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Brechts Gespenster

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Brechts Gespenster

Suse Wächter is the inventor of a world inhabited by revenants from the 20th century. Her epochal production "Helden des 20. Jahrhunderts" featured the immortal stars, historical demons and unforgotten heroes and heroines of our dreams.

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Her more than one hundred puppets are deceptively similar copies of the undead who are still alive our minds. In her new work, Berliner Ensemble’s "household deity" Bertolt Brecht is haunted by the countless ghosts whom he met during his long exile and on his eventual return to Theater am Schiffbauerdamm. Together with two musicians and a puppeteer, Suse Wächter has created an evening’s séance, where these little creatures with big auras play their game.

Artists/Collaborators: von Suse Wächter (Autor/in), Moritz Ilmer, Matthias Trippner (Live-Musiker), Suse Wächter, Suse Wächter, Constanze Kümmel, Matthias Trippner, Steffen Heinke, Bernd Stegemann

Runtime: Fri, 10/01/2025 to Thu, 02/07/2026

Gibt es Gespenster, auch wenn man nicht an sie glaubt? Wer diese Frage mit ja beantwortet, gesteht Gespenstern eine eigene Realität zu. Die Ungläubigen, die mit nein antworten, gehören zur Mehrheit in einer säkularen Gesellschaft. Für sie verleiht erst der Glaube dem Übersinnlichen eine Existenz. Heute sind die Gespenster menschengemacht. Einst ging in Europa das Gespenst des Kommunismus um. Seit einigen Jahren wird häufig ein Gespenst des Populismus beklagt. Von Heiner Müller gibt es ein Theaterstück mit dem Titel "Germania 3 Gespenster am toten Mann" (1996) und es gibt seine berühmte Behauptung, Theater sei Dialog mit Toten. Damit hat er eine offensichtliche Wahrheit ausgesprochen. Die Theaterbühne wird seit der Antike und Shakespeares Zeiten von Wiedergängern, Geistern und Dämonen belebt. Die berühmtesten Theatergespenster sind bekannt. Hamlets Geistererscheinung bringt die Tragödie ins Rollen und Fausts Geisterbeschwörung steht am Beginn seines Teufelspaktes.Seit es Theater gibt, spielen Gespenster eine Hauptrolle. Und seit es Menschen gibt, gibt es den Gespensterglauben. Doch wäre es eine Vereinfachung, diesen Glauben auf den lustgruseligen Spuk in einem englischen Schloss zu begrenzen. Die Gespenster hausen im Kopf eines jeden Menschen, wenn er Vorahnungen hat, von Süchten getrieben wird oder einem Fetisch folgt. Jeder weiß um die Gespenster, die als unsichtbare Kräfte in unseren Gedanken und Handlungen wirken. Und wohl die allermeisten haben schon einmal ein Gespenst erlebt, das ihnen erschienen ist.Es ist also naheliegend, dass das allgegenwärtige Gespenstische auch zur Metapher für die vielen Phänomene taugt, in denen eine Stimme zu sprechen scheint, die nicht von dieser Welt ist. Marx hat in einem berühmten Beispiel versucht, das Geheimnis der Ware mit theologischen Wendungen zu begreifen. Aus einem Stück Holz wird ein Tisch. Aus einem Tisch wird eine Ware. Und die Ware wird zu einem Fetisch gemacht, um ihren Wert zu steigern. Diese dreifache Verwandlung ist nicht allein mit den handwerklichen Künsten des Schreiners und des Händlers zu erklären. Der Tisch tritt in seiner Gestalt als Warenwert in einer doppelten Rolle auf, die vieles vom brechtschen Theater vorwegnimmt. Denn der Tisch ist nicht mehr nur ein Gegenstand für den Gebrauch, sondern er ist auch eine Erscheinung, die sich gut in Szene setzt. Der Tisch ist nicht nur ein stummer Diener, sondern auch ein Wesen, das sich verwandeln kann. Der Tisch als Ware ist ein Schauspieler, der seine Rolle als ein Objekt der Begierde so gut spielt, dass ihm dafür ein hoher Preis bezahlt wird. Ein totes Stück Holz ist also zu allerlei Verwandlungen in der Lage, wenn es die Bühne des Marktes betritt. Seit Marx diese Verwandlungen beschrieben hat, muss jeder, der die Geheimnisse der Ware und ihres Wertes ergründen will, in die Abgründe des Gespensterglaubens hinabsteigen.Bertolt Brechts Theater wollte ein Theater für das wissenschaftliche Zeitalter sein. Um die Gespenster, die im Kapitalismus wirken, zeigen zu können, musste er die verstaubten Geister des psychologischen Schauspiels und der alten Heldengeschichten vertreiben. Licht und Klarheit sollten auf der Bühne des epischen Theaters herrschen, damit die neuen Gespenster sichtbar werden.Nach seiner Rückkehr aus der Emigration gründete er das Berliner Ensemble, mit dem er schließlich 1954 sein eigenes Theater bespielen konnte. Das Theater am Schiffbauerdamm wirkt auf den ersten Blick wie das am wenigsten geeignete Gebäude für ein Theater des wissenschaftlichen Zeitalters: ein Zuschauerraum voller Gipsfiguren, rotem Samt und vergoldeter Stuckatur. Doch gerade in dieser Zauberhöhle hatte er mit der Uraufführung der "Dreigroschenoper" 1928 seinen größten Erfolg gefeiert. Und an diesen Ort, der in seiner Architektur das Gegenteil der brechtschen Kargheit und Nüchternheit ausstrahlt, wollte er zurückkehren. Brecht lässt den falschen Schein, der die Bürger des 19. Jahrhunderts entzückt hatte, unangetastet und zieht nur seine berühmte halbhohe Gardine einmal quer über die Bühne. So schafft er eine Grenze zwischen dem Zauberreich des alten Theaters und seinem Forschungslabor der neuen Zeit. Am Berliner Ensemble konnte er die Figuren der Vergangenheit und die aus einer fabelhaft erfundenen Gegenwart auftreten lassen. Und sie traten so auf, dass sie die verborgenen Mechanismen ihres Lebens offenlegen wollten. Die Gespenster des Lebens sind der Stoff aus dem das epische Theater wie das Theater aller Zeiten gewebt ist.Brechts Dialog mit den Gespenstern war ihm aber ebenso vertrackt wie es einst Werner Heisenberg in seiner Entschuldigung für das Hufeisen über seiner Tür formulierte. Auf die Frage, ob er denn abergläubisch sei, gab er die berühmte Antwort: "Natürlich nicht. Aber ich habe gehört, dass es auch hilft, wenn man nicht daran glaubt." Treffender kann man den Gespensterglauben in einer säkularen Zeit wohl nicht beschreiben. Man glaubt nicht an sie, aber man will es sich mit ihnen auch nicht verscherzen. Eine Meisterleistung in dialektischem Unglauben. Wer so souverän und zugleich demütig seinen Unglauben praktiziert, findet vielleicht den luziden Umgang, den Brecht mit den Gespenstern seiner Vergangenheit gefunden hat. Für die Nachgeborenen ist Brechts Theater Mahnung und Anregung zugleich. Dass er selbst zum Gespenst des Theaters am Schiffbauerdamm geworden ist, kann darum auch eher als Segen begriffen werden. Denn vielleicht wirkt er hier noch immer, auch wenn nicht mehr viele an ihn glauben. von Bernd Stegemann

Alternative events

Wir holen uns die Nacht zurück - Theater Strahl Berlin

Wir holen uns die Nacht zurück ab 14 Jahre | 90 Minuten Kaja und IIvy - zwei Mädchen wie Schwestern. Sie wachsen im gleichen Haus auf und entdecken die erste Liebe, Partys – und Drogen. Die Freundschaft kommt an ihre Grenzen, als Kaja immer weiter... moreabout: Wir holen uns die Nacht zurück - Theater Strahl Berlin

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Wir holen uns die Nacht zurück
Date:
Thursday, 02/July/2026 18:00
Venue:
Theater Strahl - Halle Ostkreuz
Address:
Marktstraße 11, 10317 Berlin-Lichtenberg
Price:
from €23.45

Die Stadt & The City

Hinweise zu Ermäßigungen: Ermäßigte Karten gelten für Schüler*innen, Studierende, Jugendliche im Freiwilligendienst, Bundesfreiwilligendienstleistende, Rentner*innen, Sozialhilfeempfänger*innen, Arbeitslosengeld-I/II-Empfänger*innen, Inhaber*innen eines... moreabout: Die Stadt & The City

Date:
Thursday, 02/July/2026 19:00 (4 more dates)
Venue:
M40
Address:
Hallesches Ufer 40, 10963 Berlin-Kreisfreie Stadt Berlin
Price:
from €15.00

Elektra – Berlin International Youth Theatre

Blood will have blood… or will it? Sophocles meets Tarantino in Berlin International Youth Theatre’s bold reimagining of the ancient revenge tragedy ELEKTRA!  Set in the wild west, expect family feuds, explosive style and an interrogation of vengeance... moreabout: Elektra – Berlin International Youth Theatre

Date:
Thursday, 02/July/2026 19:00 (2 more dates)
Venue:
English Theatre Berlin
Address:
Fidicinstraße 40, 10965 Berlin-Kreuzberg
Price:
from €8.80

Shakespeare in Love - Shakespeare Players

Nach Her Majesty's Will (2023) werden wir zum zweiten Mal ein Stück über Shakespeares Leben aufführen. Shakespeare in Love erzählt die fiktive Entstehungsgeschichte von Romeo und Julia. Will Shakespeare leidet unter einer Schreibblockade, die sich erst... moreabout: Shakespeare in Love - Shakespeare Players

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Date:
Thursday, 02/July/2026 19:00
Venue:
Aula - Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEO)
Address:
Blissestraße 22, 10713 Berlin-Wilmersdorf
Price:
from €6.00

Was ihr wollt

Er liebt sie. Sie liebt ihn nicht. Dafür liebt ihn eine andere, die ihre Liebe nicht zeigen darf. Was nach einer herzerweichenden Tragödie mit tödlichem Ausgang klingt, hat William Shakespeare zu einer Komödie mit Tiefgang inspiriert. Durch einen Schiffbruch... moreabout: Was ihr wollt

Date:
Thursday, 02/July/2026 19:30 (2 more dates)
Venue:
Hans Otto Theater / Seebühne
Address:
Schiffbauergasse 11, 14467 Potsdam
Price:
from €31.90

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