In Jchj Vé Dussels und Boris Celestes Romanen erscheinen Identitäten nicht als stabile Größe, sondern als fließender, offener Prozess, der Sprache, Wahrnehmung und Körper gleichermaßen durchdringt.
In »Aus dem schlafenden Vulkan ausbrechen« (2022) erzählt Jchj Vé Dussel von Kopjas Aufwachsen in einem provinziellen Deutschland, das geprägt ist von Mobbing, Erniedrigungen und Körperfeindlichkeit. Gewalt, Begehren und der wachsende Drang nach Selbstbestimmung formen eine Sprache, die sich gegen binäre Geschlechterordnungen zu behaupten versucht. In »Klosterberg« (2025) erzählt Boris Celeste den Neuanfang der traumatisierten Erzählfigur in einem Kloster. Zwischen Angst und Begehren entfaltet sich eine Erzählung, die die Konturen von Innen und Außen, von Raum, Zeit und den Figuren entgrenzt.
Im Wechsel aus Lesung und Gespräch erkunden beide Autor*innen, was nichtbinäres Schreiben bedeuten kann: als Thema, Haltung und poetisches Prinzip. Wie verändern sich Perspektive und Sprache über Körper und Begehren, wenn Identität nicht fixiert, sondern in Bewegung gedacht wird?
Boris Celeste (vormals Boris Hoge-Benteler), 1979 in Marburg geboren, studierte Germanistik, Italianistik und Geschichte in Berlin und Wien und promovierte in Münster. Seither lebt und schreibt Boris Celeste zwischen Weimar und Berlin und erkundet Sprach- und Wahrnehmungsräume, die Identitäten nicht festschreiben, sondern öffnen. Nach den Romanen »Sonnenstadt« (2022) und »Liebe Dunkelheit« (2023) erschien 2025 »Klosterberg«. Boris Celeste ist Stipendiat*in der Kulturstiftung Thüringen und arbeitet derzeit an einem vierten Roman.
Jchj Vé Dussel arbeitet als Autorj, Performer*in, Clown, Songwriter und Regie, in der freien Szene und an Stadttheatern, zuletzt am Schauspielhaus Zürich und Staatstheater Nürnberg. 2022 erschien das Romandebüt »aus dem schlafenden Vulkan ausbrechen« im Luftschacht Verlag und Jchjs Text »Drei Frauen im Meeresspiegel der Post-Apokalypse« wurde auf die Shortlist des Theatertreffens der Berliner Festspiele gewählt. 2024 zeichnete das Berlin Indie Film Festival Jchjs Musical »Faggot for Future« als Best Feature Film aus. Jchj lebt in Berlin.