Service  
 

Rechtsvorschriften - Umweltverträgliche Beschaffung

Spezifische Beschaffungshinweise


Beschaffung von Pkw


In Berlin werden an vielen Hauptverkehrsstraßen seit Jahren die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) überschritten. Etwa 75 % der hohen Luftbelastung stammen aus dem Berliner Straßenverkehr. Kraftfahrzeuge sind damit die mit Abstand wichtigste Ursache für die Überschreitung der Luftqualitätsgrenzwerte. Wichtigste Ursache ist der hohe Stickstoffoxidausstoß von Dieselfahrzeugen, sowohl von Lkw als auch in zunehmendem Maß durch Pkw. Denn durch die Manipulationen an den emissionsmindernden Systemen bei Diesel-Pkw ist der Ausstoß dieser Fahrzeuge trotz verschärfter Grenzwerte nicht gesunken. Einige Diesel-Pkw der neuesten Generation Euro 6 emittieren immer noch genauso viel Stickstoffoxide wie Fahrzeuge, die vor 20 Jahren auf den Markt kamen. Dies betrifft leider auch leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht.

Der Straßenverkehr verursacht zudem fast ein Viertel der CO2-Emissionen in Berlin und ist damit nach der Gebäudebeheizung die wichtigste Quelle.

Um sowohl die Luftqualität zu verbessern als auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, verfolgt das Land Berlin konsequent das Ziel, den Fuhrpark des Landes sowie der Körperschaften und der Anstalten sukzessive auf emissionsarme Fahrzeuge umzustellen.

Dies erfordert eine Überarbeitung der Umweltstandards für die Beschaffung von Fahrzeugen in der Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt bis Ende des Jahres 2017. Um schneller Fortschritte für die Luftreinhaltung und den Klimaschutz zu erreichen, wurden vorab für die Beschaffung von Pkw neue Anforderungen zu den Kriterien Antriebsart, CO2, Energieverbrauch und Luftschadstoffe erarbeitet und mit einem Rundschreiben den öffentlichen Beschaffungsstellen bekannt gegeben.

Achtung: Hinsichtlich aller anderen Umweltstandards (z. B. Lärm) gelten weiterhin die Anforderungen des Leistungsblatts 4.1. des Anhangs 1 der VwVBU


Mit dem Rundschreiben wird ein abgestuftes Vorgehen bei der Auswahl eines emissionsarmen Antriebs des zu beschaffenden Pkw vorgegeben.

Ziel ist die bevorzugte Beschaffung von Elektrofahrzeugen.

Ist dies für den Einsatzweck nicht möglich oder mit nicht vertretbaren Kosten verbunden, sollen Hybridelektrofahrzeuge oder Fahrzeuge mit Erdgasantrieb beschafft werden.

Auf die Beschaffung von Diesel-Pkw soll verzichtet werden.

Bei der Beschaffung sind für Elektrofahrzeuge die Vorgaben zum Energieverbrauch und für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor die Vorgaben zum Ausstoß von Stickoxiden und CO2 zu beachten.

Um den Beschaffungsstellen die Anwendung des Rundschreibens zu erleichtern, werden hier zusätzliche Informationen zu folgenden Aspekten bereitgestellt.

Rechtlicher Rahmen: die EU-Richtlinie für saubere Fahrzeuge
Bei der öffentlichen Beschaffung von Straßenfahrzeugen muss die EU-Richtlinie (2009/33/EG) über die Förderung sauberer und energieeffizienter Straßenfahrzeuge eingehalten werden.
Ziel der Richtlinie ist es, die Entwicklung eines Marktes für saubere und energieeffiziente Fahrzeuge zu beschleunigen. Ein größerer Absatz soll dazu beitragen, die Kosten dieser Fahrzeuge zu senken. Dadurch soll eine progressive Verbesserung in der Energie- und Umweltleistung der gesamten Fahrzeugflotte erreicht werden.
Die Richtlinie wurde durch § 68 „Beschaffung von Straßenfahrzeugen“ der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (Vergabeverordnung - VgV) in deutsches Recht überführt. Die Regelung schreibt vor, bei der Beschaffung von Straßenfahrzeugen deren Umwelt- und Energieeigenschaften über die gesamte Lebensdauer zu berücksichtigen. Dies umfasst die Bewertung des Energieverbrauchs, der CO2-Emissionen und anderer Schadstoffemissionen (Stickstoffoxide, Nichtmethan-Kohlenwasserstoffen und Partikel) über die Gesamtkilometerleistung des Fahrzeugs. Die Berücksichtigung der Umweltauswirkungen kann über die Vorgabe technischer Spezifikationen, über die Definition von Zuschlagskriterien oder eine Mischung beider Verfahren erfolgen.

Durch Anwendung der Berliner Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt und des Rundschreibens zur Pkw-Beschaffung werden die Anforderungen der Richtlinie für saubere Fahrzeuge erfüllt. Denn es werden sowohl technische Spezifikationen festgelegt, als auch mit Anhang 4 der VwVBU das von der Europäischen Kommission entwickelte Verfahren zur Lebenszyklusberechnung übernommen.

Das von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt „Clean Fleets“ unterstützt Behörden und Fahrzeugflottenbetreiber bei der Umsetzung der EU-Richtlinie für saubere Straßenfahrzeuge sowie bei der Beschaffung oder dem Leasing von sauberen und energieeffizienten Fahrzeugen: siehe: http://www.clean-fleets.eu/de/ (Informationen zum Teil nur in englischer Sprache)
Vorüberlegungen und Bedarfsermittlungen zur Pkw-Beschaffung
Gemäß den Vorgaben der VwVBU sind am Anfang des Beschaffungsprozesses zunächst die Mobilitätsbedürfnisse zu prüfen:
  • Welche Aufgabenstellung soll erfüllt werden?
  • Ist für die Aufgabenerfüllung die Beschaffung eines neuen Pkw notwendig oder könnte auch eine der der folgenden Alternativen geeignet sein
    • Einsatz von Fahrrädern/ Elektro-Fahrrädern, ggf. als Lastenrad?
    • erstärkte Nutzung des ÖPNV und Bahn?
    • Gemeinsame Nutzung eines Fuhrparks durch mehrere Verwaltungsstellen?
    • Mietwagen oder Carsharing?
    • Leasing?
  • Welche Fahrleistung ist zu erwarten: tägliche Kilometerleistung, Jahresfahrleistung?
  • Wo wird das Fahrzeug überwiegend eingesetzt: ausschließlich / überwiegend im Stadtverkehr oder auch Nutzung außerhalb Berlins, z. B. für Dienstreisen?
  • Welche Fahrzeugart, Fahrzeuggröße und Motorleistung ist für die Aufgabenerfüllung notwendig?


Um diese Fragen zu beantworten, sollte die Nutzung des bestehenden Fuhrparks untersucht werden:
  • Welcher Fuhrpark steht aktuell zur Verfügung?
  • Für welche Fahrzwecke werden die Fahrzeuge derzeit verwendet?
  • Wie ist er ausgelastet?
  • Welche Kosten verursacht er?
  • Wie hoch ist der personelle Betreuungsaufwand?
Beschaffung von Elektrofahrzeugen
Die Elektromobilität ist ein zentrales Element einer nachhaltigen Energie- und Verkehrspolitik. Sie ist ein wichtiger Baustein des Berliner Energie- und Klimakonzepts, weil sie die Umstellung auf eine kohlenstofffreie Mobilität ermöglicht.

Elektrofahrzeuge selbst sind zudem frei von schädlichen Abgasen und sehr leise. Damit können Elektrofahrzeuge zur lokalen Reduzierung der Luft- und Lärmbelastung in Berlin beitragen.
Die Umweltvorteile ergeben sich im vollen Umfang jedoch nur, wenn Ladestrom aus regenerativen, emissionsarmen Stromquellen stammt!

Für viele Anwendungsfelder im kommunalen Einsatz sind Elektrofahrzeuge hervorragend geeignet. Gerade bei Kurzstreckenfahrten, bei denen häufig Verbrennungsmotoren nicht einmal auf ihre Betriebstemperaturen kommen und daher überproportional viele Schadstoffe ausstoßen, zahlt sich die Umweltfreundlichkeit von Elektrofahrzeugen besonders aus. Durch Rekuperation beim Bremsen wird zudem gerade im Stadtverkehr ein Teil der Energie zurückgewonnen.

Betriebswirtschaftlich können Elektrofahrzeuge durch ihre niedrigen Betriebskosten und den geringeren Wartungsaufwand punkten. Bei hohen jährlichen Fahrleistungen (ab etwa 25.000 km pro Jahr) kann damit sogar der hohe Anschaffungspreis kompensiert werden.

Welche Umweltschutzanforderungen sind bei der Beschaffung eines Elektrofahrzeugs im Rahmen des Rundschreibens zu beachten


  • Der Energieverbrauch für das Fahrzeug laut Herstellerangaben darf gemäß Rundschreiben 19 kWh/100 km nicht übersteigen.
  • Der Strom zur Ladung des Elektrofahrzeugs soll aus regenerativer Erzeugung stammen, d.h. der Strombezug für die Ladestation sollte geprüft und ggf. angepasst werden. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass alle öffentlichen Liegenschaften mit Strom aus regenerativen Quellen versorgt werden.
  • In der Regel reicht für den Einsatz in der Stadt die nächtliche Ladezeit, so dass für Dienstfahrzeuge eine Ladestation beim Dienstgebäude zur Verfügung stehen soll.
  • Eingaben für die Berechnung der Lebenszykluskosten nach Anhang 4 der VwVBU:
    • Art des Kraftstoffs: Elektrizität
    • Kraftstoffverbrauch: Angabe des Energieverbrauchs in kWh/100 km
    • Referenzkraftstoff: hier ist „Diesel“ und der Preis für Diesel-Kraftstoff einzugeben

      Hinweis: Aus dem Tool ergeben sich für Elektrofahrzeuge nicht die realen Energiekosten, sondern Kosten, die auf den Referenzkraftstoff normiert wurden.
  • Für die Auswahl eines Elektrofahrzeugs ist die erforderliche Reichweite einer Batterieladung anhand des Einsatzzwecks und der zu erwartenden täglichen Fahrleistungen abzuschätzen. Zu berücksichtigen ist, dass die Reichweite in der Praxis meist deutlich kleiner ist, als vom Hersteller angegeben. Oft liegt sie nur bei etwa 60 % der Herstellerangaben. Batteriebetriebene Fahrzeuge sind ohne Zwischenladung im Allgemeinen auf eine Streckenreichweite von 100-150 Kilometer begrenzt. Besonders im Winter ist die Reichweite in der Regel deutlich kleiner als angegeben. An heißen Tagen sinkt die Reichweite, wenn mit Klimaanlage gefahren wird.
  • Für eine optimale Nutzung des Fahrzeugs, insbesondere auch hinsichtlich einer möglichst großen Reichweite, sollte eine Schulung für eine optimierte Fahrweise eingeplant werden.

Übersicht über das Angebot von Elektrofahrzeugen


Eine Liste von Elektrofahrzeugen mit einem Basispreis bis 60.000 € hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen der Betreuung des Umweltbonus für Elektrofahrzeuge zusammengestellt: www.bafa.de/SharedDocs/

Achtung: die Liste enthält auch Plug-in-Hybride (PHEV) bis 50 g/km CO2, die nicht als Elektrofahrzeug im Sinne des Rundschreibens gelten.

Die Liste enthält keine Angaben zum Energieverbrauch. Dieser kann bei den Herstellern abgefragt werden. Für ausgewählte Fahrzeuge wurde der reale Verbrauch vom ADAC gemessen: www.adac.de/eco-test.

Förderung von Elektrofahrzeugen


Der von der Bundesregierung gewährte Umweltbonus für Elektrofahrzeuge kann von Landesbehörden, öffentlich-rechtlichen Einrichtungen des Landes Berlins sowie von Kommunalbehörden nicht in Anspruch genommen werden. Für öffentlich-rechtlich Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts ist die Sachlage komplexer und es wird empfohlen, mit dem BAFA Kontakt aufzunehmen: www.bafa.de/elektromobilität

Die Beschaffung von Nutzfahrzeugen inklusive der Ladeinfrastruktur kann vom Land über das Europäische Förderprogramm BENE gefördert werden. Details der Förderung sind auf der BENE Homepage veröffentlicht: www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/foerderprogramme/bene/

Kostenvergleich Elektroauto und andere Antriebe


Elektrofahrzeuge sind in der Anschaffung deutlich teurer als konventionelle Fahrzeuge. Dies liegt vor allem am hohen Preis der Batterien. Andererseits sind die Betriebskosten meist niedriger, d. h. es fallen weniger Kosten für den „Kraftstoff“ und für die Wartung an.

Kostenvergleiche zeigen, dass gerade im Kleinwagensegment Elektrofahrzeuge bei langer Haltedauer immer konkurrenzfähiger werden.

Für einen Kostenvergleich gibt es (neben der Berechnung der Lebenszykluskosten nach Anhang 4 der VwVBU) Berechnungstools, z. B. vom Öko-Institut unter www.oekoinstitut.github.io/kostenrechner/#/

Ladeinfrastruktur


Um das Fahrzeug sicher und schnell laden zu können und den aufgewendeten Strom abrechnen zu können, sind Ladestationen notwendig. Empfohlen wird die Installation von Ladestationen auf dem Betriebsgelände oder z.B. in der Tiefgarage. Unterstützung bei der Schaffung der Ladeinfrastruktur bietet das Ladeinfrastrukturbüro der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, siehe E-Mobilität. Daneben können auch öffentliche Ladestationen genutzt werden. Standorte und Erläuterungen zur Nutzung der Ladesäulen finden Sie z. B. unter: www.be-emobil.de/ladestationen/

Diese und weitere Ladesäulen können auch unter oder mit Hilfe von Apps wie gesucht werden.

Für die Nutzung von öffentlichen Ladestationen sind stets Verträge mit Mobilitätsdienstleistern notwendig, über die die Abrechnung der Ladekosten erfolgt. Ladekarten für die be-emobil-Ladesäulen sind bei folgenden Dienstleistern erhältlich:
The New Motion: PlugSurfing: ladenetz.de: Im Rahmen des Ausbaus der Ladeinfrastruktur können über das Projekt be emobil auch neue Standorte beantragt werden: www.be-emobil.de/standort-beantragen/

Weitere Informationsquellen

Beschaffung von Hybridelektrofahrzeugen
Kommt die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs aufgrund des Einsatzzwecks oder aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage, ist bei der Beschaffung die Eignung von Hybridelektrofahrzeugen oder Erdgasfahrzeugen zu prüfen.

Hybridelektrofahrzeuge kombinieren den Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor und einem Stromspeicher. Durch den Hybridantrieb lässt sich der Kraftstoffverbrauch senken, weil Brems- und Schwungenergie zurückgewonnen wird und der Motor zudem häufiger und länger in einem günstigen Wirkungsgradbereich läuft. Da der Verbrennungs- und der Elektromotor gemeinsam arbeiten können, kann der Verbrennungsmotor kleiner sein, ohne dass es zu Verlusten bei der Beschleunigung kommt. Auch dieses „Downsizing“ kann den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Während bei sogenannten Mildhybrid-Fahrzeugen durch den eher kleinen Elektromotor nur der Verbrennungsmotor beim Anfahren und Beschleunigen unterstützt wird, können Vollhybridfahrzeuge auch kürzere Strecken von wenigen Kilometern rein elektrisch fahren. Die meisten der heute angebotenen Hybridfahrzeuge gehören zu dieser Kategorie. Plug-In-Hybride können zudem extern über eine Steckdose aufgeladen werden und sind damit in der Lage, bis zu circa 50 km rein elektrisch zu fahren.

Im Sinne des Rundschreibens sind bevorzugt Plug-In-Hybride zu beschaffen.


Dabei sind die Vorgaben zum Energie- und Kraftstoffverbrauch sowie den Schadstoffemissionen zu beachten. Letztere sind insbesondere kritisch, wenn es sich um Hybridfahrzeuge mit Dieselmotor handelt. Bei Otto-Motoren mit Direkteinspritzung sollte wie bei Dieselmotoren ein Partikelfilter gefordert werden, da diese Motoren sonst hohe Emissionen ultrafeiner Partikel aufweisen können.

Gemäß Rundschreiben müssen Plug-in-Hybridfahrzeuge eine Mindestreichweite im reinelektrischen Betrieb von 30 km erreichen. Diese Reichweite wird von den Herstellern angegeben und beruht auf der Größe der Batterie und dem Energieverbrauch im elektrischen Betrieb wie er bei der Typgenehmigung der Fahrzeuge gemessen und z. B. auch vom Kraftfahrtbundesamt veröffentlicht wird.

Plug-in-Hybride sollen CO2-Emissionen unter 50 g/km aufweisen. Derartige Fahrzeuge finden sich in der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge des BAFA unter: http://www.bafa.de/SharedDocs/8

Auch bei den CO2-Emissionen werden die Werte verwendet, die bei der Typgenehmigung des Fahrzeuges bestimmt wurden.

Bei der Auswahl von Fahrzeugen für den personengebundenen Fuhrpark erwiesen sich folgende Plug-in-Hybride als geeignet hinsichtlich Kraftstoffverbrauch und CO2-Emission: Audi A3 Sportback design e-tron 1.4 TFSI, VW Passat GTE 1,4 TSI (9,9 kWh) und VW Passat GTE Variant, 1,4 TSI, (9,9 kWh). Geeignet ist nach den Daten des ADAC zudem der Toyota Prius Plug-in.
Beschaffung von Erdgasfahrzeugen
Kommt die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs aufgrund des Einsatzzwecks oder aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage, ist ein Erdgasfahrzeug eine gute ökologische und wirtschaftliche Alternative, mit der die Anforderungen des Rundschreibens erfüllt werden können.

Erdgas ist ein schadstoffarmer Kraftstoff:


Erdgas oder „Compressed Natural Gas“ (CNG) verbindet die geringeren Partikel- und Stickoxid-Emissionen des Benziners mit den Vorteilen des Diesels bei Betriebskosten und CO2-Ausstoß:

Im Vergleich zu einem benzinbetriebenen Fahrzeug verursacht Erdgas (Methan) bei der Verbrennung bis zu 25 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2). Bei Kohlenwasserstoffen und bei den Stickstoffoxiden sind die Emissionen im Vergleich zu Benzin- und Dieselfahrzeugen um bis zu 95 Prozent niedriger. Insbesondere Benzol und die Rußpartikel treten praktisch nicht in Erscheinung. Diese Stoffe sind für die menschliche Gesundheit besonders schädlich.

Die Klimabilanz von Erdgasfahrzeugen lässt sich durch die Beimischung von Biogas weiter verbessern.

Erdgas ist ein wirtschaftlicher Kraftstoff


Erdgas als Kraftstoff wird aufgrund seiner ökologischen Vorteile steuerlich gefördert. Die ursprünglich bis 2018 befristete Steuerermäßigung wird gemäß Bundestagsbeschluss vom 1. Juni 2017 bis zum Jahr 2024 in voller Höhe weitergeführt und dann bis 2026 schrittweise abgebaut. Damit kostet Erdgas heute und auch in den nächsten Jahren nur etwa halb so viel wie Ottokraftstoff.

Erdgasfahrzeuge eine verfügbare und erprobte Technik


Mehr als 20 verschiedene Modelle namhafter Hersteller sind zur Zeit als serienmäßige Erdgasfahrzeuge auf dem Markt, darunter auch zahlreiche Transporter. Eine Übersicht über verfügbare Erdgasfahrzeuge bietet z. B. der Landesinitiativkreis Erdgas mobil Berlin-Brandenburg unter: www.erdgas-mobil-berlin-brandenburg.de/

Auch die Berliner Handwerkskammer veröffentlicht eine regelmäßig aktualisierte Liste verfügbarer leichter Lkw mit Gasantrieb unter: www.hwk-berlin.de/betriebsfuehrung/umwelt-energie/

Erdgasmotoren können grundsätzlich auch mit Otto-Kraftstoff (Benzin) betrieben werden. Erdgasfahrzeuge gibt es daher in zwei Ausführungen:

  • Monovalente Fahrzeuge sind auf den Betrieb mit Erdgas optimiert. Sie verfügen neben dem Gasdrucktank nur über einen kleinen Benzintank bis maximal 15 l, um im Notfall die nächste Erdgastankstelle erreichen zu können.
  • Bivalente Fahrzeuge verfügen über einen größeren Benzintank. Durch Betätigen eines Schalters oder automatisch kann der Betrieb zwischen den Kraftstoffen jederzeit gewechselt werden. Dadurch ist die Reichweite der Fahrzeuge vergleichbar mit konventionell angetriebenen Personenkraftwagen. Bivalente Fahrzeuge gelten nicht als Erdgasfahrzeuge im Sinne des Rundschreibens.


Erdgasfahrzeuge haben kein Reichweitenproblem


Mit einer Tankfüllung erreichen Erdgasfahrzeuge zwischen etwa 300 und 800 km. Der Tankvorgang ist genauso einfach und schnell wie bei konventionellen Fahrzeugen.

Zum Betanken stehen in Berlin derzeit 24 Tankstellen zur Verfügung, in Berlin und Brandenburg zusammen sind es 71 Tankstellen. Die Tankstellen sind einfach über Apps und das Internet zu finden z. B. unter:

www.erdgas.info/erdgas-mobil/erdgas-tankstellen/tankstellenfinder/ www.gas24.de/cms/erdgastankstellen_in_berlin.html
www.erdgas-mobil-berlin-brandenburg.de/tankstellenfinder.html

Achtung: Keine Flüssiggasfahrzeuge beschaffen!
Fahrzeuge mit Flüssiggasantrieb sind weniger umweltfreundlich als Erdgasfahrzeuge und erfüllen nicht die Anforderungen des Rundschreibens. Flüssiggas (auch als Autogas bezeichnet) ist eine Mischung aus Butan und Propan aus der Verarbeitung von Erdöl und verbrennt ähnlich wie Benzin. Es hat gegenüber Benzin daher kaum Umwelt- und Klimavorteile.
Dieselfahrzeuge: Der Abgasskandal
Sparsam, aber mit Schadstoffproblemen: der Dieselmotor.
Dieselmotoren erreichen einen höheren Wirkungsgrad als Ottomotoren (Benziner) und stoßen bei gleicher Motorisierung theoretisch bis zu 15 Prozent weniger CO2 aus. Allerdings relativiert sich dieser Vorteil in der Praxis oft dadurch, dass Dieselfahrzeuge größer, schwerer und höher motorisiert sind.

Der große Nachteil von Dieselfahrzeugen ist ihr hoher Ausstoß von Dieselrußpartikeln und Stickstoffoxiden (NOx). Durch den Einbau von Filtern konnte das Partikelproblem gelöst werden und moderne Diesel-Pkw emittieren heute auch im realen Betrieb teilweise weniger Partikel als Fahrzeuge mit Ottomotor mit Direkteinspritzung.

Das große Problem bleibt jedoch der sehr hohe Stickoxidausstoß. Diesel-PKW überschreiten die Euro-Grenzwerte für Stickstoffoxide (NOx) auf der Straße um ein Vielfaches:

Klick zur Vergrößerung
Stickstoffoxidausstoß von Diesel-PKW
Quelle: www.umweltbundesamt.de/presse/


Selbst die neusten Euro-6-Fahrzeuge stoßen im Straßenverkehr im Mittel sechsmal mehr Stickstoffoxide aus als auf dem Prüfstand. Denn für die Reduzierung dieses Schadstoffes sind aufwändige und anfällige Techniken zur Abgasreinigung notwendig. Diese können bei niedrigen Abgastemperaturen zu Problemen führen und benötigen teilweise einen weiteren Betriebsstoff (Harnstoff, verkauft unter dem Markennamen AdBlue). Um Probleme und Aufwand zu umgehen, haben Fahrzeughersteller Strategien zur Abschaltung dieser Systeme entwickelt, die zum großen Teil illegal sind. Leider tritt die Diskrepanz zwischen den Stickstoffoxidemissionen auf dem Prüfstand und im realen Fahrbetrieb auch bei leichten Lkw bis 3,5 t auf. Größere Fahrzeuge (Lkw) der neuesten Euro VI-Norm sind hingegen nicht betroffen, weil bei der Typzulassung bereits strenge Vorgaben für den Stickoxidausstoß auch im realen Fahrbetrieb einzuhalten sind.

Die hohen Stickstoffoxidemissionen von Diesel-Fahrzeugen sind die wichtigste Ursache für die Überschreitung des Luftqualitätsgrenzwertes für Stickstoffdioxid (NO2) an Hauptverkehrsstraßen.

Wegen dieser seit Jahren anhaltenden Grenzwertüberschreitung drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Die Beschaffung von Diesel-Pkw ist daher gemäß dem Rundschreiben nicht vorgesehen. Sie ist mit dem Risiko zukünftiger Nutzungseinschränkungen verbunden. Dies gilt besonders für die Dieselfahrzeuge, die den Abgasgrenzwert für Euro 6 von 80 mg/km im realen Betrieb um mehr als den Faktor 1,5 überschreiten.

Die Messung der Emissionen im realen Betrieb (RDE = real driving emissions) erfolgt auf der Grundlage der Europäischen Verordnungen Verordnung (EU) 2016/427 und (EU) 2016/646 bei allen Fahrzeugen, die seit Anfang 2017 das sogenannte Typgenehmigungsverfahren durchlaufen. Die Werte müssen von den Fahrzeugherstellern veröffentlicht werden und können daher im Rahmen einer Beschaffung erfragt werden. Bei Fahrzeugen, für die keinen Herstellermessungen vorliegen, können in Einzelfall Messungen des ADAC oder der Deutschen Umwelthilfe weiterhelfen.
Pkw-Verbrauchslabel
Klick zur Vergrößerung
Information über Kraftstoffverbrauch,
CO2 Emissionen und Stromverbrauch
Quelle: PKW Label
Seit 2011 muss für jeden zum Kauf oder Leasing angebotene Neuwagen ein Pkw-Label vorliegen. Es enthält die Effizienzklasse des Pkws, gibt den CO2-Ausstoß an und zeigt weitere Eckdaten wie etwa jährliche Kosten für Kraftstoff und Kfz-Steuer. So lassen sich Fahrzeuge leichter vergleichen.

Welche Effizienzklasse ein Auto bekommt, ist abhängig von CO₂-Ausstoß und Gewicht. Dies führt dazu, dass schwere Fahrzeuge mit entsprechend hohen CO2-Emissionen in der gleichen Effizienzklasse wie Kleinwagen mit niedrigem CO2-Ausstoß eingestuft werden. Daher wurden in dem Rundschreiben zur Pkw-Beschaffung auch keine Effizienzklassen als Kriterium gewählt, sondern Höchstwerte für den CO2-Ausstoß vorgegeben. Dieser muss ebenfalls auf dem Label angegeben werden.

Es ist jedoch zu beachten, dass die Angaben in dem Label aus Messungen auf dem Prüfstand stammen. Im realen Betrieb ist der Verbrauch oft höher. Realitätsnähere Werte werden z. B. vom ADAC mit dem Ecotest gemessen. Da jedoch der ADAC längst nicht alle Fahrzeugmodelle vermessen hat, können für die Fahrzeugbeschaffung gemäß Rundschreiben die Herstellerangaben zum CO2-Ausstoß verwendet werden.

Umfangreiche Informationen zum Pkw-Label: www.pkw-label.de
Ein kritischer Blick auf das derzeitige Label-System: www.vcd.org/themen

Aktuell

Öffentlicher Fuhrpark wird emissionsärmer
Pressemitteilung vom 15.01.2018 mehr

Download


Klick zur Vergrößerung
Ladesäule für Elektro­autos; Foto: SenUVK

Klick zur Vergrößerung
Stickstoffoxidausstoß
von Diesel-Pkw
Quelle: Umweltbundesamt

Klick zur Vergrößerung
Information über Kraftstoffverbrauch,
CO2 Emissionen und Stromverbrauch
Quelle: PKW Label