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Ferdinand von Quast (1807–1877)

Ferdinand-von-Quast-Medaille
Ferdinand-von-Quast-Medaille
Bild: Landesdenkmalamt Berlin

Wilhelm Robert Alexander Ferdinand von Quast

Biografische Daten

  • Geboren am 23. Juni 1807 auf Gut Radensleben bei Neuruppin
  • Besuch der Plamann’schen Schule in Berlin und des Gymnasiums bei Neuruppin
  • 1825: Reifeprüfung; Studium der Theologie und Kameralistik an der Universität Berlin, daneben belegt F. v. Quast Vorlesungen über Kunstgeschichte und besuchte die Kunstakademie
  • 1825-39: Mehrere Studienreisen im In- und Ausland
  • 1827: Wechsel zum Architekturstudium an der Bauakademie
  • Schüler von Karl Friedrich Schinkel
  • 1828: Examen als Feldmesser
  • 1828-29: Bauleiter bei Karl Friedrich Schinkel. F. v. Quast gehört zum engeren Umkreis Schinkels. Freundschaft mit August Stüler, Heinrich Strack und Franz Kugler
  • Seit 1830: Angehender Baubeamter und freier Architekt
  • Seit 1832: Mitglied des Berliner Architekten-Vereins
  • 7. März 1835: Das Ressort Denkmalpflege wird durch Kabinettsorder dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten übertragen.
  • 1836: Baumeisterprüfung an der Bauakademie
  • 1837: F. v. Quast tritt mit einer Denkschrift zur Einrichtung einer preußischen Behörde für Denkmalpflege an die Öffentlichkeit. Er fordert die Einrichtung von Provinzialgesellschaften, die außerhalb der Residenz in Verbindung mit den königlichen Baubeamten für die Pflege der Baudenkmale sorgen und fordert als deren Oberaufsicht das mit einer Person zu besetzende Amt eines Staatskonservators.
  • Seit 1839: Konservatorische Betreuung der Restaurierung der Liebfrauenkirche in Halberstadt
  • Seit 1840: Konservatorische Betreuung der Restaurierung des Domes in Havelberg
  • 1842-43: Restaurierung der Berliner Franziskaner-Klosterkirche
  • 1842: Auf Betreiben des Architekten-Vereins fordert der erste deutsche Architektentag in Leipzig die Stärkung der Denkmalpflege und Bildung von Provinzialvereinen zur Erhaltung von Kunstdenkmalen.
  • 1842: Besichtigung und Untersuchung der Liebfrauenkirche in Halberstadt mit August Stüler
  • 1842-47 und 1862-73: Planung und konservatorische Betreuung der Restaurierung des Aachener Münsters
  • 1. Juli 1843: Friedrich Wilhelm IV. bestellt den “Architekten von Quast als Konservator der Kunstdenkmäler”, befördert ihn in den Rang eines Baurats und unterstellt ihn unmittelbar dem Ministerium der geistlichen Angelegenheiten.
  • 1843-47 und 1850-51: Konservatorische Untersuchung und Betreuung der Restaurierung der Basilika in Trier
  • 1844: Erlasse über Zuständigkeit und Arbeitsinhalte des Staatskonservators, die vermutlich F. v. Quast selber formulierte. Der Staatskonservator soll im Wesentlichen Restaurierungsobjekte gutachterlich beurteilen, nicht aber persönlich Restaurierungsarbeiten vornehmen.
  • 1846: Vom Kultusministerium veranlasst, erörtert F. v. Quast in einem (verschollenen) Gutachten die Geschichte und den Aufbau des Denkmalschutzes in Frankreich und Deutschland. Für seine eigene Stellung fordert er mehrere Verbesserungen:
    1. Einsichtnahme in alle laufenden Anträge,
    2. persönlicher Vortrag beim Kultusminister,
    3. zwei Hilfskräfte (1 Baumeister und 1 Sekretär),
    4. Klärung der Kompetenzen im Verhältnis zur Oberbaudeputation,
    5. Begründung eines Zentralarchivs,
    6. Herausgabe von Publikationen,
    7. Bewilligung von jährlichen festen Fonds für die Erhaltung der Denkmäler.
  • 1847-1857: F. v. Quast begleitet Friedrich Wilhelm IV. auf Reisen; besichtigt werden v.a. Sakralbauten
  • 1850: F. v. Quast wird zum Mitglied der Technischen Oberbaudeputation ernannt. Er beteiligt sich an den Beratungen dieser Behörde, soweit sie die Baudenkmäler betreffen.
  • 1853: Nach den Vorschlägen Quasts wird eine Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunstdenkmäler eingesetzt, welche aber aus Geldmangel nicht lange existiert.
  • 1854: Friedrich Wilhelm IV. verleiht F. v. Quast den persönlichen Titel eines Geh. Regierungsrats im Range eines Rates III. Klasse, ohne aber die Stelle selbst und die Besoldung anzuheben.
  • 1856: Renovierung der ehemalige Prämonstratenserkirche in Jerichow nach Vorschlägen F. v. Quasts
  • 1859-65: Renovierung der Stiftskirche in Gernrode nach Entwürfen F. v. Quasts
  • 1859-84: Konservatorische Betreuung der Restaurierung der Liebfrauenkirche in Trier
  • Seit 1860: F. v. Quast setzt sich für die Erhaltung und Dokumentation wertvoller Architekturteile der Berliner Gerichtslaube ein
  • 1863: Gutachten für die Restaurierung des Holstentores in Lübeck
  • Seit 1866: F. v. Quast versucht mit Hilfe von Kronprinz Friedrich Wilhelm (dem späteren Kaiser Friedrich III.) die Zerstörung mehrerer Bauwerke abzuwenden, so z.B. des Wehrgürtels der Städte Köln, Trier und Nürnberg, der Gerichtslaube und des Gießhauses in Berlin sowie des großen Saales des Stettiner Schlosses
  • 1867-80: Konservatorische Betreuung der Restaurierung des Domes in Frankfurt/Main
  • 1868-86: Renovierung der Stiftskirche in Quedlinburg nach Vorschlägen F. v. Quasts
  • 1872-76: Konservatorische Betreuung der Restaurierung der Saalburg bei Bad Homburg
  • 1876: Gutachten zur Farbfassung der Marburger Schlosskapelle
  • Im heutigen Polen war F. V. Quast beteiligt an den Vorbereitungen für die zweite Restaurierungsperiode (1882-1939) der Marienburg/Malbork
  • Gestorben am 11. März 1877

Die Restaurierung der Franziskaner-Klosterkirche

Ferdinand von Quast war 1842-43 als Bauführer an der Restaurierung der mittelalterlichen Franziskaner-Klosterkirche in der Klosterstraße in Berlin-Mitte beteiligt – sein erstes praktisches Bauprojekt in der Denkmalpflege. Die frühgotische Klosterkirche wurde um 1250-65 als dreischiffige, kreuzrippengewölbte Backsteinbasilika errichtet und diente v.a. im 14. Jahrhundert als Begräbnisstätte für die brandenburgischen Markgrafen. Nach der Reformation wurde 1574 in einem Teil der Klostergebäude eine Schule eingerichtet, aus der das berühmte Gymnasium “Zum Grauen Kloster” hervorging. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Franziskanerkirche stark vernachlässigt.

Bereits 1813 sollte das baufällig gewordene Gebäude nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel wieder instand gesetzt werden. Trotz großen Engagements der Öffentlichkeit, die das Bauwerk als Denkmal der Geschichte empfand und seine Erhaltung forderte, begann die Restaurierung der Kirche aber erst 1842-43. Dabei kam es zu einem symptomatischen Konflikt zwischen denkmalgerechter Erhaltung im Sinne Ferdinand von Quasts und künstlerisch-ästhetischer Neugestaltung im Sinne Friedrich Wilhelm IV.

Am 1. Mai 1842 wurde Ferdinand von Quast die Bauleitung übertragen. Ihm ging es bei der Klosterkirche v.a. um die historisch getreue Wiederherstellung, die sich jeder eigenen Zutat enthielt. Das Vorhandene sollte lediglich erhalten und restauriert werden. Ferdinand von Quast schrieb dazu: “Das Ursprüngliche und Echte hat überall einen entschiedenen Werth und nicht das alt Aussehende, sondern das wirklich Alte vermissen wir in Berlin”. Ferdinand von Quast untersuchte die ursprüngliche Gestalt und die von Putz und Tünche verdeckte farbige Ausmalung des Bauwerks sowie die figürlichen Malereien und die ehemals überall vorhandenen Glasmalereien. Auch sollte die Franziskanerkirche ihrem Charakter nach nicht mit einem Turm, sondern nur mit einem bescheidenen Glockentürmchen versehen werden. Der Blick auf die Kirche von der Straße aus sollte frei gemacht und der Vorplatz um so viel tiefer gelegt werden, dass die Sockel aus dem inzwischen erhöhten Boden wieder zum Vorschein kämen.

Friedrich Wilhelm IV. hingegen wünschte und befahl eine malerische Umgestaltung der Westfront an der Klosterstraße, mit zwei schlanken Türme vor den Strebepfeilern des Mittelschiffs und einem gemauerten Türmchen auf dem Giebel. Ein Arkadengang, der den Vorhof der Kirche von der Klosterstraße abschirmte, vervollständigte das romantische Architekturbild.

Ferdinand von Quast konnte sich mit seinen Vorstellungen nicht gegen den Willen des Königs durchsetzen. Die mit großem Eifer übernommene Aufgabe wurde für ihn eine große Enttäuschung, so dass er 1843 die Bauleitung wieder abgab.

Nach seinem Rückzug wurden 1844 im Innern die Rundbilder an den Längswänden des Chores abgeschlagen, obwohl sie, wie Ferdinand von Quast bemerkte, wohl aus der Bauzeit der Kirche stammten “und daher zu den ältesten Wandmalereien gehören, welche wir in Deutschland besitzen”. Auch die Reste des Lettners beseitigte man, gegen deren Abbruch Ferdinand von Quast im November 1843 als Konservator der Kunstdenkmäler vergeblich Einspruch erhoben hatte.

1926-35 beseitigte man die Zutaten des 19. Jahrhunderts größtenteils wieder. Nach den Kriegszerstörungen ist die Klosterkirche nur noch als Ruine erhalten.

Quellen und Literatur

Bartmann-Kompa, Ingrid (1987):
Die Berliner Gerichtslaube. Geschichte einer Architektur-Dokumentation.
In: Institut für Denkmalpflege Berlin (Hrsg.): “Denkmale in Berlin und in der Mark Brandenburg”. Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, S. 127-143.

Buch, Felicitas (1990):
Studien zur Preußischen Denkmalpflege am Beispiel konservatorischer Arbeiten Ferdinand von Quasts.
Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft.

Engel, Helmut (1990):
Zur Verleihung der Ferdinand-von-Quast-Medaille.
In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz Berlin (Hrsg.): “Tag für Denkmalpflege in Berlin, Reinickendorf 1987”. Berlin: Kulturbuch-Verlag, S. 11-15.

Kohte, Julius:
Ferdinand v. Quast und die Wiederherstellung der Klosterkirche in Berlin.
In: “Die Denkmalpflege”, Schriftleitung des Zentralblattes der Bauverwaltung (Hrsg.), VIII. Jahrgang 1906, Berlin: Wilhelm Ernst & Sohn, S. 20-24, 28f.

Kohte, Julius:
Ferdinand von Quast (1807-1877), Konservator der Kunstdenkmäler des Preußischen Staates.
In: “Deutsche Kunst und Denkmalpflege”, 35. Jahrgang 1977 Heft 2. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, S. 114-131.

Kohte, Wolfgang:
Nachwort zur Publikation von Julius Kohtes Biographie des Konservators Ferdinand von Quast.
In: “Deutsche Kunst und Denkmalpflege”, 35. Jahrgang 1977 Heft 2. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, S. 136-138.

Michler, Jürgen:
Zur Farbfassung der Marburger Schloßkapelle.
In: “Deutsche Kunst und Denkmalpflege”, 36. Jahrgang 1978 Heft 1/2. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, S. 37-52.

Mohr de Pérez, Rita (2001):
Die Anfänge der staatlichen Denkmalpflege in Preußen. Ermittlung und Erhaltung alterthümlicher Merkwürdigkeiten.
Forschungen und Beiträge zur Denkmalpflege im Land Brandenburg, Band 4. Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft, S. 11-13, 103-109, 125-128, 137-142, 144.

Pieske, Christa:
Die Gestaltung des Holstentorplatzes in Lübeck 1906- 1913- 1926.
In: “Deutsche Kunst und Denkmalpflege”, 33. Jahrgang 1975 Heft 1/2. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, S. 73-90.

von Quast, Ferdinand (1837):
Pro memoria in Bezug auf die Erhaltung der Alterthümer in den Königlichen Landen.
In: “Deutsche Kunst und Denkmalpflege”, 35. Jahrgang 1977 Heft 2. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, S. 132-136.

Ress, Anton:
Berichte, Die Tagung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland vom 25. Juni bis 1. Juli 1962.
In: “Deutsche Kunst und Denkmalpflege”, Jahrgang 1962. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, S. 127-149.

Die Plankammer der TU Berlin bewahrt Tagebücher (in Abschrift) und 7000 Blatt Zeichnungen auf.

Die Zitate in der Biografie wurden entnommen:
Julius Kothe (1906), der den Nachlass Ferdinand von Quasts und die Altakten einsehen konnte.