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Politikwissenschaftler Michael Zürn erhält Berliner Wissenschaftspreis 2021, der Nachwuchspreis 2021 geht an die Theologin Mira Sievers

Pressemitteilung vom 05.11.2021

Prof. Dr. Michael Zürn - Wissenschaftspreisträger 2021

Prof. Dr. Michael Zürn, Wissenschaftspreisträger 2021

Der Berliner Wissenschaftspreis 2021 geht an den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Michael Zürn vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). In der Kategorie für herausragende Nachwuchswissenschaftler:innen wird die Theologin Prof. Dr. Mira Sievers ausgezeichnet. Sie forscht und lehrt als Juniorprofessorin am Berliner Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die wichtigste Wissenschaftsauszeichnung des Landes Berlin wurde dem Preisträger und der Nachwuchspreisträgerin vom Regierenden Bürgermeister, Michael Müller, am Freitagabend bei einer feierlichen Zeremonie in der Urania Berlin verliehen.

Prof. Dr. Michael Zürn ist Direktor der Abteilung Global Governance am WZB und Professor für Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin. Er gilt als einer der profiliertesten deutschen Politikwissenschaftler mit hoher internationaler Sichtbarkeit. Er wird für seine herausragende Forschungsarbeit zur Analyse internationaler Beziehungen und für seinen Beitrag zur Weiterentwicklung des Berliner Wissenschaftsstandortes ausgezeichnet.

Prof. Dr. Mira Sievers lehrt und forscht seit 2020 an dem neu gegründeten Berliner Institut für Islamische Theologie. Die Juniorprofessorin für Islamische Glaubensgrundlagen, Philosophie und Ethik wird für ihre innovativen Forschungsansätze sowie die integrative Konzeption ihrer Forschungsfelder ausgezeichnet.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, erklärt: „Ich freue mich, heute wieder zwei herausragende Persönlichkeiten mit dem Berliner Wissenschaftspreis auszuzeichnen. Auch wenn sie sich in unterschiedlichen Phasen ihrer Forschungskarriere befinden, stehen beide für eine Wissenschaft, die hohe gesellschaftliche Relevanz hat, wichtige Impulse setzt, und unsere Stadt im wahrsten Sinne bewegt. Michael Zürn gehört zu den renommiertesten Politikwissenschaftlern unseres Landes. Sein Name steht für die exzellente Berliner Politikwissenschaft, die er als Brückenbauer engagiert und ideenreich mitgestaltet. Die Fähigkeit zum Brückenbauen in der Theorie und in der Praxis zeichnet auch die diesjährige Nachwuchspreisträgerin Mira Sievers aus. Als Professorin am noch jungen Institut für Islamische Theologie betritt sie mit ihren Forschungsthemen rund um Religion und Ethik vielfach wissenschaftliches Neuland und fördert dabei den Dialog mit den christlichen und jüdischen Theologien. Mit ihrer Arbeit zeigen beide Preiträger:innen eindrücklich, wie stark die Berliner Wissenschaft ist und darauf kann unsere Stadt zurecht stolz sein. Ich gratuliere Michael Zürn und Mira Sievers ganz herzlich und wünsche ihnen für ihre weitere Arbeit viel Erfolg.“

Prof. Dr. Daniela Schwarzer, Executive Director Europe and Eurasia der Open Society Foundations, würdigt den Wissenschaftspreisträger in ihrer Laudatio und erklärt: „Professor Michael Zürn ist einer der profiliertesten, wenn nicht der profilierteste deutsche Politikwissenschaftler. Aus der Berliner Forschungslandschaft nicht mehr wegzudenken, hat er sich mit der Gründung, Begleitung und Weiterentwicklung verschiedener Einrichtungen zu einem sehr wichtigen Förderer und Forderer des Wissenschafts- und Lehrstandorts Berlin gemacht. Mit der von ihm entwickelten Theorie der Global Governance hat er die Analyse internationaler Beziehungen weiterentwickelt. Er erforscht Politisierungsprozesse und Legitimationen internationaler Organisationen und deren Wechselwirkung mit nationaler Politik, vor allem auch mit Blick auf Fragen demokratischen Regierens.

Prof. Michael Zürn trägt mit seinem neuesten Buch zu einer der wichtigsten politischen Debatten unserer Zeit bei: Der Zukunft von Demokratien. Gemeinsam mit Achim Schäfer untersucht er die „Demokratische Regression“, die sich auch im Herzen der Europäischen Union vollzieht. Der Fokus liegt auf einem Problem der Demokratie, das noch zu wenig Beachtung gefunden hat: dem schrumpfenden Raum für demokratische Entscheidungen auf der Ebene des Nationalstaats. Die Autoren blicken dabei nicht nur auf Staaten wie Polen und Ungarn, in denen autoritäre Regierungen Demokratie Schritt für Schritt abbauen, sondern auch in das Innere konsolidierter Demokratien wie Deutschland, Österreich und Frankreich. Ihre Warnung: Unter anderem die Stärkung der Exekutive in Krisenzeiten kann demokratische Prozesse und das Gefühl der Bürgerinnen und Bürger, nicht richtig vertreten zu werden, schwächen. Populistisch-autokratische Politiker stehen bereit, um diese Situation in ihrem Sinne auszuschlachten.“

Prof. Dr. Mira Sievers - Nachwuchspreisträgerin 2021

Prof. Dr. Mira Sievers, Nachwuchspreisträgerin 2021

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademien der Wissenschaften, hält die Laudatio auf die Nachwuchspreisträgerin und erklärt: „Mira Sievers beeindruckt durch den weiten Horizont ihrer Forschungen: Sie beschäftigt sich philologisch wie historisch mit Texten des Qur’an und ihren Entstehungskontexten, aber auch mit einer feministischen Re-Lecture der klassischen Tradition und die Frage, wie sie bei aktuellen ethischen Problemen zu orientieren vermag. Damit gehört sie weltweit zu den bedeutendsten jüngeren islamischen Theolog:innen, die das Fach an Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen auch hierzulande ganz neu profilieren. Auf diese Weise leistet sie aber auch einen nicht zu überschätzenden Beitrag zum Frieden zwischen den Religionen und damit zum sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Berlin kann sich glücklich schätzen, diese höhst anregende junge Wissenschaftlerin gewonnen zu haben!“

Der Preisträger und die Preisträgerin wurden im Oktober 2021 von einer hochkarätigen Jury ausgewählt. Der Berliner Wissenschaftspreis ist mit 40.000 Euro dotiert und ehrt herausragende Forschungsleistungen, die in der Hauptstadt entstanden sind. Das Preisgeld erhält die Institution des Preisträgers. Der mit 10.000 Euro dotierte Nachwuchspreis geht an die Preisträgerin selbst und würdigt einen besonders innovativen Forschungsansatz in einem Berliner Zukunftsfeld. Der Berliner Wissenschaftspreis wird seit 2008 jährlich durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin vergeben.

Lebensläufe

Prof. Dr. Michael Zürn ist seit 2004 Direktor der Abteilung Global Governance am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professor für Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin. Er hat Internationale Beziehungen an der University of Denver in den USA studiert sowie Politikwissenschaft und Germanistik an der Universität Tübingen, wo er 1991 auch promovierte. Im Anschluss arbeitete er an der University of Denver, Colorado in den USA, an der Universität Tübingen und an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts in den USA. Von 1993 bis 2004 hatte er den Lehrstuhl „Internationale und Transnationale Beziehungen inklusive Friedens- und Konfliktforschung“ im Studiengang Politikwissenschaft an der Universität Bremen inne. Von 2004 bis 2009 war er als Gründungsdirektor der Berliner Hertie School of Governance tätig. Seit 2008 ist er Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Berliner Graduate School for Transnational Studies (BTS), deren Direktor er seit 2015 ist. Es ist seit 2019 Co-Sprecher des Berliner Exzellenzcluster „Contestations of the Liberal Scripts (SCRIPTS)“. Michael Zürn wurde vielfach mit Preisen und Ehrungen ausgezeichnet und hat zahlreiche Ehrenämter in wissenschaftlichen Vereinigungen inne. Er ist Mitherausgeber und Beiratsmitglied mehrerer wissenschaftlicher Zeitschriften und Schriftenreihen.

Prof. Dr. Mira Sievers ist islamische Theologin und seit Januar 2020 am neu gegründeten Berliner Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig als Juniorprofessorin für Islamische Glaubensgrundlagen, Philosophie und Ethik. Sie hat Islamische Studien an der Goethe-Universität Frankfurt am Main studiert sowie Islamwissenschaft und Linguistik an der School of Oriental and African Studies (SOAS) der University of London. 2018 promovierte sie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main zum Thema „Schöpfung zwischen Koran und Kalām. Ansätze einer Koranischen Theologie” mit der höchsten Auszeichnungsstufe „summa cum laude“. Parallel dazu war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft“ und am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam ebenfalls in Frankfurt tätig. An dem Institut arbeitete Sievers anschließend bis Anfang 2020 als Postdoktorandin und wissenschaftliche Koordinatorin der Longterm-Forschungsgruppe Linked Open Tafsīr.

Fotos

  • Verleihung Wissenschaftspreis am 5.11.2021 an Prof. Dr. Michael Zürn

    Der Berliner Wissenschaftspreis 2021 ging an den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Michael Zürn (rechts im Bild) vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

  • Nachwuchspreisträgerin 2021 ist die islamische Theologin Prof. Mira Sievers von der HU Berlin

    In der Kategorie für herausragende Nachwuchswissenschaftler:innen wurde die Theologin Prof. Dr. Mira Sievers ausgezeichnet. Sie forscht und lehrt als Juniorprofessorin am Berliner Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademien der Wissenschaften (links im Bild), hielt die Laudatio auf die Nachwuchspreisträgerin.