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Partydrogen in Berlin wissenschaftlich untersucht – Prävention wird verstärkt

Pressemitteilung vom 07.02.2018

Besucherinnen und Besucher von Clubs und Partys in Berlin feiern nicht nur, sie konsumieren auch häufig legale wie illegale Drogen. Gleichzeitig ist der Wunsch nach mehr Aufklärung und Prävention stark ausgeprägt. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Clubbesuchern wie der Clubbetreiber fordern das. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Studie „Substanzkonsum und Erwartungen an Präventionsangebote in der Berliner Partyszene“ im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Gesundheitssenatorin Dilek Kolat kündigte bei der Vorstellung der Studie heute an, dass noch in diesem Jahr beginnend neue Angebote zur Aufklärung und Prävention gemeinsam mit Suchtberatungsprojekten und Clubs umgesetzt werden. Dafür stehen in diesem und im kommenden Jahr 300.000 Euro zur Verfügung.

Berlin gilt als internationale Party-Hauptstadt. Für viele gehört zur Party allerdings auch der Konsum von Alkohol und illegalen Substanzen. Darüber gab es bisher zwar viele Berichte aber wenig gesicherte Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hat deshalb im vergangenen Jahr eine wissenschaftliche Studie zum Suchtmittelkonsum in der Berliner Partyszene durchführen lassen. Dafür wurde die Partyszene mit Fragebögen online und direkt, in Clubs, Bars und Warteschlangen befragt, sowie Expertinnen und Experten (Rettungsdienst, Suchtprävention, Polizei und Clubs) zu dieser Thematik interviewt. Die Studie leitete Dr. Felix Betzler, Arzt an der Charité. Diese ist nicht repräsentativ für ganz Berlin, wirft aber ein Schlaglicht auf die Club- und Partyszene.

Gesundheitssenatorin Dilek Kolat: „Ich will Clubs und Clubbesucher nicht verteufeln. Aber man darf nicht die Augen davor verschließen, dass der Konsum riskanter Drogen in der Partyszene hoch ist. Hier werden wir mit verstärkter Aufklärung und Information in den Clubs und auf den Partys entgegenwirken. Diese Angebote werden wir noch in diesem Jahr gemeinsam mit Experten der Suchthilfe und den Clubbetreibern und Partyveranstaltern entwickeln und umsetzen.“

Einige ausgewählte Ergebnisse der Studie:

  • Fast alle (87,7%) Teilnehmende hatten im zurückliegenden Monat Alkohol getrunken, 72,3% geraucht. Mehr als die Hälfte (62,3%) hatten Cannabis konsumiert, die Hälfte Amphetamin (50,3%) und Ecstasy (49,1%). Es folgen Kokain und Ketamin bei rund einem Drittel (36% bzw. 32,2%), danach LSD (12%) und GHB/GBL mit 9,4%. Heroin, Crystal Meth und Legal Highs spielen in der Partyszene kaum eine Rolle.
  • Befragt nach Präventionsangeboten wünschte sich die mit Abstand größte Gruppe (55%) mehr Beratung und Aufklärung. Bei den allermeisten Befragten handelt es sich nicht um Süchtige, sondern um Freizeitkonsumenten. Sie nehmen Drogen, um vor allem ihre Stimmung zu beeinflussen, Aktivitäten zu intensivieren, körperliche Effekte wahrzunehmen, soziale Kontakte leichter knüpfen zu können oder schlicht länger wach zu bleiben.
  • Die befragten Experten wünschen sich vor allem aufsuchende und akzeptierende Information und Beratung vor Ort, ergänzt durch die Schulung des Personals in Clubs wie Türsteher und Barpersonal.
  • Einen besonderen Präventionsbedarf sieht die Studie bei dem aus medizinischer Sicht gefährlichen GHB/GBL. Diese Substanz wird in Berlin in relevantem Ausmaß konsumiert, birgt nicht nur ein psychisches sondern auch körperliches Abhängigkeitspotential, und viele Konsumenten dieser Substanz möchten ihren Konsum verringern und gaben Beratungsbedarf an.
  • Die meisten der Befragten sind junge Erwachsene, das Durchschnittsalter liegt bei 30 Jahren. Die meisten (85%) leben in Berlin. Auffallend viele (39%) haben einen Hochschulabschluss. 42,8% sind weiblich, 55,3% männlich.
  • 15 Prozent der Befragten wünschen sich ausdrücklich das Angebot, Drogen auf Reinheit und Verunreinigungen zu prüfen („Drugchecking“). Als sinnvoll wird es von allen Befragten eingeschätzt. Allerdings ist Drugchecking sehr umstritten und stößt in Deutschland auf hohe rechtliche Hürden und ungeklärte Haftungsfragen, weil der Drogenbesitz nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten ist. Im Haushalt stehen Landesmittel für ein entsprechendes Modellprojekt bereit.