Wechselseitig – Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989

Ausstellung vom 05.05. bis 27.08.2017
im Museum Pankow – Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Haupthaus, Raum 108

Wechselseitig erzählt die kaum bekannte Geschichte jener Menschen, die von der Bundesrepublik in die DDR über­siedelten. Erstmalig befasst sich eine Ausstellung aus­schließ­lich mit dieser Facette deutsch-deutscher Migrations­geschichte. Die Erinnerung an die fast vier Millionen Men­schen, die den umgekehrten Weg aus der DDR in die Bundesrepublik gingen, ist fest im gesell­schaftlichen Gedächtnis verankert. Geht es um Migration in die DDR, denken viele am ehesten an die Vertragsarbeiter aus den sozialistischen „Bruderstaaten“, vor allem aus Vietnam. Die meisten der etwa 500.000 Men­schen, die von der Bundesrepublik in die DDR einwanderten, wechselten vor dem Mauerbau 1961 von West nach Ost. Nur eine Minderheit wählte diesen Weg aus politischer Überzeugung. Die meisten Übersiedler kehrten zurück zu ihren Familien und Freunden, hatten sich verliebt, flohen vor Strafverfolgung, folgten dem Ruf der Kirchen, suchten Arbeit, ein besseres Leben oder einen persönlichen Neu­anfang: Migration als Normalfall der Geschichte. Erst der Kalte Krieg mit seiner System­konkurrenz zwischen Ost und West macht diese Migrations­geschichten zu etwas Besonderem. Wechselseitig lässt diesen Aspekt der deutsch-deutschen Geschichte am Beispiel der Lebenswege von mehr als 20 prominenten und unbekannten Übersiedlern lebendig werden. Diese Frauen und Männer wechselten seit den 1950er Jahren bis in die späten Achtziger über die innerdeutsche Grenze. Ihnen erging es recht unterschiedlich, das Spektrum der Lebensgeschichten reicht von einem erfüllten und zufriedenen Leben in der DDR über Bespitzelung im Alltag bis hin zu Haft, Flucht und Tod.
Wechselseitig hat auch eine regionale Komponente. Eines der Aufnahmeheime für Über­siedler aus der Bundesrepublik in die DDR befand sich im Norden des heutigen Stadt­bezirks Pankow in Berlin-Blankenfelde. Bis in die 1970er Jahre waren die Baracken in der Blanken­felder Chaussee ein Ort, an dem Rückkehrer und Zuwanderer von den Behörden der DDR überprüft und befragt wurden. Wie in den anderen Aufnahmeheimen der DDR mussten sie oft wochenlang auf die Entscheidung warten, ob sie in der DDR bleiben oder in den Westen zurückkehren mussten. Unter den Heiminsassen befanden sich Deserteure der Bundeswehr, wie der in der Ausstellung porträtierte Arnold Schölzel, aber auch der spätere Schlagerstar Achim Mentzel – er war 1973 nach einem Auftritt im Westen geblieben kehrte nach wenigen Monaten wieder in die DDR zurück – sowie viele unbekannte Frauen und Männer.

Eine Wanderausstellung in Deutsch und Englisch von exhibeo e.V. – Gesellschaft für politische, kulturelle und historische Forschung und Bildung, realisiert in Kooperation mit der Erinnerungs­stätte Notaufnahmelager Marienfelde – Stiftung Berliner Mauer

www.wechselseitig.info

Wechselseitig, Einladung zur Ausstellungseröffnung

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Wechselseitig, Folder

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Wechselseitig, Begleitprogramm

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Ausstellungseröffnung

Donnerstag, 04.05.2017

18.30 Uhr
Begrüßung: Bernt Roder (Leiter des Museums Pankow)
Grußworte: Sören Benn (Bezirksbürgermeister) und Dr. Sabine Kuder (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)
Einführung und Eröffnung der Ausstellung: Eva Fuchslocher und Dr. Michael Schäbitz (exhibeo)

Ausstellungsbesuch und Empfang

20.00 Uhr
Filmvorführung: Der Kinder wegen – Flucht ins Vaterland, von Winfried Junge, DEFA 1963, 16 min
Zeitzeugengespräch: Annette Leo, Christoph Sender und Johannes Wurms

  • Donnerstag
    22.06.2017
    19.00 Uhr

    Heimweh nach der DDR 1987, 43 min

    Dokumentarfilm und Zeitzeugengespräch mit Heiner Sylvester (Autor) und Christina und Horst Freudenberg (Zeitzeugen)

  • Donnerstag
    13.07.2017
    19.00 Uhr

    Das Aufnahmeheim Berlin-Blankenfelde

    Vortrag von Eva Fuchslocher und Dr. Michael Schäbitz