"The night before I entered the occupied territories, I saw a speech on TV by the government and military leaders. They had decided that we would contribute even more to GDP if we didn’t just consume robotic vacuum cleaners on the battlefield, but also cruise missiles. The battlefield where we slaughtered each other for land, mineral resources, power, borders. Stuff." Sibylle Berg's new play is set in a future that feels unsettlingly like our present. When war breaks out in Europe between Liechtenstein and Luxemburg and is made mobile, an engineer who has also been drafted for military service slowly realises: maybe it was never possible to reconcile his queerness with his job in the arms industry after all. Sheltering somewhere from the nearby detonations, he starts researching: exploring the texture of thought that’s meant to be our world. Sibylle Berg's play is a tender monologue about the despair at our present times, whose discourses rotate incessantly like an idling engine – and about the fear of the returning militarisation of our society. Inspired by the photography field work of Canadian artist Jeff Wall, Sibylle Berg takes her place on the fault lines of our times. With music. And a little silence.After "RCE" and "Es kann doch nur noch besser werden" ("Things Can Only Get Better"), "Ein Wenig Licht. Und diese Ruhe." ("A Little Light. And All This Silence.") will be the third play by Sibylle Berg performed at the Berliner Ensemble. The young director Dennis Nolden – who was an assistant director at the BE until the 2024/25 season – will stage Sibylle Berg's monologue as a solo with Peter Moltzen.
Artists/Collaborators: Von Sibylle Berg (Autor/in), Gabriel Schneider, Dennis Nolden, Janina Kuhlmann, Frédéric Dautier, Lukas Nowak
Runtime: Fri, 24/04/2026 to Thu, 04/06/2026
Sibylle Bergs Stück spielt in einer Welt, die sich beunruhigend wie die unsere anfühlt. Ein Krieg bricht aus in Europa. In der bergschen Welt ist es ein Krieg zwischen Liechtenstein und Luxemburg ... Als dann mobil gemacht wird, dämmert es auch einem zum Wehrdienst eingezogenen nerdig herumboomernden Ingenieur: Vielleicht stand die eigene Queerness nie in Einklang mit dem Job in der Rüstungsin dustrie. Er, der an der Entwicklung autonomer Drohnen beteiligt war, soll nun auf einmal selbst an die Front. Der Glaube an das eigene wertegeleitete Weltbild, die Liebe zur mathematischen Präzision in der Technologie, die Freiheit, die er zu finden hoffte, in der Mechanik, den Schaltkreisen, in der Logik von Bits und Bytes, Ohm und Ampere – all das bleibt angesichts einer drohenden Realität im Morast des Schützengrabens stecken.Irgendwo im Schutz vor den nächsten Detonationen beginnt der Ingenieur zu forschen: nach der Textur des Denkens, die unsere Welt sein soll. Die Angst vor dem Krieg, aber auch: die existenzielle Einsamkeit eines ganz konkreten Menschen trifft auf leere Worte; der Wunsch nach Verbindung auf die Buzzwords einer Gegenwart, die kein Zuhause bieten."Ein wenig Licht. Und diese Ruhe." spielt in einem Bunker, in einem Keller und auf einer Ausgrabungsstätte. Aber auch in einer Ausstellung. Einer Ausstellung des Innenraums unseres Denkens. Neun Begriffe gräbt Sibylle Berg in ihrem Bühnenessay aus. In ihrem unverwechselbaren assoziativ-sprunghaften und liebevoll-zynischen Stil befragt sie diese auf ihre Bedeutung – und auf ihre ideologische Neubesetzung und die Umkehrung ihres ehemaligen Sinns. Denn einen Sinn kann Sibylle Bergs Figur in unserer Zeit nicht finden. Ihr Stück ist ein Monolog über die Verzweiflung an unserer Gegenwart – einer Gegenwart, deren Diskurse wie ein Motor im Leerlauf vor sich hin rotieren – und auch über die Angst vor der wiederkehrenden Militarisierung unserer Gesellschaft. Man muss ihren Text nicht als konkreten Kommentar auf die politische Debatte um die Reform der Wehrpflicht lesen. Stattdessen kann man ihr Stück auch als einen Versuch verstehen, Einsamkeit und Verzweiflung in der Kunst aufzuheben. Für einen Abend. Mit Musik. Und ein bisschen Stille.Von Lukas Nowak