Coronavirus

Pflanzenschutzamt Aktuell: Die Telefonzentrale des Pflanzenschutzamtes unter der Rufnummer (030) 700006-0 ist nicht mehr besetzt! Eine Übersicht der Aufgabengebiete und die Kontaktdaten der Mitarbeitenden finden Sie unter:
Inhaltsspalte

Tierische Schaderreger: Apfelwickler / Obstmade

Der Apfelwickler ist ein bedeutender Schädling am Apfel, da er nicht nur durch das Anstechen der Frucht und die nachfolgende Fraßtätigkeit der Larven schädigt, sondern so auch Eintrittspforten für andere Schaderreger, wie u.a. Monilia Fruchtfäule schafft.

Geeignete Gegenmaßnahmen sind nur erfolgreich, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Dazu gilt es die Flugzeiten des Schmetterlings zu ermitteln. Die Überwachung des Flugverlaufes erfolgt seit 2005 mit Hilfe von Pheromonfallen in Gärten an unterschiedlichen Standorten im Stadtgebiet. Der Einfluss der jeweiligen Witterung im Flugzeitraum ist für ein mehr oder weniger starkes Auftreten des Wicklers und somit für die Schädigung der Frucht verantwortlich.

Lebensweise

Bildvergrößerung: Lebenszyklus der Apfelwickler
Lebenszyklus der Apfelwickler
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Lebenszyklus der Apfelwickler

PDF-Dokument (186.0 kB)

Apfelwickler – Cydia pomonella

  • Vorkommen:

    insbesondere am Apfel aber auch an Birne

  • Flugzeit:

    einzeln an Früchte oder auf in Fruchtnähe befindliche Blätter, Abendtemperaturen über 15°C nötig

  • Larvenschlupf:

    nach 10 bis 14 Tage

  • Larvenfraß:

    Einbohren in die Früchte und Fraß Richtung Kerngehäuse

  • Larvenentwicklung:

    nach etwa 4 Wochen verlassen die Larven die Früchte zur Abwanderung zu Verstecken am Stamm oder in obere Bodenschichten

  • Überwinterung:

    als Larve eingeponnen in einem Kokon am Stamm hinter Borkenschuppen, in Ritzen von Baumpfählen oder an anderen geeigneten Stellen, aber auch im Boden

  • Verpuppung:

    im Überwinterungs-Kokon im April bis Mitte Mai

  • Generation:

    vorwiegend eine lang fliegende erste Generation

  • Symptome:

    dunkel gefärbte Ausbohrlöcher , brauner Kot, beginnende Fäulnis

  • Schaden:

    durch Larvenfraß Verletzung der Fruchthaut und somit Entstehung von Eintrittspforten für Infektionen (Monilia-Fruchtfäule), vorzeitiges Abfallen der Früchte

Überwachung des Flugverlaufes:

Bildvergrößerung: Überwachung des Flugverlaufes:
Überwachung des Flugverlaufes:
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Lockstoff-Fallen (Pheromonfallen) dienen nur zur “Flugüberwachung” bzw. Ermittlung der Flugdichte und damit der Schwellenwerte für die Bekämpfung. Eigene Erfahrungen zeigen, dass bei 10 gefangenen Faltern in der Woche bzw. stark ansteigenden Fangzahlen Gegenmaßnahmen empfehlenswert sind.

Gegenmaßnahmen:

Bildvergrößerung: Ring aus Wellpappe
Ring aus Wellpappe
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Raupenfanggürtel (Ringe aus Wellpappe) können ab Ende Juli als ergänzende Maßnahme an den Stämmen angebracht werden. Sie bieten den abwandernden Raupen künstliche Verstecke. Um einen Schlupf der Wickler auch aus diesen Fanggürteln zu verhindern, sollten sie noch vor dem Winter von den Bäumen entfernt werden, spätestens jedoch im zeitigen Frühjahr noch vor dem Gehölzaustrieb.

Der Einsatz von Leimringen zur Reduktion der Apfelwicklerpopulation ist ungeeignet.

Auch der Einsatz von nützlichen Trichogramma-Schlupfwespen ist möglich. In der Praxis haben sich allerdings keine auffälligen Effekte bei der Reduzierung des Apfelwicklers gezeigt. Wer dennoch diesen Einsatz plant, sollte in jedem Fall im Vorfeld auf die Verwendung chemischer Präparate am Baum verzichten.

Eine Anwendung von Nematoden (biologischer Pflanzenschutz) im Herbst findet vorwiegend im Profi-Apfelanbau statt.

Bei der Bekämpfung haben sich vor allem die Apfelwickler-Granulosevirus-Präparate bewährt. Diese wirken als reine Fraßgifte über den Verdauungstrakt der Larven. Die Mittel haben nur eine Wirkungsdauer von etwa 6 bis 8 Sonnentagen. Danach ist der Wirkstoff abgebaut und eine Wiederholungsbehandlung müsste erfolgen. Besonders gut wirken sie, wenn der Spritzbrühe geringe Mengen Zucker beigemischt werden.

  • Wirkstoff:

    Apfelwickler-Granulosevirus

  • Wirkung auf:

    Eier und Larven

  • Wartezeit in Tagen:

    keine

  • Anwendungen pro Jahr:

    max. 6 x

Ein negativer Einfluss auf eine Reihe von Nützlingen, wie z.B. auf Florfliegen, Erzwespen, Spinnen und nützliche Wanzen, kann bei sachgerechter Anwendung beider Wirkstoffe ausgeschlossen werden. Bienen und Hummeln werden ebenfalls nicht geschädigt.

Monitoring

Die Apfelwickler sind wärmeliebende Schmetterlinge und der Flugverlauf ist stark abhängig vom Wetter des jeweiligen Jahres.

Die höchsten Fangzahlen wurden in dem sehr warmen und trockenen Jahr 2006 ermittelt. Im Vergleich der Mittelwerte 2005 bis 2020 liegt das Jahr 2019 mit nur 30,1 Faltern pro Falle an drittniedrigster Stelle. Die niedrigste Anzahl von nur 21,4 Apfelwicklern pro Falle wurde 2016 gefangen und stieg dann bis 2019 (52 Falter) an.

Bildvergrößerung: Auftreten des Apfelwicklers 2005 bis 2020
Auftreten des Apfelwicklers 2005 bis 2020
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Flugverlauf

Bereits in den letzten beiden Jahren standen die geringen Befallszahlen bei den wöchentlichen Leerungen der Fallen in starkem Widerspruch zu einem sehr starken Befall an den Äpfeln. So auch in 2020. In den fast reifen Äpfeln war auffällig, das viele relativ kleine und junge Apfelwicklerraupen zu finden waren und auch an Nashi-Birne konnte ein Befall festgestellt werden.

Das Fangergebnis 2020 liegt deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Die geringen Falterzahlen im Mai sind auf die eher kühlen Nächte des Monats zurückzuführen. Ebenfalls gab es um den 10.06.2020 sehr kühle Nächte („Schafskälte“) die sich auf das Fluggeschehen ausgewirkt haben. Die letzten Apfelwickler wurden Anfang September gefangen.

Bildvergrößerung: Jahreszyklus des Apfelwicklers 2020 im Vergleich zum Mittelwert
Jahreszyklus des Apfelwicklers 2020 im Vergleich zum Mittelwert
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin