«Not Just A Jewel»-Gründerin Susana Gomez

«Not Just A Jewel»-Gründerin Susana Gomez

«Not Just A Jewel» ist Mode- und Tech-Start-up zugleich. Vor allem aber ist es ein Unternehmen, das sich auf die persönliche Sicherheit der Kund*innen spezialisiert hat. Das Produkt: Ein innovatives Schmuckarmband mit integriertem Personenalarm.

Susana Gomez

© Susana Gomez

Not Just A Jewel-Gründerin Susana Gomez

Das Start-up-Unternehmen «Not Just A Jewel» (NJAJ) arbeitet an der Produktion eines Schmuckarmbands mit integriertem Personenalarm, der ausgelöst werden kann, wenn sich Träger oder Trägerin bedroht fühlt. Über das Besondere im Vergleich zu anderen Wearables für die persönliche Sicherheit, über die Zusammenarbeit von Mode- und Tech-Branche und über die Start-up-Stadt Berlin haben wir mit Gründerin Susana Gomez gesprochen.

Berlin gilt als besonders beliebt bei Start-up-Gründern – Was glauben Sie, sind die Gründe dafür?

Egal zu welchem Thema man eine Veranstaltung oder Fachleute sucht, in Berlin wird es einem leicht gemacht, sie zu finden. Berlin bietet zudem eine reiche Auswahl an Stipendien mit niedrigen Einstiegshürden und ist mit seinen Makerspaces definitiv «the place to be» für ein Hardware Start-up. Ich bin sehr froh, dass ich bereits im Juli 2019 angefangen habe, mich in der Berliner Gründerszene umzusehen und sozusagen vor Corona in den Genuss der ganzen Vorzüge gekommen bin. Ich habe sehr viele MeetUps besucht, um Mitgründer*innen zu finden, um Menschen zu treffen, mein Netzwerk auszubauen und mit Expert*innen zu sprechen.

Welche unerwarteten Hürden mussten Sie bei der Gründung in Berlin überwinden? In welchem Bereich hätten Sie sich mehr Unterstützung gewünscht?

Mitgründer*innen zu finden, war besonders am Anfang schwer. Es gibt tatsächlich eine Menge Netzwerke und Initiativen, die Gründer*innen bei der Suche unterstützen. Allerdings hatte ich das Problem, dass ich dort meist nur andere angehende Gründer*innen getroffen habe, die bereits ihre eigene Idee hatten und selbst vergeblich nach Mitstreiter*innen gesucht haben. Ich denke, dass Schulen und Universitäten die Option Unternehmer*in zu werden stärker in den Fokus nehmen sollten und unter anderem auf diese Matching-Veranstaltungen aufmerksam machen sollten.

Wie sind Sie auf die Idee zu Not Just A Jewel gekommen?

Ich habe nach meinem 40. Geburtstag angefangen darüber nachzudenken, wie es wohl sein wird, wenn meine beiden Töchter als Jugendliche ihre eigenen Wege gehen und wie ich mich selbst in meiner Jugend so durch die Weltgeschichte bewegt habe. Damals gab es noch keine Mobiltelefone und ich bin meiner Mutter sehr dankbar dafür, dass sie mir immer vertraut hat und ich meine eigenen Erfahrungen machen konnte. Leider waren das nicht nur gute Erfahrungen – auf jeden Fall auch solche, vor denen ich meine Kinder schützen will. Genauso wichtig ist mir allerdings, dass sie sich immer und überall frei und unabhängig bewegen können und ihre eigenen Erfahrungen machen.

Daraus habe ich die Idee zu unserem Schmuckarmband mit integriertem Alarm entwickelt, das ihnen eine laute Stimme gibt, für den Fall, dass die eigene versagt. Gleichzeitig sind sie über das Armband in einer Notsituation direkt mit mir oder ihren Freund*innen verbunden, die dann Hilfe organisieren können - ohne dauerhaftes Tracking.

Wie haben Sie den Start der Gründung finanziert?

Die Anfangsphase habe ich aus eigenen Mitteln und über meine selbständige Tätigkeit als PR-Beraterin finanziert. Zusammen mit meinen technischen Mitgründerinnen haben wir uns dann erfolgreich für das SiBB Deep Tech Startup Stipendium im Rahmen der Berliner Startup Stipendien beworben. Das war ein absoluter Game Changer. Durch das Stipendium konnte ich meine Mitgründerinnen halten und wir konnten die Zeit und umfangreiche Workshops, Coachings und Mentorings optimal nutzen und all unsere gesteckten Meilensteine erreichen. Unsere Folgefinanzierung ist ebenfalls bereits gesichert.

Was ist das Besondere an «NJAJ» im Gegensatz zu anderen Wearables im Bereich der persönlichen Sicherheit?

Wir haben unser Schmuckarmband im ersten Schritt für jeden erwachsenen Menschen entwickelt, der Design und schöne Dinge liebt und sich frei, unabhängig und sicher zu jeder Zeit und überall bewegen will. Wir sind bisher das erste IoT-fähige Wearable (IoT: Netzwerk von physischen Objekten, die in Sensoren, Software und anderen Technologien eingebettet sind, um Daten mit anderen Geräten und Systemen über das Internet zu verknüpfen) mit lauter Alarmfunktion, das auch unabhängig vom Smartphone einen Alarm inklusive der GPS-Daten absenden kann. Außerdem entwickeln wir einen intuitiven Zwei-Wege-Auslösemechanismus, der vor allem in Stresssituationen besonders wertvoll wird. Mit unserem Produkt setzen wir auf hohe Qualität, nachhaltige Materialien und ein modernes Design. Unsere Mission ist es, das Sicherheitsgefühl unserer Nutzer*innen zu stärken, ihre Privatsphäre zu schützen und ihnen eine effektive Hilfe für den Notfall zu bieten.

Welche Funktionen sollen die Armbänder bieten und welche technischen Herausforderungen sind damit verbunden?

Polizei und Selbstverteidigungsexpert*innen empfehlen das Tragen eines lauten Alarms als besonders wirksame Möglichkeit, potenzielle Angreifer*innen abzuschrecken, das Überraschungsmoment zu nutzen und andere auf sich aufmerksam zu machen, um Hilfe zu organisieren.

Um einen solchen lauten Alarm schnell auslösen zu können, haben wir ihn minimiert und in unser körpernahes Schmuckarmband integriert. Am Handgelenk kann der 120 dB laute oder auch ein stiller Alarm mit nur einem Finger intuitiv ausgelöst werden. Ganz unabhängig vom Smartphone wird dann eine SMS mit den GPS-Daten an vorab über unsere App ausgewählte, persönliche Notfall-Kontakte gesendet. Diese können dann den Live-Standort verfolgen und schnell Hilfe organisieren oder die Polizei rufen. Auch die optionale Verbindung zu einem 24/7 besetzten Notfall-Center ist geplant.

Die größten technischen Herausforderungen waren und sind die Miniaturisierung des lauten Alarms und die Integration der IoT-Technik in ein Schmuckstück aus hochwertigen Materialien. Hier gilt es, neue Lösungen im Sound-Design zu entwickeln und die Herausforderungen rund um Leit- und Sendefähigkeiten beim Einsatz verschiedenster Materialien zu lösen.

Über die Alarmfunktion hinaus war es mir besonders wichtig, dass meine Kinder und unsere zukünftigen Kund*innen das Armband gerne tragen, weil sie es lieben. Das Bedürfnis es zu tragen, soll nicht aus Angst, sondern aus der Freude am Produkt entstehen. Deshalb haben wir ein hochwertiges, modernes Schmuckstück entwickelt, das gleichzeitig ein starkes, visuelles Zeichen gegen Gewalt setzt - ein echtes Statement-Piece.

In Ihrem Unternehmen treffen Mode- und Tech-Branche aufeinander. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit dieser doch sehr unterschiedlichen Arbeitswelten?

Super Frage! Genau dieser Aspekt macht besonders viel Spaß! Ich selbst bin Diplom-Modedesignerin und übernehme das Design und die visuelle Ausrichtung unserer Marke. Meine Mitgründerin Daria ist Luft- und Raumfahrtingenieurin und entwickelt die Hardware inklusive integrierter Software für das Armband. Für unsere App-Entwicklung ist unsere Software-Expertin Olya zuständig. Das Business Development und die Finanzen übernimmt unsere vierte Mitgründerin Vanessa. Unser Vorteil als Team liegt genau in dem Aspekt, dass wir verschiedenste berufliche Hintergründe und Fähigkeiten mitbringen und so jede ihre ganz klar definierten Aufgaben hat. Zusammen werden wir besonders kreativ, wenn es darum geht, Lösungen zu finden, die beiden Welten gerecht werden.

Wo sehen Sie Not Just A Jewel in einem Jahr? Was sind die nächsten Meilensteine?

In einem Jahr haben wir die Produktion unserer Schmuckarmbänder aufgebaut und unser erstes Produkt inklusive App erfolgreich auf dem deutschsprachigen Markt gelauncht. Weiterhin konzentrieren wir uns auf den Aufbau unseres Vertriebsnetzwerkes und auf den Ausbau unseres Teams.

Unsere nächsten Meilensteine sind die Umsetzung weiterer Nutzer*innen-Tests und die Optimierung unserer Prototypen inklusive IoT-Fähigkeit. Im Anschluss planen wir eine weitere Finanzierungsrunde im Hinblick auf den Markteintritt.

Welche Tipps möchten Sie Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Es gibt nichts, was man nicht lernen kann und man ist in der Regel weit davon entfernt, alles zu wissen, wenn man sich auf den Weg in eine Gründung macht. Eine große Vision hilft extrem. Man sollte nur auf keinen Fall zu viel darüber nachdenken, wie man an dieses Ziel kommt. Einen Schritt nach dem anderen gehen und jeden Zwischenerfolg feiern! Und Netzwerken was das Zeug hält! Wenn man noch kein großes Netzwerk hat, sollte man sich das unbedingt aufbauen.

Mit welchem erfolgreichen Gründer würden Sie gerne mal einen Kaffee trinken gehen und was würden Sie ihn oder sie fragen?

Ich würde mich sehr gerne mit Verena Pausder (u. a. Gründerin des Unternehmens «Fox & Sheep», welches Apps für Kinder im Vorschulalter entwickelt hat) treffen. Sie ist, neben vielen anderen Gründer*innen, eine große Inspiration. Ich finde vor allem ihr politisches Engagement superspannend und würde sie fragen, wie sie den Einstieg in dieses Feld geschafft hat und was sie in dem Bereich noch alles plant. Dazu passend würde ich in die Runde gerne noch Anne Kjaer Bathel (Gründerin der ReDI School of Digital Integration) einladen.
Vielen Dank für das Interview!

Aktualisierung: Donnerstag, 1. April 2021 08:49 Uhr

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