„Wenn ich einen Menschen zum Symbol mache, dann beschneide ich ihn um alle Menschlichkeit – und Menschlichkeit bedeutet, dass er auch widersprüchlich ist." – Ilja Niederkirchner
1943 sprang Käthe Niederkirchner aus einem sowjetischen Flugzeug über dem von Deutschland besetzten Polen ab – als Fallschirmagentin mit dem Auftrag, in Berlin Kontakt zu Kommunist*innen aufzunehmen. Sie wurde entdeckt und im September 1944 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück ermordet. In der DDR wurde sie zur Ikone des antifaschistischen Widerstands. 1951 erhielt die Prinz-Albrecht-Straße in Mitte ihren Namen.
Doch was bleibt von einem Menschen, wenn er zum Symbol wird?
Ilja Niederkirchner, Fotograf und Großneffe von Käthe Niederkirchner, nähert sich dieser Frage aus einer ungewöhnlichen Perspektive: als Nachkomme, als Künstler, als jemand, der die eigene Familiengeschichte zum Gegenstand seiner Recherche gemacht hat. Er bringt historische Familienfotos mit und wirft einen Blick auf die Gedenksteine, Gedenktafeln und Schulen, die Käthes Namen tragen – und auf das Bild von ihr, das dabei entsteht und was es verdeckt.
Der Abend gliedert sich in drei Teile: den Gedenkkult und seine Symbolik im Verhältnis zur tatsächlichen Biografie, die Frage nach der Person Käthe Niederkirchner, und schließlich Iljas künstlerische Auseinandersetzung mit dem Erbe seiner Familie.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt und ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung Umbenennen?! Berlins Straßennamen und ihre Geschichte.
Der Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich.