Queerinnert – Community Building in Ost-Berlin von LGBTQIA+ Zeitzeug*innen erzählt

Queere Menschen können heute in Berlin aus einer Vielfalt an Angeboten, Räumen und Strukturen wählen: Vereine und Initiativen, politische Gruppen, Beratungsstellen, selbstorganisierte Fürsorge- und Unterstützungsnetzwerke, Kulturorte, Partys, Cafés und mehr. Was heute selbstverständlich oder zumindest selbstverständlich zugänglich erscheint, ist jedoch keineswegs vom Himmel gefallen. Diese Räume sind das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe, Organisierung und gegenseitiger Unterstützung. Sie wurden aufgebaut, gegen Widerstände verteidigt, immer wieder verändert und an neue Bedürfnisse und gesellschaftliche Bedingungen angepasst.

Dabei lohnt es sich, genauer hinzusehen: Wer hat diese Räume geschaffen? Wer wurde gehört, wer blieb unsichtbar? Wer konnte politische Arbeit leisten, weil andere die notwendige Sorgearbeit übernahmen? Welche Perspektiven wurden in Bewegungen marginalisiert – und welche Geschichten drohen bis heute verloren zu gehen? Und was braucht es, damit diese Räume auch in Zukunft bestehen können?

Im Osten Berlins vor 1990 war die Situation eine andere als in Westberlin: Queere Personen in der DDR mussten ohne Schutz von Bürgerrechten, ohne Repräsentanz in der Öffentlichkeit und ohne öffentliche Treffpunkte auskommen. Die homosexuelle Szene in Berlin bzw. in der DDR war wie eine geheime Parallelwelt, zu der erst ein Einstieg gefunden werden musste. Die Selbstbezeichnung als schwul, lesbisch oder transgeschlechtlich war bereits ein mutiger Akt der Selbstermächtigung. Alle Versuche, homosexuelle Gruppe zu institutionalisieren, um sichtbarer zu werden, scheiterten jedoch. Trotzdem gab es in den 1970ern und 1980ern Räume, illegalisierte Orte, Gruppen, Publikationen und Veranstaltungen für Begegnung, Austausch und zum Kennenlernen und Spaß haben.

Wir möchten den Menschen zuhören, die queere Räume und politische Bewegungen mit aufgebaut, geprägt und verändert haben, und mit ihnen darüber sprechen, was wir aus diesen Erfahrungen lernen können. In einem intergenerationalen Austausch möchten wir unterschiedliche Erfahrungen miteinander ins Gespräch bringen: Was hat sich verändert? Was wurde erreicht? Welche Konflikte kehren in neuer Form wieder? Welche Erfahrungen und Strategien älterer Generationen können heute noch hilfreich sein – und wo braucht es bewusst neue Antworten? Und nicht zuletzt: Wie können wir verhindern, dass erkämpfte Räume als selbstverständlich betrachtet werden, obwohl ihre Existenz immer wieder von gesellschaftlichen und politischen Veränderungen abhängig ist?

Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, gemeinsam zuzuhören, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung versteht sich als Einladung, queere Geschichte nicht nur als Vergangenheit zu betrachten, sondern als Teil einer Gegenwart, die wir gemeinsam gestalten – und als Verantwortung dafür, welche Räume und Möglichkeiten zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen.

Wir freuen uns auf einen Abend des Erinnerns, Fragens, Zuhörens und gemeinsamen Weiterdenkens in der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda.

Mitwirkende:

  • Samirah Kenawi, Tischlerin und Diplom-Ingenieurin, Aktivistin in der unabhängigen Frauen- und Lesbenbewegung in der DDR, Gründerin der GrauZone (Archiv der DDR Frauen- und Lesbenbewegung) und ehemalige Leiterin des Berliner Büros des Unabhängigen Frauenverbandes (UFV)
  • Peter Rausch, Diplom Ingenieur und Hochschuldozent, Gründer der Homosexuellen Interessensgemeinschaft Ost-Berlin (HIB), aktives Mitglied im Sonntagsclub
  • Nadja Schallenberg, Trans*Menschenrechtlerin & politische Aktivistin, Gründerin der ersten & einzigen Interessengemeinschaft für Transvestiten & Transsexuelle in der DDR, Ehrenmitglied im Sonntagsclub, mehrfach für transpolitische Arbeit ausgezeichnet.

Es moderiert Barbara Wallbraun.

Kooperationspartner: Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg in Kooperation mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Projekt „Archiv der anderen Erinnerungen“)

Die Teilnahme ist nach Online-Anmeldung unter diesem Link entgeltfrei.

Kategorien: Bildung, Schule

Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg

Veranstaltungsort

Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda
Frankfurter Allee 14A
10247 Berlin
Rollstuhlgerecht WC nach DIN 18024 Fahrstuhl vorhanden

Veranstalter

Berliner Landeszentrale für politische Bildung, Standort Revaler Straße
Revaler Str. 29
10245 Berlin

Termin

  • 13.11.2026 um 18:00 - 19:30 Uhr

Kontakt

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