In dieser zweiteiligen Ausgabe unserer Reihe „Macht kritisch(es) Theater“ sprechen wir über die affektiven Strategien des Autoritarismus und mögliche Gegenstrategien im Theater, auf Festivals, in der Kunst. Zwei Formate – Workshop und Panel-Diskussion – laden zu einem Erfahrungsaustausch darüber ein, wie wir auf und hinter der Bühne handlungsmächtig werden können.
Nationalistische, militaristische, antifeministische, antisemitische, rassistische und koloniale Weltbilder haben wieder Aufwind. Demokratien weltweit – und auch hier in Deutschland – stehen unter Druck. Wir erleben eine gesellschaftliche Verschiebung ins Autoritäre, die auch vor der Kunstfreiheit nicht halt macht und versucht, Diskursräume zu polarisieren oder ganz zu schließen. Autoritarismus funktioniert eher auf der Gefühlsebene als auf der Ebene der Argumente. Wie können wir autoritären Affekten entgegenwirken? Bisher verlässt sich der demokratische Diskurs zumeist und aus guten Gründen auf rationale Argumente. Doch Fakten allein scheinen gegen emotionalisierende Narrative und die Macht der Gefühle derzeit kaum noch anzukommen. Im politischen Theater wissen wir, dass sich demokratisches Engagement auch aus ästhetischen und Empathie stiftenden Schlüsselerfahrungen speist.
Bei einem Workshop (auf deutsch) und auf einer anschließenden Paneldiskussion (auf Englisch) wollen wir theatrale und künstlerische Strategien kartieren, die den autoritären Versprechungen dort begegnen, wo sie am stärksten wirken: der emotionalen und affektiven Ebene.
Auf der Paneldiskussion sprechen wir mit der Dokumentarfilmerin Aylin Kuryel und der Kuratorin Kathrin Dröppelmann darüber, warum rechtspopulistische Erzählungen emotional so gut funktionieren und das Erstarken antidemokratischer Kräfte in Deutschland und global vorantreiben. Außerdem wollen wir mit ihnen und euch diskutieren, welche Gegenstrategien es derzeit in der freien Szene und in der Kunst gibt, u.a. auf (politischen) Theater- und Musik-Festivals. Moderation: Aurel Eschmann