Geschichte

Berlin zwischen 1250 und 1270

Das Mittelalterliche Berlin – Doppelstadt Berlin Cölln

Die Siedlungen Berlin und Cölln wurden um 1200 gegründet. Cölln, 1237 erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich am westlichen Ufer der Spreeinsel am heutigen Mühlendamm. Zu dieser Zeit wurde dort die Petrikirche errichtet. Auf der anderen Spreeseite entstand Berlin, das 1244 urkundlich erwähnt wurde, mit dem Molkenmarkt und der Nikolaikirche. Im Zuge des
ersten Stadtausbaus um 1250 wurde das Marienviertel mit der Kirche St. Marien (heute: Marienkirche) und dem Neuen Markt errichtet. Von diesem aus führte die Oderberger Straße (heute: Rathausstraße) als wichtige Handelsstraße in Richtung Oderberg und Stettin.

Berlin und Cölln an der Spree vor dero Erweiterung

Residenzstadt Berlin von Mitte des 15. Jahrhunderts bis 19. Jahrhundert

Berlin und Cölln vereinigten sich 1432 zur Doppelstadt. Mit dem Bau der Schlossanlage der Hohenzollern in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Berlin zur Residenzstadt. Der heutige Lustgarten wurde 1573 als dazugehöriger Küchengarten angelegt. Das Schloss bildete fortan den Schwerpunkt der Gesamtstadt, weitere barocke Stadterweiterungen orientierten sich nach Westen. Die mittelalterlichen Quartiere verloren an Bedeutung und der bestehende Stadtgrundriss wurde vom feudalen Repräsentationsbedürfnis überlagert.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erfolgte die Anlage einer Festungsmauer, die an der Spree durch den Ober- und Unterbaum als hölzerne Sperren für die Durchfahrt von Schiffen ergänzt wurde. Die Straße Unter den Linden, die bis dato als Reitweg des Kurfürsten zwischen Schloss und Tiergarten gedient hatte, wurde 1647 befestigt und bis zum Ende des
18. Jahrhunderts zu einer repräsentativen Prachtstraße ausgebaut. Der Oberbaum wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch eine Holzbrücke ersetzt, die 1770 den Namen Waisenbrücke erhielt, nach dem nahegelegenen Waisenhaus Großes Friedrich-Hospital. Zwischen 1894 und 1905 wurde am Rande des Lustgartens, der zwischenzeitlich als Exerzierplatz genutzt wurde, der Berliner Dom erbaut.

Berlin um 1690

Die Gründerzeitliche Berliner Mitte im 19. Jahrhundert bis 1930

In den 1830er Jahren erfolgte aufgrund des Zuzugs durch die voranschreitende Industrialisierung eine umfangreiche Umstrukturierung der Mitte. Die kleinteiligen, mittelalterlichen Stadtviertel wurden systematisch abgerissen und durch großzügigere Blockstrukturen ersetzt, unter anderem, um den Ansprüchen der wachsenden Bevölkerung an gesunde Wohnverhältnisse gerecht zu werden. Zudem wurden anstelle der Wohnhäuser große repräsentative Bauten mit öffentlichen Nutzungen errichtet, wie bis 1869 der Neubau des Berliner Rathauses (heute Rotes Rathaus) am alten Standort. Ebenfalls wurde mit der Entwicklung der Museumsinsel begonnen. Das Ensemble aus insgesamt fünf Museumsbauten wurde bis 1930 fertiggestellt.

Auf dem ehemaligen Festungsgraben wurde um 1882 die Berliner Stadtbahn in Betrieb genommen. Das dazugehörige Viadukt mit gemauerten Kreisbögen bot gleichzeitig Platz für Gewerbenutzungen. 1886 wurde der Stadtbahnhof Alexanderplatz eröffnet. Weitere Umstrukturierungen wurden zum Ende des 19. Jahrhunderts mit der Anlage von neuen und breiteren Verkehrsstraßen realisiert, welche vor allem Repräsentationsaufgaben und Verkehrsbelange in den Mittelpunkt stellten. Der Straßendurchbruch der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute: Karl-Liebknecht-Straße) ersetzte die mittelalterlichen Gassen. Dadurch wurde die Marienkirche von umliegender Bebauung teilweise freigestellt und zur Fassung des neu entstandenen Raums ein monumentales Lutherdenkmal auf dem Neuen Markt errichtet.

Im Mittelpunkt der Planungen stand die verkehrsgerechte Umgestaltung, insbesondere des Bereichs um den Mühlendamm sowie die Neustrukturierung des Alexanderplatzes. Für den Ausbau zum wichtigen Umstiegs- und Knotenpunkt wurden die Stadt- und Ringbahn durch mehrere, seit 1902 elektrifizierte Omnibus- und Straßenbahnlinien sowie den Bau von drei kreuzenden U-Bahn-Linien ergänzt. 1886 nahm mit der „Central Markt-Halle“ (später „Markthalle I“) die erste Markthalle Berlins den Betrieb auf, eine zweite folgte als Großmarkthalle (später „Markthalle Ia“) bereits 1893. Zur Jahrhundertwende eröffneten die ersten großen Warenhäuser Hahn,
Wertheim und Tietz am Alexanderplatz.

Für den von der anhaltenden Zunahme des motorisierten Individualverkehrs betroffenen Verkehrsnotenpunkt Alexanderplatz wurde 1929 ein erster beschränkter städtebaulicher Wettbewerb zu einer gesamtheitlichen Umgestaltung ausgeschrieben. Im Rahmen der Umsetzung des daraus hervorgegangenen Entwurfes der Brüder Hans und Wassili Luckhardt sowie dem Ausbau der unterirdischen U-Bahn-Anlagen, wurden die bestehenden Blockstrukturen abgerissen oder stark verändert. Zu Beginn der 1930er Jahre werden auf Grundlage eines veränderten Planes das Berolina- und Alexanderhaus durch den Architekten Peter Behrens errichtet.

Schwarzplan Berlin 1940

Die Berliner Mitte in der Zeit des Nationalsozialismus

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Planungen für die „Reichshauptstadt Germania“ begonnen und auf deren Grundlage der Umbau der historischen Mitte vorbereitet. Dazu gehörten unter anderem die Verbreiterung der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Karl-LiebknechtStraße) und umfassende Gebäudeabrisse in der gesamten historischen Altstadt. Am Molkenmarkt sollten repräsentative Verwaltungsbauten um ein „Stadtforum“ in Form einer großen Freifläche errichtet werden. Dazu erfolgte 1937 der Abriss der Blockstrukturen vor dem Alten Stadthaus. Das Neue Stadthaus wurde 1938 als städtische Feuersozietät eröffnet.

Schwarzplan Berlin 1989

Das Sozialistische Zentrum der Hauptstadt der DDR

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren etwa 80 Prozent der Bausubstanz im Bereich der Berliner Mitte zerstört und eine zusammenhängende Stadtstruktur nicht mehr vorhanden. Das Areal stellte für die 1949 gegründete DDR den zentralen Bereich für ihre neue Hauptstadt dar. Es folgten weitere Flächen- und Teilabrisse, wie die Sprengung der Überreste des Stadtschlosses zu Beginn der 1950er Jahre, um eine grundlegende Neustrukturierung nach sozialistischem Vorbild vornehmen zu können.

Dazu gehörte eine „Zentrale Achse“ als zusammenhängendes städtebauliches Band von der Karl-Marx-Allee über den Alexanderplatz, die Schlossinsel und die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor als wichtigstes Motiv der Hauptstadtplanung. Der Fernsehturm (1965-69), geplant als weithin sichtbares Wahrzeichen, sowie die Grün- und Freifläche zwischen Fernsehturm und Spree (1972-73) bildeten einen weiteren Abschnitt. 1969 wurden auf der Freifläche des Alexanderplatzes der Brunnen der Völkerfreundschaft und der Neptunbrunnen zwischen Fernsehturm und Rotem Rathaus errichtet, vor dem Alexanderhaus entstand die Urania-Weltzeituhr. Das Umfeld des Fernsehturms wurde durch den Bau der beiden Wohnscheiben an der Rathausstraße und der Karl-Liebknecht-Straße, die Ladenzonen, Passagen und Terrassengärten enthalten, baulich gefasst. Eine neue Markthalle sowie eine Großgaststätte ergänzten mit dem Centrum Warenhaus am Alexanderplatz den Ausbau zu einem sozialistischen Zentrum.

1973 wurde auf den Flächen zwischen Spandauer Straße und Spree ein Grünraum mit lockerer hainartiger Gestaltung angelegt. Mit der Aufstellung des Marx-Engels-Denkmals wurde die Freifläche Marx-Engels-Forum benannt. Auf der anderen Seite des Spreekanals wurden 1964 das Staatsratsgebäude sowie das Außenministerium der DDR als zentrale politische Orte eröffnet. Am Standort des ehemaligen Stadtschlosses wurde bis 1976 der Palast der Republik errichtet.

Das Nikolaiviertel wurde in den 1980er Jahren als Ergebnis eines Wettbewerbes als historisierendes Wohnviertel mit Gassen und Plätzen in Anlehnung an die Bebauung und des Stadtgrundrisses des 17. und 18. Jahrhunderts wiederaufgebaut. Zwischen 1969 und 1973 wurde das Wohngebiet Fischerinsel auf der südlichen Spreeinsel errichtet. Es entstanden sechs Hochhäuser, eine Schwimmhalle und die Großgaststätte Ahornblatt.

Schwarzplan Berlin 2001

Die Mitte im Wiedervereinten Berlin

Im Jahr 1993 wurde ein internationaler städtebaulicher Ideenwettbewerb für die Aufwertung des Alexanderplatzes und seiner Umgebung ausgeschrieben. Der überarbeitete Siegerentwurf von Hans Kollhoff und Helga Timmermann, der Masterplan Alexanderplatz, sah den Neubau von zehn Hochhäusern vor, die Bestandsbebauung sollte weitgehend abgerissen werden. Im Jahr 1996 wurde die erste Variante des Planwerk Innenstadt mit dem Leitbild und Ziel der kritischen Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses vorgestellt. In einer Anpassung im Jahre 1999 wurde unter anderem auf die geplante Bebauung des Rathaus- und Marx-Engels-Forum verzichtet und der Erhalt als begrünte öffentliche Freifläche festgelegt.

In den Jahren 1999/2000 wurde eine internationale Kommission „Historische Mitte Berlin“ durch die Bundesregierung und den Senat eingerichtet. Nach umfangreichen Debatten wurde auf dieser Basis der Palast der Republik 2006-2008 abgerissen. An seiner Stelle und am Standort des ehemaligen Schlosses wurde bis 2020 das Humboldt Forum errichtet.

Seit Beginn der 2000er Jahre wurde der Alexanderplatz als Standort für Einzelhandel gestärkt, in dem unter anderem das Warenhaus Galeria Kaufhof ausgebaut und das Shopping-Center ALEXA zwischen Gruner- und Alexanderstraße errichtet wurde. 2009 begannen die Bauarbeiten zur Verlängerung der U-Bahnlinie 5, die mit zwei neuen Stationen im Bereich der Berliner Mitte im Jahr 2020 in Betrieb genommen werden konnte. Um eine gesamtheitliche Betrachtung und Weiterentwicklung der Berliner Mitte voranzutreiben, fand zwischen 2015 bis 2021 eine öffentliche Stadtdebatte statt, mit deren Abschluss gemeinsame Leitlinien für die Zukunft formuliert wurden.