Marzahn-Hellersdorf ist einer der grünsten Bezirke Berlins mit theoretisch vielen kurzen Wegebeziehungen in typischen Fahrradentfernungen. Tatsächlich ist der Bezirk geprägt durch einen überdurchschnittlich hohen privaten Pkw-Besitz und eine sichtbar unterdurchschnittliche Fahrradnutzung.
Hauptproblem für eine normale Fahrradnutzung in Marzahn-Hellersdorf ist das nahezu vollständige Fehlen attraktiver, dem Stand der Technik ausgebauter und und nach Quell- und Zielgebieten vernetzter Radrouten, Radwege und Fahrradstraßen abseits der Hauptstraßen.
So ist die theoretisch bestehende Hellersdorf-Route RR8 vom Schlossplatz in Berlin-Mitte zum S-Bahnhof Birkenstein nicht nur baulich ein bunter Gemischtwarenladen wie man ihn sich niemals trauen würde dem Kfz-Verkehr anzubieten. Anstatt Ziele wie die Gärten der Welt oder Helle Mitte anzubinden, verläuft sich diese Route von Kaulsdorf Nord kommend genau genommen auch im Nichts.
Besser und landschaftlich einmalig attraktiv verläuft der Wuhleweg, der nach langem Kampf vor genau zwei Jahren endlich auch offiziell für Radfahrer freigegeben wurde. Tatsächlich ist dieser Weg jedoch wohl aus ideologischen Gründen mit hässlichen, nach kurzer Zeit rissigen, schmalen und außergewöhnlich teuren Betonspuren gebaut worden, die Konflikte schaffen, wo es keine gibt: Skaten ist nicht möglich, gefahrloses Überholen beim Radfahren ist nicht möglich, entspanntes nebeneinander Laufen ist nicht möglich. Eine an den Bürgerinnen und Bürgern orientierte Planung hätte hier – wie zum Beispiel mit bestens ausgebauten, neu asphaltierten und zum Rad fahren freigegebenen Wegen im Großen Tiergarten – eine normale Wegebreite von fünf Metern vorgesehen.
Der Grünzug mit einem ausgebauten Radweg entlang des Hellersdorfer Hauptgrabens und der U-Bahnlinie U5 steht bereits seit Anfang der 1990er Jahre ganz oben auf der Wunschliste vieler Bürgerinnen und Bürger von Marzahn-Hellersdorf. Auf diesem Radweg ist es nach dem nachhaltigen Ausbau nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch möglich die Ortsteile Kaulsdorf, Hellersdorf und Hönow vollkommen autofrei, ohne jede Berührung einer Hauptstraße ruhig, grün und schnell zu durchqueren.
Mit dem U5-Radweg wären alle Zentren in der Großsiedlung Hellersdorf sicher, attraktiv und schnell mit dem Fahrrad erreichbar, so wie es heute mit dem privaten Pkw auf vielen bestehenden für den Kfz-Verkehr optimierten Hauptstraßen selbstverständlich erwartet wird und der Fall ist.
Der U5-Radweg ist zudem der logische Lückenschluss zum Land Brandenburg und zum ausgebauten Europaradweg R1/ZR1 in Hönow und weiter nach Strausberg, in Richtung Berliner Innenstadt entlang der Bahnhöfe Wuhletal, Elsterwerdaer Platz und Biesdorf Süd zum im Bezirk Lichtenberg bestens ausgebauten U5-Radweg nach Tierpark und dem der S-Bahnlinie S3 folgenden neuen Radweg zur Rummelsburger Bucht.
Mit wenigen fehlenden Lückenschlüssen kann der U5-Radweg also ein echtes Angebot zur Fahrradnutzung vom Land Brandenburg ins Berliner Zentrum werden. Und natürlich muss der Ausflug ins Grüne nach Brandenburg nicht mit dem Auto begonnen werden, sondern kann direkt vor der Haustür mit dem Fahrrad starten. So wie es entlang der nachhaltig ausgebauten Radfernwege in Brandenburg seit einigen Jahren selbstverständlich Standard ist.
Vor allem in Zeiten knapper Kassen ist keine Mobilitätsform preiswerter zu fördern als die des Fahrradverkehrs. In Berlin werden täglich 13 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt – doppelt so viele, wie Anfang der 1990er Jahre. Trotzdem werden weniger als ein Prozent der zur Verfügung stehenden Investitionsmittel im Verkehrsbereich für den Fahrradverkehr ausgegeben. Der Ausbau des U5-Radweges dürfte zudem vollständig förderfähig sein – aus dem Radverkehrsetat des Landes Berlin, aus dem EntflechtG oder aus Mitteln der Europäischen Union – mit einem geringen Eigenanteil des Bezirkes.




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