Studie: Umwelt- und Kostenentlastung durch eine umweltverträgliche Beschaffung

Vorteile

Nach § 7 Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz (BerlAVG) sowie der Berliner Verwaltungsvorschrift “Beschaffung und Umwelt” sind öffentliche Auftraggeber in Berlin dazu verpflichtet, bei der Vergabe von Aufträgen ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Doch welchen Effekt hat die umweltfreundliche Beschaffung auf die Klimabilanz des Landes Berlin? Und wie wirkt sich der Einkauf von ökologischen Spitzenprodukten finanziell aus? Um diese Fragen zu beantworten, hat unser Haus das Öko-Institut e.V. mit einer Studie beauftragt, in der die Umwelt- und Kostenauswirkungen einer umweltverträglichen Beschaffung gegenüber einer konventionellen Beschaffung untersucht wurden.

Innerhalb der Studie wurden 15 Produktgruppen und Dienstleistungen betrachtet, die bei der öffentlichen Hand häufig und in größeren Mengen beschafft werden. Die Beschaffungsgüter kommen aus den Bereichen Bürogeräte, Verbrauchsmaterialien, Beleuchtung, Gebäude, Abfallentsorgung und Verkehr. Für diese Produktgruppen und Dienstleistungen wurden die Kosten und Umweltwirkungen der Beschaffung eines konventionellen Produktes mit denen eines umweltverträglichen (beispielsweise eines energieeffizienten) Produktes verglichen.

Für die Berechnung der Kosten wurden dabei sowohl die Anschaffungskosten als auch die verbrauchsbedingten Energie- oder Materialkosten sowie, bei gegebener Relevanz, die Entsorgungskosten berücksichtigen. Die Kosten wurden als jährliche Lebenszykluskosten ausgewiesen.

Als Umweltwirkung wurden für die meisten Produkte, die mit dem Produkt verbundenen Treibhausgasemissionen (CO2-Äquivalente = CO2e) berechnet. Für einzelne Produkte wurden darüber hinaus weitere negative Umweltwirkungen bestimmt (beispielsweise Dieselrußemissionen, Wasserverbrauch, Holzverbrauch).

  • Tabelle zu Umweltentlastung und Kosten der 15 untersuchten Produktgruppen und Dienstleistungen

    PDF-Dokument (182.1 kB)
    Dokument: SenMVKU / Öko-Institut

In der Studie wurde ermittelt, dass die umweltverträglichen Beschaffungsvarianten in 10 von 15 Produktgruppen und Dienstleistungen in ihren Lebenszykluskosten günstiger sind als die konventionellen Beschaffungsvarianten. Die Produktgruppen, die zu einer Kostenentlastung führen, sind Pkw, Büroleuchten, Straßenbeleuchtung, Bodenbeläge, Gebäude, Multifunktionsgeräte, Computer, Kühl- und Gefriergeräte, Kopierpapier und Reinigungsmittel. Trotz des teilweise höheren Anschaffungspreises werden bei diesen Produktgruppen über die geringeren verbrauchsbedingten Ausgaben insgesamt Kosten eingespart. Bei Produktgruppen wie Kopierpapier und Reinigungsmittel ist das umweltverträgliche Produkt bereits bei der Anschaffung günstiger als das konventionelle Produkt.

Bei den übrigen 5 Produktgruppen und Dienstleistungen liegen die Lebenszykluskosten der umweltverträglichen Beschaffungsvarianten oberhalb der Kosten der konventionellen Variante. Darunter fallen die Entsorgung von Gewerbeabfall, Beschaffung von elektrischer Energie, Baumaschinen, Geschirrspülmaschinen und Textilien. Eine umweltverträgliche Beschaffung dieser Produktgruppen und der Dienstleistung wird dennoch empfohlen, da hier entweder das Umweltentlastungspotenzial besonders hoch oder der finanzielle Mehraufwand nur gering ist.

Ausgehend von den Potenzialen zur Umwelt- und Kostenentlastung einer umweltverträglichen Beschaffung der untersuchten 15 Produktgruppen und Dienstleistungen wurde in der Studie eine Hochrechnung auf das öffentliche Beschaffungsvolumen des Landes Berlin vorgenommen. Die nachfolgende Tabelle dokumentiert das Potenzial der jährlichen Einsparungen durch umweltverträgliche Beschaffung, das sich aus der Hochrechnung auf das öffentliche Beschaffungsvolumen des Landes Berlin ergibt (siehe: Seite 20 in der Kurzfassung).

Folgende Effekte wurden ermittelt:

  • Umweltentlastung

    Die jährlichen Treibhausgasemissionen der untersuchten Produktgruppen und Dienstleistungen sinken – ausgehend von rund 757.000 Tonnen CO2-Äquivalenten bei herkömmlichen Produkten – um einen Betrag von rund 355.000 Tonnen. Durch die umweltverträgliche Beschaffung können die Treibhausgasemissionen im Land Berlin um rund 47 Prozent gegenüber der konventionellen Beschaffung der untersuchten Produkte und Dienstleistungen gesenkt werden.
    Dies entspricht den Treibhausgasemissionen, die durch den Verbrauch von Erdgas und Fernwärme in allen landeseigenen Einrichtungen verursacht werden. Zudem werden weitere relevante Umweltentlastungen bewirkt wie Holzeinsparung sowie Partikelminderung. Im Ergebnis wird festgestellt, dass die Studie eindrucksvoll den nachhaltigen Nutzen (Kosten- und Umweltentlastung) einer umweltverträglichen Beschaffung im Land Berlin dokumentiert.

  • Kostenentlastung

    Die umweltverträgliche Beschaffung der untersuchten Produkte und Dienstleistungen führt zu einer berechneten Kostenentlastung des Berliner Landeshaushalts von 38 Mio. Euro pro Jahr. Bezogen auf das Beschaffungsvolumen der betrachteten 15 Produktgruppen und Dienstleistungen von rund 1 Milliarde Euro pro Jahr, stellt dies eine Kosteneinsparung von 3,8 Prozent dar.

  • Studie des Öko-Instituts Langfassung

    PDF-Dokument (2.9 MB)

  • Studie des Öko-Instituts Kurzfassung

    PDF-Dokument (551.1 kB)