Sie möchten sich ehrenamtlich engagieren, wissen aber nicht in welchem Projekt? Oder gehören Sie einer gemeinnützigen Organisation an und suchen Freiwillige zur Unterstützung Ihrer Arbeit? Dann schauen Sie doch bei einer der zahlreichen Freiwilligenagenturen in Berlin vorbei.
Freiwilligenagenturen bringen Interessenten an bürgerschaftlichem Engagement und Einrichtungen, die freiwillige Mitstreiter suchen, zusammen. Auf Landesebene sind sie seit mittlerweile acht Jahren in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Berlin zusammengeschlossen.
Freiwilligenagenturen vermitteln Menschen aller Altersgruppen, die sich freiwillig engagieren möchten an regionale Projekte, Initiativen, Vereine, die mit Freiwilligen arbeiten. In individuellen und kostenlosen Beratungsgesprächen werden die Wünsche, Motive und Erfahrungen der Interessenten mit den vielfältigen Projekten und Initiativen abgeglichen und zusammen gebracht. So entstehen vor Ort neue Netzwerke für bürgerschaftliches Engagement und es wird ein reger Fach- und Erfahrungsaustausch angeregt.
Zur Schaffung und Umsetzung der erforderlichen Rahmenbedingungen ehrenamtlichen Engagements, wie eine differenzierte Aufgabenbeschreibung für die Freiwilligen oder die Schlichtung von Konflikten bei der Freiwilligenarbeit bieten die Agenturen ebenfalls ihre Hilfe an. Sei es durch Kurse im Freiwilligen- oder Konfliktmanagement oder durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Organisationen. Neben gemeinnützigen Einrichtungen sind die Freiwilligenorganisationen Ansprechpartner für Unternehmen für das Thema Corporate Social Responsibility. So bietet der Treffpunkt Hilfsbereitschaft interessierten Unternehmen unter anderem Informationen und Beratung bei der Suche nach einem gemeinnützigen Projekt für eine Spende oder beim Aufbau einer Corporate Volunteering Abteilung an.
Im Jahr 2000 haben sich die Freiwilligenagenturen in Berlin zur Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA) zusammengeschlossen, um einen regelmäßigen Fachaustausch und eine gemeinsame Interessenvertretung nach außen zu gewährleisten. Angeregt wurde die Zusammenarbeit vom Treffpunkt Hilfsbereitschaft - die Landesfreiwilligenagentur Berlin mit dem Ziel, über einen Fachaustausch hinaus gemeinsame Aktivitäten zu planen, geschlossen gegenüber Politik und Wirtschaft aufzutreten und somit bürgerschaftliches Engagement besser sichtbar machen zu können. Die LAGFA kennt keine feste Mitgliedschaft, so dass die Anzahl der Mitglieder häufig schwankt. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass in vielen Freiwilligenagenturen 1-Euro-Kräfte arbeiten und mit dem Ende der Finanzierung durch das Arbeitsamt auch die Freiwilligenagentur aufhört zu existieren. Größtenteils sind die Agenturen jedoch Projekte von mehreren Trägern, wie Vereine, Bezirksämter oder die Kirchen. Je nach finanzieller Lage arbeiten die Mitglieder haupt- oder ehrenamtlich bei der Beratung.
Zur Zeit umfasst die LAGFA nach Aussage von Andrea Brandt von der FreiwilligenAgentur Kreuzberg-Friedrichshain, neben Bettina Bofinger von der Deutsch-Russischen Ehrenamtsbörse Sprecherin der LAGFA, fünfzehn Mitglieder. Diese tagen vierteljährlich zu aktuellen Themen, veranstalten einmal jährlich eine themenspezifische Fachtagung und kooperieren bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Eines der aktuellen Projekte der LAGFA ist das Bürgernetz, einer bundesweiten Online-Engagement-Börse, an der zur Zeit vier Mitgliedsorganisationen teilnehmen. Das Bürgernetz ermöglicht den Vereinen und Initiativen ihre Arbeit und Projekte zu präsentieren, ihre Engagementangebote deutschlandweit zu beschreiben und Veranstaltungshinweise sowie Stellungnahmen zu veröffentlichen.
Auch 2009 ist die LAGFA wieder auf dem Berliner Freiwilligentag im September geschlossen für ihre Mitgliedsorganisationen aufgetreten und hat eine Fachtagung veranstaltet. Weiterhin ist geplant neben der AG Schule, die den Kontakt der Freiwilligenagenturen zu den Berliner Schulen stärken und somit das Interesse von Jugendlichen für ehrenamtliche Arbeit wecken will, eine AG Migration zu gründen. Diese soll sich mit Fragen des ehrenamtlichen Engagements von Migrantinnen und Migranten befassen und unter anderem überlegen, wie die Angebote der Freiwilligenagenturen für diese Zielgruppe interessanter gestaltet werden können. Bereits jetzt verfügt die LAGFA unter ihren Mitgliedern über einen ausgesprochenen Experten auf diesem Gebiet. Die Deutsch-Russische Ehrenamtsbörse wendet sich speziell an in Berlin lebende Spätaussiedler und russischsprachige Migranten. Durch ehrenamtliche Arbeit erhalten die Migranten die Chance, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, Kontakte zu knüpfen oder gegebenenfalls auch berufswichtige Qualifikationen zu aktualisieren. Die Ehrenamtsbörse ist ein Projekt des Deutsch-Russischen Austausch e.V., der für seine Bemühungen den Prozess der Integration voranzutreiben 1998 mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet wurde.



