Die Gründerzeitliche Berliner Mitte im 19. Jahrhundert bis 1930
In den 1830er Jahren erfolgte aufgrund des Zuzugs durch die voranschreitende Industrialisierung eine umfangreiche Umstrukturierung der Mitte. Die kleinteiligen, mittelalterlichen Stadtviertel wurden systematisch abgerissen und durch großzügigere Blockstrukturen ersetzt, unter anderem, um den Ansprüchen der wachsenden Bevölkerung an gesunde Wohnverhältnisse gerecht zu werden. Zudem wurden anstelle der Wohnhäuser große repräsentative Bauten mit öffentlichen Nutzungen errichtet, wie bis 1869 der Neubau des Berliner Rathauses (heute Rotes Rathaus) am alten Standort. Ebenfalls wurde mit der Entwicklung der Museumsinsel begonnen. Das Ensemble aus insgesamt fünf Museumsbauten wurde bis 1930 fertiggestellt.
Auf dem ehemaligen Festungsgraben wurde um 1882 die Berliner Stadtbahn in Betrieb genommen. Das dazugehörige Viadukt mit gemauerten Kreisbögen bot gleichzeitig Platz für Gewerbenutzungen. 1886 wurde der Stadtbahnhof Alexanderplatz eröffnet. Weitere Umstrukturierungen wurden zum Ende des 19. Jahrhunderts mit der Anlage von neuen und breiteren Verkehrsstraßen realisiert, welche vor allem Repräsentationsaufgaben und Verkehrsbelange in den Mittelpunkt stellten. Der Straßendurchbruch der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute: Karl-Liebknecht-Straße) ersetzte die mittelalterlichen Gassen. Dadurch wurde die Marienkirche von umliegender Bebauung teilweise freigestellt und zur Fassung des neu entstandenen Raums ein monumentales Lutherdenkmal auf dem Neuen Markt errichtet.
Im Mittelpunkt der Planungen stand die verkehrsgerechte Umgestaltung, insbesondere des Bereichs um den Mühlendamm sowie die Neustrukturierung des Alexanderplatzes. Für den Ausbau zum wichtigen Umstiegs- und Knotenpunkt wurden die Stadt- und Ringbahn durch mehrere, seit 1902 elektrifizierte Omnibus- und Straßenbahnlinien sowie den Bau von drei kreuzenden U-Bahn-Linien ergänzt. 1886 nahm mit der „Central Markt-Halle“ (später „Markthalle I“) die erste Markthalle Berlins den Betrieb auf, eine zweite folgte als Großmarkthalle (später „Markthalle Ia“) bereits 1893. Zur Jahrhundertwende eröffneten die ersten großen Warenhäuser Hahn,
Wertheim und Tietz am Alexanderplatz.
Für den von der anhaltenden Zunahme des motorisierten Individualverkehrs betroffenen Verkehrsnotenpunkt Alexanderplatz wurde 1929 ein erster beschränkter städtebaulicher Wettbewerb zu einer gesamtheitlichen Umgestaltung ausgeschrieben. Im Rahmen der Umsetzung des daraus hervorgegangenen Entwurfes der Brüder Hans und Wassili Luckhardt sowie dem Ausbau der unterirdischen U-Bahn-Anlagen, wurden die bestehenden Blockstrukturen abgerissen oder stark verändert. Zu Beginn der 1930er Jahre werden auf Grundlage eines veränderten Planes das Berolina- und Alexanderhaus durch den Architekten Peter Behrens errichtet.