die Stiftung betreibt für das Computerspiel Minecraft einen Server, auf dem Kinder und Jugendliche die Berliner Innenstadt nach den eigenen Vorstellungen neu gestalten können.  
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Impuls: Open Data – von der Theorie zur Praxis

Das kürzlich verabschiedete E-Government-Gesetz ist eine große Herausforderung für die Berliner Verwaltung, aber auch eine Chance, Möglichkeiten der Digitalisierung für eine bürgernahe Politik zu nutzen. Staatssekretär Andreas Statzkowski führte in seinem Impulsvortrag unter anderem aus, wie eine bei der Senatsinnenverwaltung angesiedelte E-Government-Unit zukünftig die Digitalisierungsprozesse koordinieren soll.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierte StS Statzkowski gemeinsam mit Lena-Sophie Müller (Geschäftsführerin Initiative D21), Julia Kloiber (Projektleiterin Open Knowledge Foundation), Nicolas Zimmer (Vorstandsvorsitzender Technologiestiftung Berlin) und Prof. Tino Schuppan (IfG.cc) die nötigen Schritte, durch die das Thema Open Data stärker in der Verwaltungspraxis verankert werden kann. In der durchaus kontroversen Diskussion wurde auch darüber diskutiert, wie die öffentliche Verwaltung mehr qualifizierte IT-Fachkräfte gewinnen kann und welche Rolle technische und (arbeits-)kulturelle Faktoren bei der Öffnung von Behörden spielen. 

Workshops

Dass die Bereitstellung von Open Data enorme Potenziale für die Wirtschaft, aber auch für die öffentliche Verwaltung selbst bietet, ist längst bekannt. Jedoch fehlen häufig praktische Erfahrungen. Das ist ein Problem, weil der Umgang mit offenen Daten aus der Ferne oft sehr viel komplexer erscheint, als er tatsächlich ist.

Die Teilnehmer/innen konnten gemeinsam mit Experten in Workshops Datensätze bearbeiten und erfahren, welcher Mehrwert aus offenen Verwaltungsdaten auch für die eigene Arbeit gewonnen werden kann: 

Server öffne dich: Schritt für Schritt zur Open Data-Publikation “ mit Andreas Mängel und Knud Möller, berlinonline

„Wir hatten uns vorgenommen, einmal den Weg vom Datensatz bis ins Portal zu gehen, es aber zeitlich leider nicht ganz geschafft. Der Fokus des Workshops lag auf der Strukturierung von Daten, wir hatten zwei Beispiele aus der Verwaltung, die wir gemeinsam mit den Teilnehmern dann strukturiert abgelegt haben. Dabei konnte zum einen gezeigt werden, wie man bei einer solchen Strukturierung vorgeht, zum anderen aber auch, warum eine solche Strukturierung Sinn macht, nicht nur für Entwickler, die daraus Apps oder Websites entwickeln, sondern auch für die Verwaltung selbst. Aus meiner Sicht gab es zwei zentrale Ergebnisse des Workshops:

  • Die Verwaltungen brauchen Unterstützung bei der Strukturierung von Daten, teilweise liegen diese noch in handschriftlicher Form vor.
  • Die Verwaltungen brauchen Unterstützung bei der Auswahl von Datensätzen (Frage: Wo fange ich an?) und der Zuordnung von Meta-Informationen zu den Datensätzen.

Gezeigt wurde, wie anhand der gemeinsam strukturierten Dateien und einem entsprechenden Upload zu Google Maps, wie schnell dann aus solchen strukturierten Daten z.B. Kartenanwendungen gemacht werden können.“
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Schöner rechnen“ mit Thomas Tursics, OK Labs Berlin

Der zweite Workshop widmete sich Daten der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten. Gezeigt wurde, mit welchen Hilfsmitteln und wie man offene Daten auswertet, mit weiteren Daten zusammenführt und für einen persönlich interessante Informationen heraussucht. Am Ende entstand eine interaktive Karte mit über 100 Berliner Kultureinrichtungen, zu denen ein Bild des Hauses, die Entfernung zur nächsten Bus- und Bahnhaltestelle angezeigt und der Fußweg dorthin eingezeichnet wurde. Zusammen mit den Workshopteilnehmer/innen wurden Best-Practice für die Datenumwandlung von Excel-Tabellen, und Copyright-Probleme (und deren Lösung) bei Bildern auf Online-Karten erörtert. Offene Fragen zum Thema Datenschutz und die Grenzen beim Einsatz von Visualisierungstools in der Verwaltung wurden angesprochen, konnten hier aber nicht gelöst werden.
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„Das open data Orakel – Vorhersagen aus offenen Daten“ mit Daniel Kirsch, idalab

Im Workshop wurde die Vorgehensweise zum Bau eines Risikomodells für Sturmschäden an Bäumen nachvollzogen. Das Ziel war, eine periodisierte Liste von Bäumen mit ihrem Risiko für Sturmschäden zu erstellen. Eine solche Liste könnte potenziell zur Gefahreneinschätzung und –vorsorge genutzt werden.
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„Die Zukunft ist offen“ mit Dr. Benjamin Seibel, Technologiestiftung Berlin und Christian Jacob, Stromnetz Berlin

Der Workshop thematisierte die sich wandelnden Erwartungen und Anforderungen verschiedener Nutzertypen an ein öffentliches Open Data-Angebot. In vier Arbeitsgruppen wurden in Anlehnung an die Design Thinking-Methode verschiedene Persona-Modelle entworfen, bevor aus diesen unterschiedlichen Perspektiven Anforderungen, Wünsche und Herausforderungen diskutiert wurden. Diese wurden abschließend den anderen Gruppen vorgestellt und diskutiert.
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Pressestimmen zum Berlin Open Data Day

Tagesspiegel vom 03. Juli 2016, "Berlin, öffne dich"

 

 

 

 

Programm

Moderation: Annette Kleffel, Technologiestiftung Berlin

 9.30 Uhr: Begrüßung

Staatssekretär Dr. Hans Reckers, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung 

 9.40 Uhr: Einführung

Sebastian Askar, Open Data Verantwortlicher, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung 

9.55 Uhr: Impuls

Open Goverment: Alles offen - alles gut? Mythen, Erwartungen, Realitäten

Prof. Dr. Tino Schuppan, Professor für Public Management und wissenschaftlicher Direktor am Institute for eGovernment (IfG.CC) in Potsdam 

10.10-10.30: Impuls

Open Data und Datenschutz – Wie passt das zusammen?

Maja Smoltczyk, Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit

10.30 – 11.20 Uhr: Best Practices

Vorstellung innovativer Open Data-Anwendungen

  • Ulrich Strötz, allyapp.com

  • Christopher Möller, webkid.io / Morgenpost interaktiv 

  • Christer Lorenz, Esri Deutschland GmbH 

  • Marc Kleemann, con terra Gesellschaft für Angewandte Informatik GmbH

11.20-12.20 Uhr: Podium

Open Data und eGovernment-Gesetz. 

Impuls: Von der Theorie in die Praxis

 Andreas Statzkowski, IT-Staatssekretär, Senatsverwaltung für Inneres und Sport 

  • Julia Kloiber, Projektleiterin Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. 

  • Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin Initiative D21 

  • Nikolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender Technologiestiftung Berlin

  • Prof. Dr. Tino Schuppan, Professor für Public Management und wissenschaftlicher Direktor am Institute for eGovernment (IfG.CC) in Potsdam 

Moderation: Dr. Benjamin Seibel, Technologiestiftung Berlin

12.20- 13.20: Mittag

13.20-15.30: Parallele Workshops

Die Teilnehmenden können gemeinsam mit Experten Datensätze bearbeiten und erfahren, welcher Mehrwert aus offenen Verwaltungsdaten auch für die eigene Arbeit gewonnen werden kann.

  • Server, öffne Dich: Schritt für Schritt zur Open Data-Publikation,  Andreas Mängel, berlinonline 
  • Schöner rechnen: Visualisierungen aus offenen Daten für Verwaltungen, Thomas Tursics, OKLabs Berlin 
  • Das Open Data-Orakel: Vorhersagen aus offenen Daten, Daniel Kirsch, idalab GmbH 
  • Die Zukunft ist offen – Wir entwerfen ein Datenportal 2.0, Dr. Benjamin Seibel, Technologiestiftung Berlin; Christian Jacob, Stromnetz Berlin