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BER- Flughafen Willy Brandt: Wie geht es jetzt weiter ?

25. Oktober 2013/PIA

Flughafen BER bleibt das zentrale Projekt der Region

Trotz aller Turbulenzen ist und bleibt der neue Flughafen BER das zentrale Infrastrukturprojekt der Region Berlin-Brandenburg. Im Betrieb wird er zehntausende neue Arbeitsplätze schaffen und die Hauptstadt dann angemessen ans weltweite Flugnetz anbinden.

Umso wichtiger ist, dass es auf der Baustelle vorangeht und die Verzögerung bei der Inbetriebnahme nicht zu einem Negativbild für das ganze Projekt führt. Große Teile des Airports sind fertig gestellt, das Kernproblem bleibt die technisch hochkomplizierte Brandschutzanlage. Nach und nach stellen Geschäftsführung und Aufsichtsrat nun die Weichen zur Fertigstellung, nicht zuletzt durch Bereitstellung von Planungs- und Baumitteln in der Aufsichtsratssitzung am 23. Oktober.

Die Gesellschafter der Flughafengesellschaft, die Länder Berlin, Brandenburg und der Bund, haben ein gemeinsames Ziel: die Eröffnung des BER so bald wie möglich. Sie sehen für den Flughafen ihre gesamtstaatliche Verantwortung. Aufgabe der Flughafen-Geschäftsführung ist es, das Projekt schnellstmöglich zur Inbetriebnahme zu führen. Aber erst wenn auf diesem Weg Klarheit über einen verlässlichen, technisch und genehmigungsrechtlich abgesicherten Eröffnungsfahrplan vorliegt, macht es Sinn, einen präzisen Eröffnungstermin zu nennen.

Nächste Schritte auf dem Weg zum BER

Der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hat inzwischen grünes Licht für weitere Planungen und Restbauarbeiten zur Fertigstellung des BER gegeben. Die Flughafengesellschaft hatte zuvor gemeinsam mit Siemens einen Vertrag zum Umbau der Entrauchungssteuerung des BER unterzeichnet. Zum aktuellen Maßnahmenpaket gehören unter anderem:

• die vorbereitenden Planungen für bauliche Anpassungen einzelner Entrauchungsanlagen im Fluggastterminal

• Planung und Koordinierung der Bauleistungen von Siemens und weiteren Firmen

• der Bau der Sprinkleranlage für das Nordpier (der nördliche Teil des Empfangsgebäudes) des Flughafens BER, für die seit der vergangenen Woche die Baugenehmigung vorliegt

• bauliche Restleistungen im Pier Nord und im Fluggastterminal.

Änderung in der Geschäftsführung der FBB

Der Aufsichtsrat hat in seiner Oktober-Sitzung auch entschieden, dem bisherigen Technik-Geschäftsführer Horst Amann eine neue Aufgabe in der Flughafengesellschaft hauptamtlich zu übertragen. Er wird zum 1. November 2013 die Geschäftsführung der Flughafen Energie und Wasser GmbH übernehmen. Die FEW betreibt als 100%ige Tochtergesellschaft der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH die Ver- und Entsorgungssysteme der Flughäfen in Berlin. Damit endet Amanns Tätigkeit als Geschäftsführer Technik/BER der FBB.

Die Flughafen-Geschäftsführung besteht nun aus Airport-Chef Hartmut Mehdorn, der insbesondere für die Beschleunigung der Baumaßnahmen am neuen BER zuständig ist, und der Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster, die gleichzeitig auch den Betrieb des Flughafens in Tegel und des bisherigen Flughafens Berlin-Schönefeld steuert. Inzwischen ist mit Elmar Kleinert ein versierter Betriebsleiter für die Standorte Tegel und Schönefeld im Dienst, der langjährige Erfahrungen mit den Berliner Airports hat.

Millioneninvestitionen in Schönefeld (alt) und Tegel

Damit bis zur Eröffnung des BER ein möglichst reibungsloser Flugbetrieb in der Hauptstadt gewährleistet ist und die beiden alten Flughäfen in Schönefeld und Tegel dafür in einem akzeptablen Zustand bleiben, sind auch Modernisierungsarbeiten an den beiden bisherigen Standorten nötig. Dazu hatte der Aufsichtsrat bereits im Frühjahr Investitionen von rund 20 Millionen Euro beschlossen. Die damit finanzierten Umbauarbeiten am Flughafen Tegel sind weit fortgeschritten. Es geht unter anderem um umfangreiche Sanierungen und Neubauten der sanitären Anlagen. Außerdem werden in Tegel die Heizungsanlage, die Gebäudeleittechnik und die Gepäckbänder modernisiert. Für schnellere Wartungsarbeiten auf dem Airport in Tegel hat die Flughafengesellschaft zusätzliches Personal eingestellt.

Gleichzeitig bleibt es rechtlich zwingend dabei, dass mit Eröffnung des BER der Flughafen in Tegel seinen Betrieb einstellt. Dies ist Teil des von den Gerichten bestätigten Planfeststellungsbeschlusses für den BER - und in Berlin hat längst die Debatte über die Nachnutzung des Geländes begonnen. Auch in Schönefeld laufen Sanierungsarbeiten. Mit insgesamt hundert Einzelmaßnahmen sollen beide Flughäfen fit gemacht werden, die zusätzlichen Passagierkapazitäten bis zur BER- Eröffnung noch besser zu bewältigen

Berlin braucht den neuen Airport als Tor zur Welt, denn…

…kaum jemand hätte vor 20 Jahren geglaubt, dass sich der Berliner Flugverkehr so dynamisch entwickeln würde. Allein innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich das Passagieraufkommen mehr als verdoppelt. Berlin ist eine Stadt im Aufstieg. Die Wirtschaft wächst. Die Besucherzahlen von Geschäftsreisenden und Touristen boomen. Daran hat auch die Debatte über den BER nichts geändert, und das ist ein positives Zeichen für das Bild Berlins in der Welt. Die beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld haben in 2012 zusammen 25 Millionen Passagiere gezählt. Das ist ein neuer Rekord. Rund zwei Drittel der Fluggäste benutzen dabei Tegel. Der größte deutsche Flughafen ist Frankfurt/Main mit mehr als 56 Millionen Passagieren im Jahr 2011. An zweiter Stelle liegt München mit 38 Millionen Fluggästen, dann folgt bereits Berlin.

Auch aktuell verzeichnen die Berliner Flughäfen steigende Passagierzahlen. So wurden im ersten Halbjahr 2013 an den Flughäfen Schönefeld und Tegel so viele Passagiere gezählt wie nie zuvor. Insgesamt sind von Januar bis Juni an den beiden Flughäfen der Hauptstadtregion 12.397.017 Passagiere gelandet oder abgeflogen. Das ist ein Zuwachs von 525.045 Passagieren gegenüber dem Vorjahreszeitraum (+4,4 Prozent). Die steigenden Fluggastzahlen korrespondieren mit der allgemeinen Entwicklung der Hauptstadt im Bereich Tourismus. Mehr als 25 Millionen Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr in der Hauptstadt gezählt, und auch für 2013 geht man wieder von Rekordzahlen aus. Im europäischen Vergleich liegt Berlin nun hinter London und Paris auf dem dritten Platz beim Städtetourismus. Das allein sind schon genug Gründe, um den neuen Flughafen BER ans Netz zu bringen und Berlins neues Tor zur Welt zu eröffnen.

Hinzu kommt die anhaltend positive Entwicklung bei der Luftfracht. In diesem Zusammenhang erfolgte kürzlich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Inbetriebnahme des BER: Das Cargo Center auf dem Gelände des Flughafens Berlin Brandenburg ging Anfang Juli in Betrieb. Nun folgt schrittweise der Umzug der für die Frachtabfertigung zuständigen Behörden (Pflanzengesundheitskontrolle, Veterinärgrenzkontrolle, Zoll). Am Cargo Center wird deutlich, dass wesentliche Teile des Flughafens bereits fertiggestellt und funktionstüchtig sind. Seine Eröffnung macht einmal mehr die Bedeutung des BER deutlich.

Berlin hält Linie beim Nachtflugverbot - Schallschutz wird realisiert

Aus Brandenburg wurde in der Zwischenzeit eine neue Diskussion über das Nachtflugverbot beim BER begonnen, weil es dort ein erfolgreiches Volksbegehren gab - während für das gleiche Anliegen zuvor in Berlin nicht genügend Unterschriften zusammen gekommen waren. Die Brandenburgische Landesregierung will nun das bereits geplante Nachflugverbot weiter ausweiten, während Berlin und auch der Mitgesellschafter Bund solche Korrekturen ablehnen, weil sie den Flughafen in seiner Entwicklung zum internationalen Drehkreuz massiv behindern würden.

Bislang gibt es am alten Flughafen Schönefeld überhaupt kein Nachtflugverbot. Künftig ist geplant, dass es zwischen 0 und 5 Uhr ein striktes Flugverbot gibt - und für die Tagesrandzeiten 22-24 Uhr sowie 5-6 Uhr strikte Begrenzungen, die zu einer deutlichen Begrenzung der Zahl der Flüge führen. Diese Regelung war mit Zustimmung Brandenburgs verabredet worden und wurde bis hin zum Bundesverwaltungsgericht bestätigt. Berlin wird bei diesem Thema Kurs halten, denn für Interkontinentalverbindungen, die Berlin dringend braucht, sind wegen der Zeitverschiebung Starts- und Landungen in den sogenannten "Tagesrandzeiten" zwingend erforderlich.

Auch die Verantwortlichen wissen es: Fliegen verursacht Lärm, und deshalb liegt ihnen ein optimaler Schallschutz für die Anwohner des Flughafens besonders am Herzen. Inzwischen haben sich die Bürgermeister der Umlandgemeinden des BER und Vertreter des Flughafens in intensiven Gesprächen auf eine gemeinsame Linie bei der Umsetzung des Schallschutzprogrammes geeinigt. Ihr Ziel ist es, sofort mit der Umsetzung des Schallschutzprogrammes zu beginnen und dabei die Mittel möglichst zweckgebunden für Maßnahmen des baulichen Schallschutzes einzusetzen. Dort, wo es baulich möglich ist, wird die Flughafengesellschaft die Kosten für den baulichen Schallschutz komplett erstatten, und auch für die anderen Gebäude gilt, daß die Flughafengesellschaft die Kosten für den bestmöglichen baulichen Schallschutz übernehmen.

…und noch etwas

Flughafen- und Bahnhofsbauten sind Großprojekte, die Bauherren, Architekten, Ingenieure, Planer und Bauunternehmen immer vor große Herausforderungen stellen. Viele Schritte sind nötig, um Vorhaben dieser Größenordnungen zu realisieren. Solche komplexen Bauprojekte bleiben trotz sorgfältiger Planungen nicht immer im Zeit- und Kostenrahmen.

Hier einige Beispiele, die die Berliner Schwierigkeiten natürlich nicht relativieren sollen:

So ist die Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg aktuell für das Jahr 2017 vorgesehen. Geplant war sie im November 2011. Der neue Bahnhof in Stuttgart soll nun Ende 2021 in Betrieb gehen. Eigentlich sollten im Dezember 2019 die ersten Züge halten.

Auch in Wien gab es Probleme mit dem neuen Flughafenterminal. Eröffnet werden sollte er im Jahre 1999. Tatsächlich ging er am 3. Juni 2012 ans Netz.