Am 21. November 2008 wurden im Berliner Rathaus in feierlichem Rahmen FreiwilligenPässe verliehen. Frau Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner sagte in ihrem Grußwort:
"Ich freue mich, dass ich wieder einmal Berliner FreiwilligenPässe ausgeben kann, heute gemeinsam mit meiner Kollegin Frau Staatssekretärin Dr. Petra Leuschner.
Die feierliche Verleihung von FreiwilligenPässen hat mittlerweile eine gewisse Tradition erlangt, denn es ist dies nun schon meine achte Festveranstaltung zur Verleihung von FreiwilligenPässen.
Ich kann Ihnen sagen, die heutige Festveranstaltung ist die größte, die wir bisher durchgeführt haben. Immerhin haben wir uns vorgenommen, heute 111 ehrenamtlich Engagierten aus 38 Organisationen den Berliner FreiwilligenPass zu überreichen. Auch das ist ein guter Beleg für die positive Resonanz, die der FreiwilligenPass bei Ihnen, den ehrenamtlich Engagierten, findet. Ich freue mich darüber, denn es ist ja unsere Intention, mit diesem Dokument unseren Dank und unsere Anerkennung für Ihr Engagement auszudrücken. Ich möchte Ihnen also ganz herzlich gratulieren.
In Berlin sind rund 850.000 Menschen ehrenamtlich engagiert. Das ist ein großes Potential, das vielen Menschen in ihrem Alltag in dieser Stadt zugute kommt. Dieses Engagement findet in mehr als 20.000 Vereinen statt. Sie sehen daran, dass das freiwillige Engagement in Berlin sehr weit verbreitet ist und längst kein Schattendasein führt, wie oft vermutet wird. Ohne das ehrenamtliche Engagement wären Sportvereine, soziale Einrichtungen, Nachbarschaftshilfen, kulturelle Angebote und vieles andere mehr in der bisherigen Qualität und Quantität kaum denkbar. Ehrenamtliche Arbeit findet aber auch als Interessenvertretung, z.B. als Arbeitnehmervertretung oder in Gewerkschaften oder auch als Schüler- oder Elternvertretung statt. Die Vielfalt und Intensität des ehrenamtlichen Engagements sind mit entscheidend für die Lebensqualität in unserer Stadt und irgendwie profitieren wir alle davon, auch wenn wir es oft gar nicht direkt merken – merken es aber sofort, wenn es ausfällt.
Das freiwillige soziale Engagement und die ehrenamtliche Arbeit sind ein unverzichtbares Element der sozialen Daseinsvorsorge. Wir sehen in vielen Bereichen der Stadt, dass bürgerschaftliche Initiativen wichtige Impulse geben, wenn es darum geht, die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen.
Dies gilt für alle Bereiche; sowohl für die Sicherung der klassische Bereiche des Sozialen, für Bildung und Kultur, aber auch für Herausforderungen eines neuen Miteinanders einer älter werden Gesellschaft, für Modelle eines neuen Miteinanders der Generationen. Oder für Modelle für einen produktiven Umgang mit den Herausforderungen der Einwanderungsstadt.
Das Klima unseres Gemeinwesens wird durch die gegenseitige Zuwendung und die Hilfe von Mensch zu Mensch, durch praktizierte Solidarität und Nächstenliebe geprägt.
Kein Senat könnte alles das ersetzen, was hier im Rahmen von Selbsthilfe, im Rahmen von bürgerschaftlichem Engagement und durch ehrenamtliche Arbeit geleistet wird.
Für mich ist das freiwillige Engagement für den einzelnen Menschen ebenso wie für das Sozialwesen eine zentrale Grundlage einer sozialen und aktiven Demokratie und für eine lebendige Bürgergesellschaft unverzichtbar.
Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit auch sagen: Wir brauchen gesellschaftliche Leitbilder, die für alle gültig sein sollen, die hier leben und leben wollen. Ich wünsche mir, dass zu diesen Leitbildern auch das Leitbild des engagierten Ehrenamtlichen gehört. Solidarität, Bürgersinn und auch Zivilcourage sind für eine Gesellschaft wie die unsere, die auf Integration und Teilhabe gegründet ist, unverzichtbar. Und diese Werte gewinnen gerade in der jetzigen Zeit des sich beschleunigenden gesellschaftlichen Wandels zunehmend an Bedeutung.
Ehrenamtliches Engagement trägt dazu bei, dass die menschliche Zuwendung eine erlebbare Erfahrung bleibt, die nicht durch bezahlte Arbeit gesichert oder gar ersetzt werden kann. Damit aber auch kein Zweifel besteht: Soziale Arbeit muss auch zukünftig professionell und bezahlt sein, aber wir tun gut daran, zu schauen, wo sie sinnvoll durch freiwillige Arbeit ergänzt werden kann.
Und lassen Sie mich das bei dieser Gelegenheit auch sagen: es reicht nicht, nur Gutes zu tun. In unserer heutigen durch die Medien gesteuerten Öffentlichkeit müssen wir auch dafür sorgen, dass darüber geredet wird. Denn nur so wird die Arbeit auch wahrgenommen und kann gewürdigt werden. Mit dieser Wahrnehmung ist dann auch, so hoffe und wünsche ich mir, ein Stück Anerkennung verbunden. Anerkennung ist ein menschliches Bedürfnis. Anerkennung motiviert und gibt uns Menschen das Gefühl, für uns selbst und für andere Nützliches zu leisten.
Mit der heutigen Ehrung verbinden wir auch die Absicht, das Augenmerk auf bestimmte Felder ehrenamtlicher Tätigkeit zu lenken. Wir wollen damit zugleich die Vielfalt und die Vielseitigkeit sozialen Engagements in unserer Stadt sichtbar machen.
Wir erleben zurzeit auch einen Wandel im Stellenwert des Ehrenamtes. Es hat sich im letzten Jahrzehnt ein neues Ehrenamt herausgebildet, mit neuen Strukturen des freiwilligen sozialen Engagements, veränderter Motivation und mit anderen Erwartungen und Zeitstrukturen.
Ehrenamtliche Arbeit wird es auch zukünftig nicht völlig umsonst geben. Alle Untersuchungen und Forschungen in diesem Bereich belegen, dass auch ehrenamtliche Arbeit eine Unterstützung durch professionelle dauerhafte Strukturen braucht, die ein stabilisierendes Rückrat bilden und für Weiterbildungsmöglichkeiten und Qualifikation sorgen. Auch die ehrenamtliche Arbeit ist nicht zum Nulltarif zu haben.
Sich für andere, für das Gemeinwohl oder für ein bestimmtes Anliegen zu engagieren, kann auch einen Nutzen für die eigenen Belange haben. Es kann zur persönlichen Zufriedenheit beitragen, es schafft soziale Kontakte, und es gibt dem Leben einen Sinn. Darüber hinaus kann es aber auch einen Nutzen für die berufliche Zukunft haben, denn die bei der ehrenamtlichen Arbeit erworbenen Fähigkeiten können durchaus für berufliche Tätigkeiten relevant sein. Diese Erwartungen machen insbesondere junge Menschen, aber auch viele Frauen und Männer nach bestimmten Lebensphasen, zum Beispiel Erziehungsurlaub oder Arbeitslosigkeit. Mit dem Berliner FreiwilligenPass werden die erworbenen Fähigkeiten anerkannt und dokumentiert. Frauen und Männer können den FreiwilligenPass für den beruflichen Einstieg oder Wiedereinstieg verwenden.
Das Ehrenamt kann aber auch bei der Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler nützlich sein, da in der ehrenamtlichen Arbeit berufliche Neigungen oder Fähigkeiten erkannt und erprobt werden können.
Meine Damen und Herren,
mit dem Berliner FreiwilligenPass verfolgen wir daher vor allem zwei Ziele:
• Die freiwillig und ehrenamtlich Tätigen sollen durch diese Würdigung und Wertschätzung Dank und Anerkennung für ihre persönlich erbrachten Leistungen erfahren.
• Die erworbenen Fähigkeiten sollen sichtbar gemacht und für das berufliche Fortkommen genutzt werden können.
Deshalb freue ich mich, das wir dies heute so zahlreich einlösen können und wünsche uns gemeinsam einen interessanten Nachmittag
Frau Sabine Werth bedankte sich mit den Worten:
"Sehr geehrte Frau Senatorin, sehr geehrte Frau Staatssekretärin,
sehr geehrte Damen und Herren!
Vielen Dank für die Ehre, hier heute diese Worte sprechen zu dürfen.
Der FreiwilligenPass ist eine Auszeichnung, die europaweite Auswirkungen hat. Mit diesem Nachweis haben alle die Möglichkeit, über die bundesdeutschen Grenzen hinaus nachzuweisen, dass sie in ihrem Land ehrenamtlich, freiwillig aktiv waren oder sind. Ein Nachweis, der bei zunehmender Globalisierung immer wichtiger und auch attraktiv wird, denn auch bei Bewerbungen ist es zunehmend wichtig, eine ehrenamtliche Tätigkeit nachzuweisen.
Als Vorsitzende der Berliner Tafel stehe ich für 600 Ehrenamtliche und zusätzlich 1200 Ehrenamtliche bei LAIB und SEELE, unserer Aktion mit den Kirchen und dem rbb.
Nachdem wir im Februar 1993 in Berlin die erste Tafel gegründet haben, sind es derzeitig über 800 Tafeln im gesamten Bundesgebiet mit mehr als 45.000 Ehrenamtlichen.
Ich richte meinen Dank als Ehrenamtliche an die Politik,
ich richte meinen Dank als Ehrenamtliche an Sie als Ehrenamtliche.
Durch unsere Menge schaffen wir Bewusstsein:
Bewusstsein für Missstände, Bewusstsein für Not, Bewusstsein für gegenseitiges füreinander Einstehen.
An uns kann niemand vorbei. Und natürlich will auch niemand an uns vorbei.
Vielerorts richten wir die Dinge, richten wir Stimmungen, richten wir Missstände.
Wir greifen auf, wo sonst oft nichts passierte.
Wir tun es für andere, aber wir tun es auch für uns!
Die Motivationen sind vielschichtig.
Vor kurzem sah ich in der ARD einen Betrag, in dem eine Leiterin einer Hundestaffel sagte: "Der Eintritt ist freiwillig, der Austritt ist freiwillig, alles dazwischen ist Pflicht."
Diese Pflicht nehmen wir gern auf uns, denn wir sind ein Teil dieser Gesellschaft,
wir nehmen unsere Verantwortung für und in dieser Gesellschaft ernst.
Wir dürfen aber nicht zum Feigenblatt werden!
Daher bitte ich alle Verantwortlichen in der Politik:
Bemerken Sie uns weiter!
Geben Sie uns auch Auszeichnungen (denn das tut unseren Seelen gut)!
Aber sorgen Sie bitte auch dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen:
Hier nur zwei Beispiele:
Anerkennung unseres Ehrenamtes auf die Rente!
Vergünstigungen beim Personennahverkehr!
(Wobei ich glaube, dass wir eher eine Chance auf die Anrechnung auf die Rente haben, als dass wir je frei die BVG benutzen können!)
Bis wir aber diese und andere Anerkennung erhalten, danke ich Ihnen stellvertretend für die Anerkennung unserer ehrenamtlichen Arbeit durch den FreiwilligenPass."



