Gesellschaftskritische Perspektiven auf Antisemitismus und politische Bildung

Buchvorstellung des Sammelbands „Grenzen der Erfahrung. Gesellschaftskritische Perspektiven auf Antisemitismus und Bildung“, hg. von H. Gutfleisch (Berlin/Mainz), A. Hermert (Aachen), E. Rajal (Passau/Wien), K.E. Schubert (Berlin) und V. Walter (Bielefeld), angekündigt für April 2026 im Wochenschau Verlag

Trotz der langen Tradition Antisemitismuskritik explizit als integraler Bestandteil einer kritischen Theorie der Gesellschaft zu begreifen und dementsprechend auch die pädagogische Arbeit gegen Antisemitismus kritisch und politisch auszurichten, hat in den letzten zwei Jahrzehnten unter dem Verständnis von Prävention die Bearbeitung von Antisemitismus zunehmend eine sicherheitslogische und zum Teil selbst autoritäre Ausrichtung erhalten. Dies bleibt nicht ohne Folgen.
Auch wenn solche Ansätze vordergründig temporär erfolgreich sein können, besteht die Möglichkeit, dass latenter Antisemitismus in einer defensiv ausgerichteten oder gar angstbesetzten Atmosphäre zwar nicht mehr geäußert wird, sich aber so der Bearbeitung entzieht. Insbesondere kollektive Zuschreibungen und nicht-nachvollziehbare Sanktionen verstellen Lernmöglichkeiten und rufen Abwehr hervor, was Antisemitismus eher verstärken dürfte. Zudem bleiben die strukturellen Ursachen und die gesellschaftliche Verwobenheit von Antisemitismus mit Herrschaftsverhältnissen in einer solchen „unpolitischen“ Antisemitismusbearbeitung unsichtbar.
Andererseits führt eine Orientierung an Gesellschaftskritik nicht automatisch zu einer erfolgreichen Bildung gegen Antisemitismus, vor allem dann, wenn sie oberflächlich bleibt und so die Gefahr besteht, Verschwörungserzählungen und antisemitische Stereotype zu bedienen.
Zu fragen ist also, welche Kritik benötigt wird und was Akteur:innen benötigen, um kritische Pädagogik gegen Antisemitismus umzusetzen. Aufzeigen lässt sich die Problematik u.a. am Themenkomplex Nahostkonflikt unter dem Stichwort „Staatsräson“. Der vorgestellte Band geht allerdings allgemeiner auf das Thema Antisemitismuskritik ein, z.B. im Erinnerungsdiskurs, wo sich ebenfalls Entpolitisierungs- wie auch Politisierungstendenzen zeigen, die kritisch zu reflektieren wären.

Die Teilnahme ist nach Online-Anmeldung (siehe Link "Homepage" unter "Weitere Informationen") entgeltfrei.

Kategorien: Bildung, Schule, Lesungen, Vorträge

Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg

Veranstaltungsort

Berliner Landeszentrale für politische Bildung – Besuchszentrum Ostkreuz
Revaler Straße 29
10245 Berlin

Veranstalter

Berliner Landeszentrale für politische Bildung
Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin

Termin

  • 10.06.2026 um 18:30 - 20:30 Uhr

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