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Zwischen Propaganda und Erinnerung: Reinhold Huhn, Egon Schultz und die Frage nach Gerechtigkeit

Ein Vortrag von Dietmar Arnold (Berliner Unterwelten e.V.) im Rahmen von „Umbenennen?!“

Dietmar Arnold (Berliner Unterwelten e.V.) – Portraitfotografie von Dietmar Arnold.

Dietmar Arnold (Berliner Unterwelten e.V.) – Portraitfotografie von Dietmar Arnold.

„Beides mal hat ein ganz junger Mensch sein Leben verloren, und deswegen hätte man durchaus darüber nachdenken können, ob man nicht den Namen Egon-Schultz-Straße aufgrund der Ereignisse beibehält, genau wie Reinhold-Huhn-Straße auch.“ - Dietmar Arnold

Zwischen 1948 und 1989 kamen in Berlin insgesamt acht DDR-Grenzsoldaten im Dienst ums Leben, zumeist im Zusammenhang mit Fluchtversuchen. In der DDR wurden viele von ihnen zu Helden stilisiert: Straßen, Schulen und andere öffentliche Gebäude erhielten ihre Namen, und ihr Tod wurde als gezielter Mord der bundesdeutschen Regierung dargestellt.

Einer dieser Grenzsoldaten war Reinhold Huhn (1942–1962). Im Juni 1962 wurde Huhn im Zuge der Tunnelflucht der Familie Müller von Rudolf Müller erschossen. Ende der 1990er-Jahre wurde Müller zunächst wegen Totschlags verurteilt, in einem Berufungsverfahren im Jahr 2000 schließlich wegen Mordes schuldig gesprochen und zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Das Gericht verwies dabei auf die „überragende Bedeutung des Rechtsgutes Leben“.

Egon Schultz (1943–1964) kam während eines Schusswechsels mit Fluchthelfern ums Leben, versehentlich getroffen durch die Schüsse eines Kollegen. Obwohl dies bekannt war, lastete die SED-Regierung Schultz’ Tod jahrzehntelang den West-Berliner Fluchthelfern als heimtückischen Mord an. Sein mutmaßlicher Mörder erfuhr nie, dass der tödliche Schuss nicht von ihm stammte.

Am 12. August 1966 wurden die Strelitzer Straße und die Schützenstraße in Egon-Schultz-Straße und Reinhold-Huhn-Straße umbenannt. Nach der Wiedervereinigung sollten vor allem „aus der Zeit von 1945 bis 1989 stammende Straßennamen nach aktiven Gegnern der Demokratie und Verfechtern der stalinistischen Gewaltherrschaft, des DDR-Regimes und anderer kommunistischer Unrechtsregime“ beseitigt werden. Auch die nach den getöteten Grenzsoldaten benannten Straßen wurden rückbenannt.

Dietmar Arnold, Vorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten e.V., spricht über die Ereignisse, die zum Tod der beiden Grenzsoldaten führten, und ordnet sowohl die Umbenennungen von 1966 als auch die Rückbenennungen historisch ein.

Preisinformationen: Der Eintritt ist frei, es ist keine Anmeldung erforderlich.

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